Telefonbetrug: Betrüger erbeuten 19.000 Euro mit Fernwartungs-Trick

KI-gestützte Phishing-Angriffe erreichen 86 Prozent, mit starkem Anstieg bei Teams und Kalendereinladungen. Microsoft-Nutzer sind Hauptziel von Device-Code-Phishing.

Kriminelle nutzen zunehmend künstliche Intelligenz für Identitätsdiebstahl und Betrug. Besonders betroffen: Nutzer von Microsoft-Diensten und Versicherungskunden.

Angreifer setzen auf KI und neue Kanäle

86 Prozent der identifizierten Phishing-Angriffe sind inzwischen KI-gestützt. Das zeigt der „Phishing Threat Trends Report“ von KnowBe4. Die Technologie erlaubt es Tätern, täuschend echte Nachrichten in Massen zu produzieren.

Klassische E-Mails dominieren weiterhin. Doch die Angriffsvektoren verschieben sich: Kalendereinladungen legten um 49 Prozent zu, Angriffe über Microsoft Teams um 41 Prozent. Besonders effizient nutzen Angreifer Reverse-Proxys – deren Einsatz stieg um 139 Prozent.

Cisco Talos registrierte innerhalb von vier Wochen rund 7 Millionen Angriffe per Device-Code-Phishing. 99 Prozent davon zielten auf Microsoft-Nutzer ab. Im ersten Quartal entfielen zudem 30 Prozent der Angriffe auf die Täuschung von Identitäten interner Teammitglieder.

Datenlecks als Rohstoff für spätere Straftaten

Das Landeskriminalamt Schleswig-Holstein warnt vor den langfristigen Folgen von Datenlecks. Erbeutete Informationen werden als „Rohstoff“ in kriminellen Netzwerken gehandelt – oft Jahre nach dem Diebstahl genutzt. Täter kombinieren Daten aus verschiedenen Quellen, schließen Verträge im Namen der Opfer ab oder provozieren Inkassoverfahren.

Neue Maschen verbreiten sich rasant: Quishing, also Phishing per QR-Code, wird verstärkt in Urlaubsregionen beobachtet. Auch manipulierte PayPal-Bestätigungen locken Opfer über gefälschte Betreffzeilen zu Hotlines. Beim Gmail-Punkt-Trick missbrauchen Täter die Alias-Funktion von E-Mail-Adressen, um offizielle Kommunikation vorzutäuschen.

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Gefälschte Behördenschreiben im Umlauf

Verbraucherzentralen und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnen vor Kampagnen im Namen öffentlicher Institutionen. Bei der AOK versprechen Kriminelle Rückerstattungen von 324,90 Euro und locken Kunden auf gefälschte Portale. Die Deutsche Rentenversicherung wird mit dem Vorwand eines Sicherheitsupdates für Nutzerkonten nachgeahmt.

Das BSI rät, Absenderadressen technisch zu prüfen. Moderne Phishing-Mails weisen oft keine sprachlichen Fehler mehr auf.

Schockanrufe verursachen weiter hohe Schäden

Telefonischer Betrug bleibt trotz technischer Schutzmaßnahmen lukrativ. In Bassum verlor ein 53-Jähriger 5.000 Euro: Nach einer Phishing-Mail rief ein vermeintlicher Bankmitarbeiter an, der das Opfer dazu brachte, Abbuchungen per Sicherheits-App zu bestätigen.

In Ludwigshafen erbeuteten Betrüger bei einem 83-Jährigen 19.000 Euro. Die Täter lockten mit einem Gewinnversprechen von 60.000 Euro und brachten das Opfer zur Installation einer Fernwartungssoftware. Im Kreis Leer versuchen Täter vermehrt, Zahlungen in Apple-Geschenkkarten zu erpressen.

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In Schleswig vereitelte ein Ehepaar einen versuchten Enkeltrick – die Anrufer hatten einen tödlichen Unfall vorgetäuscht. Die Polizeiinspektion Diepholz verzeichnete im vergangenen Jahr über 1.000 Strafanzeigen wegen Betrugs und 3.200 Fälle von Computerbetrug.

So schützen Sie sich

Das BSI empfiehlt konsequent Zwei-Faktor-Authentisierung und Passwort-Manager. Zur Aufklärung finden regelmäßig Informationsveranstaltungen statt. Am 11. August klärt Polizeioberkommissar Boris Kolb im Seniorentreff in Griesheim über Schockanrufe und falsche Polizeibeamte auf.

Bei Verdacht: sofort Anzeige erstatten und die Hausbank informieren.