Telefonbetrug: Hongkong verhaftet 61 Verdächtige bei Millionen-Operation

Behörden in Hongkong und Indien warnen vor KI-gestützten Betrugsmaschen mit Voice Cloning und Deepfakes. Die Schäden steigen weltweit massiv.

Telefonbetrug und Identitätsdiebstahl erreichen eine neue Dimension – dank Künstlicher Intelligenz, Voice Cloning und Deepfakes. Kriminelle erbeuten damit weltweit Millionenbeträge.

Hongkong: 61 Verdächtige bei Anti-Betrugs-Operation festgenommen

Die Polizei in Hongkong hat Anfang Juli einen Schlag gegen Telefonbetrüger geführt. Bei der Aktion „Pebblepace“ nahmen die Beamten 61 Verdächtige im Alter von 17 bis 82 Jahren fest. Ihnen werden über 50 Betrugsfälle mit einem Gesamtschaden von rund 31 Millionen Hongkong-Dollar (HK$) vorgeworfen.

Die Zahlen für die ersten fünf Monate des Jahres sind alarmierend. Die Telefonbetrugsfälle stiegen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 46 Prozent auf über 3.700. Die finanziellen Verluste legten sogar um 66 Prozent auf 720 Millionen HK$ zu. Besonders beliebt bei den Tätern: Sie geben sich als Kundendienstmitarbeiter aus oder nutzen die „Rate mal, wer ich bin“-Taktik. Allein diese Masche verursachte Schäden von 95 Millionen HK$. In einem Fall verlor ein Opfer durch manipulierte Anrufer-IDs rund 14,5 Millionen HK$.

Indien warnt vor dem „Boss Scam“

Die indische Börsenaufsicht SEBI schlägt ebenfalls Alarm. Mitte Juli warnte sie börsennotierte Unternehmen vor dem sogenannten „Boss Scam“. Dabei imitieren Betrüger Führungskräfte wie CEOs oder Geschäftsführer.

Die Masche ist technisch ausgefeilt. Die Täter nutzen KI-Deepfakes und Voice Cloning, um täuschend echte Sprachnachrichten oder Videoanrufe zu generieren. Über WhatsApp oder Microsoft Teams fordern sie dann Finanzabteilungen zu dringenden Überweisungen auf. Ein besonders perfides Detail: Die Angreifer versenden Malware in ZIP-Dateien, mit denen sie WhatsApp-Web-Sitzungen kapern können. Die SEBI ruft Unternehmen dazu auf, jede Zahlungsaufforderung über etablierte, direkte Kanäle zu verifizieren.

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Quishing und Smishing auf dem Vormarsch

Doch die Betrüger setzen nicht nur aufs Telefon. Neue digitale Methoden boomen. Im ersten Halbjahr 2026 explodierten die Fallzahlen beim Quishing – Phishing per QR-Code. Sie stiegen im ersten Quartal um 146 Prozent. Auch Smishing, also Betrug per SMS, legte im zweiten Quartal um 162 Prozent zu.

Die Ursache ist klar: KI-Tools sind heute für jeden zugänglich. Das FBI schätzte die Schäden durch KI-gestützten Betrug allein für das vergangene Jahr auf rund 820 Millionen US-Dollar. In Deutschland verlor Mitte Juli ein Opfer durch Deepfake-Manipulationen 1,3 Millionen Euro.

Wer haftet bei Betrug?

Die Welle der Vorfälle stellt auch die Frage nach der Verantwortung der Banken. Der Bundesgerichtshof (BGH) entschied bereits im Sommer 2024: Banken müssen dem Kunden grobe Fahrlässigkeit nachweisen, um eine Haftung abzulehnen. Der belgische Kassationshof urteilte im Juni 2026 ähnlich – eine Haftung des Kunden gebe es nur bei untypischem Verhalten.

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Die Täter werden immer erfinderischer. In Hongkong nutzten sie sogar Goldgranulate, um Betrugsgelder zu waschen. Die US-Handelsbehörde FTC gibt einen einfachen Tipp: Staatliche Stellen verlangen niemals Zahlungen per Geschenkkarte, Kryptowährung oder über spezielle Zahlungs-Apps. Allein durch die Imitation von Behördenvertretern entstanden in den USA 2024 Verluste von fast 800 Millionen Dollar.