Telefonbetrug wird raffinierter – KI-Stimmen im Umlauf

Betrüger nutzen künstliche Intelligenz zur Stimmenimitation und setzen auf perfektionierte Abzock-Methoden. Die Bundesnetzagentur warnt vor einer Professionalisierung der Kriminalität trotz sinkender Anrufzahlen.

Eine neue Qualität von Betrug erreicht deutsche Haushalte. Während die Zahl der Spam-Anrufe insgesamt leicht gesunken ist, werden die Methoden deutlich perfider. Kriminelle setzen jetzt auf KI-gestützte Schockanrufe und eine aggressive Rückkehr der Lotto-Abo-Masche – allein im Januar belästigten diese Hunderttausende Bürger.

Die perfekte Stimmen-Täuschung

Das Beängstigende: Betrüger klonen mittlerweile die Stimmen von Angehörigen. Mit nur wenigen Sekunden Audiomaterial – aus einem Anrufbeantworter oder Social-Media-Video – erstellen sie täuschend echte Kopien. Angerufen werden dann die Opfer von vermeintlich panischen Kindern oder Partnern, die Geldtransfers fordern.

Was macht die KI-Variante so gefährlich? Anders als frühere computergestimmte Bots simulieren diese Klone Emotionen: Weinen, Hysterie, echte Verzweiflung. Der psychologische Druck ist enorm – Menschen übergeben Geld an vermeintliche Boten, obwohl sie skeptisch sind.

Die Bundesnetzagentur hat diese Entwicklung als alarmierend eingestuft. Polizeistellen aus Ludwigshafen und Nordrhein-Westfalen warnen bereits vor gezielten Angriffen dieser Art.

Lotto-Abo-Masche in Großoffensive

Parallel dazu erleben Verbraucher eine Welle klassischer Telefonbetrüger. Im Januar 2026 registrierten Anruferkennungs-Dienste über 555.000 betrügerische Anrufe. Die häufigste Variante: die Lotto-Abo-Masche.

Das Prinzip ist alt, aber wirksam:

  • Anrufer behaupten, ein kostenlosen Abonnement sei nicht gekündigt worden
  • Nun verlängere es sich kostenpflichtig
  • Die „kulante“ Lösung: sofortige Zahlung (79–96 Euro für drei Monate)
  • Echtes Ziel: Bankdaten (IBAN) der Opfer abgreifen

Besonders aggressive Rufnummern wurden identifiziert – etwa 01516 2768541 oder Festnetze aus Emmerich (02822 7849849) und Hamburg. Die Täter wechseln diese jedoch ständig, um Blocklisten zu umgehen.

Weniger Anrufe, größere Schäden

Die Jahresbilanz 2025 der Bundesnetzagentur zeigt ein differenziertes Bild. Insgesamt gingen 85.158 Beschwerden über Rufnummernmissbrauch ein – ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr. Die Behörde schaltete rund 6.200 Nummern ab und verhängte über 2.000 Rechnungslegungs- und Inkassierungsverbote.

Doch Experten warnen: Das ist keine Entwarnung. Der Rückgang bei der Menge wird durch steigende Erfolgsquoten kompensiert. Mit KI-Unterstützung und präzisen Datensätzen aus dem Darknet treffen Kriminelle treffsicherer.

Ausländische Täter, deutsche Vorwahlen

Ein weiteres Phänomen: Die Professionalisierung internationaler Betrugsstrukturen. Varianten der „Kölner Masche“ – bei der Gewerbetreibende in Branchenbücher eingetragen werden – werden zunehmend aus dem Ausland, teilweise sogar aus den USA, gesteuert.

Die Täter nutzen Spoofing, um deutsche Ortsvorwahlen anzuzeigen. Ein Trick: Sie zeichnen Gespräche auf, schneiden das Wort „Ja“ heraus und nutzen es isoliert als angeblichen Vertragsabschluss. Verbraucherschützer raten: Am Telefon kein „Ja“ sagen – es könnte in einen anderen Kontext geschnitten werden.

So schützt man sich

Für die kommenden Monate erwarten Sicherheitsanalysten „Hybrid-Angriffe“ – Anrufe kombiniert mit Phishing-SMS und gefälschten Bank-E-Mails. Die Grenze zwischen Cyberkriminalität und klassischem Betrug verschwimmt.

Polizeibehörden empfehlen eine analoge Sicherheitsmaßnahme: Ein Codewort mit Familie vereinbaren. Ruft jemand in einer Notlage an und fordert Geld, ist dieses Wort der schnelle Beweis – die KI-Stimme kann es nicht reproduzieren.

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Grundregel: Bei Geldforderungen am Telefon sofort auflegen und die Person unter der bekannten, gespeicherten Nummer selbst zurückrufen.