Telefonbetrug: Frankreich verbietet unerwünschte Werbeanrufe ab 11. August

4,35 Milliarden automatisierte Anrufe im Juli 2026, davon fast die Hälfte betrügerisch. Frankreich verbietet Telefonwerbung, neue Apps und iOS-Update sollen schützen.

Die Zahl automatisierter Telefonanrufe hat in den USA einen neuen Höchststand erreicht – und mit ihr die Betrugsversuche. Im Juli 2026 wurden insgesamt 4,35 Milliarden Robocalls registriert, ein Anstieg von 1,5 Prozent gegenüber dem Vormonat. Besonders alarmierend: Rund 2,13 Milliarden Anrufe stammten aus dem Bereich Telemarketing und Betrug – ein Plus von 5,7 Prozent. Damit macht diese Kategorie inzwischen fast die Hälfte des gesamten automatisierten Anrufvolumens aus. Allein eine einzige Kreditbetrugs-Kampagne soll innerhalb eines Monats 40 Millionen Anrufe generiert haben.

Auch in Europa ist die Bedrohungslage ernst. Das Thema dürfte angesichts der jüngsten Entwicklungen auch für deutsche Verbraucher brisant werden – denn die Betrugsmaschen werden zunehmend raffinierter.

Erpresser kassieren Millionen in Bitcoin

Die finanziellen Schäden durch sogenanntes Vishing – Betrug per Telefonanruf – nehmen drastisch zu. Eine spezialisierte Erpresserbande namens UNC6671, die zuletzt unter wechselnden Namen wie Redact, Pink, Helix und Falcon auftrat, soll zwischen Januar und Mai 2026 über zehn Millionen Dollar in Bitcoin erbeutet haben. Die Gruppe zielt vor allem auf Finanz- und Beratungsunternehmen ab. Die geforderten Lösegelder liegen meist zwischen einer und drei Millionen Dollar, letztlich zahlen die Opfer im Schnitt jedoch rund 750.000 Dollar.

Doch nicht nur Großkonzerne sind betroffen. Einzelpersonen geraten zunehmend ins Visier perfider Social-Engineering-Angriffe. In Irland geben sich Betrüger etwa als Mitarbeiter des Telekommunikationsanbieters Eir aus und bringen Nutzer dazu, Fernwartungs-Apps zu installieren – mit verheerenden Folgen: Die Angreifer übernehmen die Kontrolle über das Smartphone. In Hongkong führte ein Fall von KI-generierter Stimmklonung zu einem Schaden von rund 1,27 Millionen Dollar, nachdem Täter die Stimme eines Familienmitglieds nachgeahmt hatten.

Besonders gefährdet sind ältere Menschen. In Italien wurden 2024 insgesamt 2,8 Millionen Menschen Opfer von Telefonbetrug – ein Anstieg von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Gesamtschaden zwischen 2022 und 2024 belief sich auf 559,4 Millionen Euro. Bei den über 65-Jährigen stiegen die gemeldeten Fälle 2024 um 15,58 Prozent.

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Frankreich zieht die Reißleine

Die Politik reagiert nun mit schärferen Regeln. Frankreich verabschiedet ein weitreichendes Verbot unerwünschter Telefonwerbung: Ab dem 11. August 2026 sind sämtliche unaufgeforderten Telefonmarketing-Anrufe untersagt. Unternehmen drohen Strafen von bis zu 375.000 Euro pro Anruf, Privatpersonen müssen mit bis zu 75.000 Euro rechnen. Branchenbeobachter erwarten erhebliche Auswirkungen auf die Callcenter-Industrie in Nachbarregionen wie Marokko, wo der Sektor Jahresumsätze von über einer Milliarde Dollar erwirtschaftet.

In den USA plant die Telekommunikationsbehörde FCC unterdessen, die „Know Your Customer“-Regeln auszuweiten. Künftig sollen Telefonanbieter detailliertere persönliche Daten ihrer Kunden erfassen, darunter Ausweisnummern und alternative Kontaktwege. Doch ein Bündnis aus 16 Bürgerrechts- und Datenschutzorganisationen, darunter die Electronic Frontier Foundation, schlägt Alarm: Solche zentralen Datenspeicher gefährdeten die Anonymität von Whistleblowern und Journalisten. Als Beleg verweisen die Aktivisten auf historische Datenlecks bei großen US-Mobilfunkanbietern in den Jahren 2021 und 2024.

Neue Schutztechnologien gegen die Anruf-Flut

Die Tech-Branche arbeitet unterdessen an Gegenmitteln. Die App Glacier, veröffentlicht am 7. August von Security App LLC, setzt auf Datenschutz durch Blockierung von Tracking und bietet Wegwerf-Telefonnummern für einmalige Nutzung. Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Gezielte Werbung in sozialen Netzwerken treibt Nutzer zunehmend auf Plattformen, auf denen sie stärkerer Überwachung ausgesetzt sind.

Apple rüstet sein Betriebssystem mit robusteren Anrufverwaltungsfunktionen aus. iOS 26 führt ein Anruf-Screening ein, das unbekannte Anrufer stummschaltet oder sie dazu zwingt, vor dem Klingeln einen Grund anzugeben. Die Aktualisierung auf Version 26.6 verbessert zudem die Verwaltung blockierter Kontakte – auch wenn Nutzer eine Funktion zum Massen-Entsperren vermissen. In Italien verfolgt die App Devia einen ungewöhnlichen Ansatz: Dort filtern menschliche Sicherheitsmitarbeiter manuell Anrufe von unbekannten Nummern – ein Service speziell für ältere Abonnenten.

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Sicherheitslücken: Angriffe ohne jeden Klick

Doch trotz aller Schutzmaßnahmen bleiben technische Schwachstellen. Auf der Sicherheitskonferenz Black Hat demonstrierten Forscher von Google Project Zero sogenannte Zero-Click-Exploits gegen die Pixel-Modelle 9 und 10. Diese Angriffe nutzen Fehler in Audio-Codecs und Treibern aus, um ohne jede Nutzerinteraktion die volle Kontrolle über ein Gerät zu erlangen – inklusive unbefugtem Zugriff auf Mikrofon und Fotos.

Die Zahlen der EU-Cybersicherheitsbehörde ENISA untermauern die Dringlichkeit: 42 Prozent aller Cyberangriffe in Europa richten sich inzwischen gegen Mobilgeräte. Ein einzelnes Smartphone erlebt durchschnittlich 360 Sicherheitsvorfälle pro Jahr, darunter fast 300 Phishing-Versuche. Rund 67 Prozent der Angriffsvektoren liegen dabei in mobilen Apps – viele davon anfällig für Code-Injection und andere Schwachstellen.