Die Sicherheitsbehörden schlagen Alarm: Deutschland, Österreich und die Schweiz erleben eine massive Zunahme koordinierter Telefonbetrügereien. Professionelle Banden nutzen ausgefeilte Methoden wie „Spoofing“ und „Number Cycling“, um Bürger um hohe Geldbeträge zu bringen. Besonders betroffen sind derzeit Bayern, Rheinland-Pfalz, Teile der Schweiz und Niederösterreichs.
Schockanrufe: Schadenssumme verdoppelt sich
Die finanziellen Folgen sind dramatisch. Im bayerischen Landkreis Altötting verdoppelte sich die Schadenssumme durch Schockanrufe im Jahr 2025 auf rund 5,1 Millionen Euro – im Vorjahr waren es noch 2,5 Millionen. Ermittler vermuten, dass die Täter gezielt Informationen aus Traueranzeigen nutzen, um potenzielle Opfer zu identifizieren.
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Die Gesamtzahl der registrierten Spam-Anrufe sank im Mai 2026 zwar um 13,5 Prozent auf 518.640 Fälle. Doch die Belastung für den Einzelnen bleibt hoch. Betroffene Nutzer werden im Schnitt mit mehr als vier Anrufen konfrontiert. Beim sogenannten „Number Cycling“ wechseln die Täter ständig ihre Rufnummern, um Blockaden zu umgehen. Ein besonders aktiver Nummernblock aus Düsseldorf wurde zuletzt mit mehr als 62.000 Anrufen in Verbindung gebracht.
Perfide Maschen: Von der Krebslüge bis zum falschen Polizisten
Die Betrüger zielen auf die emotionale Ausnahmesituation der Angerufenen ab. In Hof erbeuteten Täter einen niedrigen sechsstelligen Betrag von einer Seniorin. Sie gaukelten ihr vor, ihr Sohn sei an Krebs erkrankt und brauche dringend Geld für eine Spezialbehandlung.
In Hofgeismar verlor eine Frau mehrere tausend Euro an einen Abholer. Ein falscher Polizist hatte behauptet, ihre Enkelin habe einen schweren Verkehrsunfall verursacht.
Neben diesen emotionalen Druckmitteln setzen die Banden vermehrt auf geschäftliche Vorwände:
- Bank-Betrug: In Trippstadt wurde ein 84-Jähriger um 30.000 Euro betrogen. Die Täter gaben vor, Bankmitarbeiter zu sein und eine Sicherheitslücke schließen zu müssen.
- Amtliche Tarnung: Die Kantonspolizei Appenzell Innerrhoden warnt vor Anrufern, die offizielle Notrufnummern wie die 117 auf den Displays erscheinen lassen (Spoofing).
- Versorgungsbetriebe: Im Raum Baden in Niederösterreich gaben sich Unbekannte als Mitarbeiter von Netz NÖ aus. Unter dem Vorwand einer Zählerablesung wollten sie an Kundendaten gelangen.
Ermittlungserfolge: Fahnder nehmen Abholer fest
Trotz der oft aus dem Ausland agierenden Callcenter konnten die Ermittlungsbehörden zuletzt Erfolge verbuchen. In Kusterdingen gelang der Polizei die Festnahme einer 21-jährigen mutmaßlichen Abholerin sowie eines 20-jährigen Koordinators. Ein Senior hatte die Betrugsmasche rechtzeitig erkannt und die Beamten informiert. Beide Verdächtigen sitzen in Untersuchungshaft. Ihnen wird bandenmäßiger Betrug vorgeworfen – die Höchststrafe liegt bei zehn Jahren Haft.
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So schützen Sie sich vor den Betrügern
Polizeidirektionen und Banken mahnen zur ständigen Vorsicht. Echte Polizeibeamte oder Bankangestellte verlangen niemals am Telefon nach Passwörtern, PIN-Nummern oder der Herausgabe von Bargeld und Schmuck.
Experten raten:
– Verdächtige Gespräche sofort beenden
– Keine persönlichen Details preisgeben
– Vorfälle umgehend bei der örtlichen Polizei melden
– Bei angeblichen Notfällen von Angehörigen: Immer über die bekannten privaten Nummern Rücksprache halten

