Der Telegram-Gründer erhob die Vorwürfe am 16. und 17. Juni 2026, während die indische Regierung die App vorübergehend aus den App-Stores entfernen ließ. Durov behauptet, Reliance und WhatsApp hätten hinter den Kulissen gegen Telegram lobbyiert, um ihre eigenen Marktpositionen zu stärken.
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Schwere Vorwürfe gegen Reliance
Konkret wirft Durov dem Mischkonzern Reliance vor, sogenanntes BGP-Hijacking eingesetzt zu haben – eine Technik, mit der Internetverbindungen manipuliert werden können. Dadurch sei Telegram für Millionen von Nutzern außerhalb Indiens gestört worden, darunter auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Durov verweist auf einen möglichen Interessenkonflikt: Meta, der Mutterkonzern von WhatsApp, hält eine Minderheitsbeteiligung an Reliances Jio Platforms. Die Netzwerkstörungen seien kein Zufall gewesen, so Durov. Reliance habe wiederholte Hinweise auf die Probleme ignoriert.
Branchenkenner widersprechen
Insider aus der Industrie weisen die Anschuldigungen jedoch zurück. Sie vermuten, dass Durov Reliance Industries (Jio) mit Reliance Communications verwechselt habe – einem Unternehmen, das seit 2019 insolvent ist.
Zwar hält Meta rund 9,9 Prozent an Jio Platforms, doch die Quellen betonen, dass der US-Konzern keinerlei operative Kontrolle über den indischen Telekommunikationsanbieter habe. Ein Branchenkenner bezeichnete Durovs Behauptungen als unzutreffend. Die beschriebenen technischen Probleme seien kein Teil einer koordinierten Aktion von Reliance oder Meta.
Vorübergehendes Verbot wegen Prüfungsbetrugs
Die indische Regierung ordnete die vorübergehende Entfernung von Telegram aus den App-Stores bis zum 22. Juni 2026 an. Offizieller Grund sind Bedenken wegen akademischen Betrugs. Die National Testing Agency (NTA) hatte die Maßnahme beantragt, um die organisierte Verbreitung durchgestochener Prüfungsfragen vor der NEET-UG-Nachprüfung am 21. Juni 2026 zu verhindern.
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Gestützt auf Paragraf 69A des IT-Gesetzes forderte die Regierung Telegram zudem auf, die Funktion zum Bearbeiten von Nachrichten bis zum 30. Juni 2026 zu deaktivieren. NTA-Direktor Abhishek Singh verteidigte das Verbot als notwendigen Schritt, um Betrugsnetzwerke zu stören – auch wenn solche Maßnahmen nicht vollständig narrensicher seien.
Telegram zieht vor Gericht
Durov kritisiert die Beschränkungen als unverhältnismäßig. Sie bestraften über 150 Millionen Nutzer in Indien, ohne die Verbreitung durchgestochener Materialien wirksam zu stoppen. Die Plattform habe bereits hunderte Kanäle mit durchgestochenen Prüfungsinhalten entfernt. Solche Inhalte wanderten bei einer Sperre einfach auf andere Anwendungen ab.
Telegram hat beim Delhi High Court Klage gegen die Regierungsanordnung eingereicht. Auch Digitalrechteorganisationen wie die Internet Freedom Foundation kritisieren das vorübergehende Verbot als überzogen. Um die Sicherheit der anstehenden Prüfungen zu gewährleisten, setzt die indische Regierung Berichten zufolge zusätzlich die Luftwaffe für den sicheren Transport der Prüfungsunterlagen ein.

