Telegram vs. Signal: Welcher Messenger ist wirklich sicher?

Russische Behörden warnen vor Telegram als Sicherheitsrisiko, was den grundlegenden Sicherheitsunterschied zum Konkurrenten Signal verdeutlicht. Der Vergleich zeigt klare Vor- und Nachteile bei Verschlüsselung und Datenschutz.

Russische Behörden warnen öffentlich vor einer Kompromittierung von Telegram. Der Vorwurf des Inlandsgeheimdienstes FSB: Der Messenger stelle ein Sicherheitsrisiko für Militärangehörige dar. Telegram wies die Vorwürfe umgehend zurück. Die Konfrontation rückt die grundlegenden Unterschiede zwischen Telegram und seinem Konkurrenten Signal erneut in den Fokus. Für Millionen Nutzer stellt sich die Frage: Wem kann man wirklich vertrauen?

Der Verschlüsselungs-Knackpunkt

Der größte Unterschied liegt in der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung (E2EE). Bei Signal ist sie der Standard – für jeden Chat, jeden Anruf. Nur Sender und Empfänger können die Inhalte lesen. Telegram nutzt standardmäßig eine schwächere Client-Server-Verschlüsselung. Nachrichten werden auf den Servern des Anbieters entschlüsselt und gespeichert.

Echte E2EE bietet Telegram nur in optionalen „Geheimen Chats“. Diese müssen manuell gestartet werden und funktionieren nur zwischen zwei Personen. Für Gruppenchats steht die höchste Sicherheitsstufe gar nicht zur Verfügung. Signal schützt seine Nutzer also von Haus aus, bei Telegram muss man aktiv werden.

Was gespeichert wird – und was nicht

Ein weiterer kritischer Punkt sind Metadaten. Signal speichert so gut wie nichts: nur das Kontoerstellungsdatum und den Zeitpunkt der letzten Anmeldung. Bei behördlichen Anfragen kann der Dienst kaum Daten liefern, weil sie nicht existieren.

Telegram sammelt deutlich mehr: Telefonnummer, Kontakte, IP-Adressen und Informationen zu abonnierten Gruppen. Diese Daten bleiben bis zu zwölf Monate gespeichert. Solche Metadaten verraten selbst ohne Nachrichteninhalt viel über soziale Netzwerke und Bewegungsprofile. Sie sind ein gefundenes Fressen für Überwachungsbehörden.

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Open Source gegen Blackbox

Vertrauen braucht Transparenz. Hier setzt Signal auf vollständige Offenheit. Der Code der Apps und der Server ist Open Source. Unabhängige Experten können ihn jederzeit auf Schwachstellen prüfen.

Telegrams Client-Apps sind zwar auch quelloffen, der entscheidende Server-Code ist es nicht. Er bleibt eine Blackbox. Niemand außerhalb des Unternehmens kann überprüfen, was wirklich mit den Daten passiert. Das schafft ein fundamentales Vertrauensproblem.

Zwei Welten: Gemeinnützig vs. gewinnorientiert

Hinter den technischen Unterschieden stehen gegensätzliche Geschäftsmodelle. Die Signal Foundation ist eine gemeinnützige Organisation, finanziert durch Spenden. Es gibt keine Werbung, keine Monetarisierung von Nutzerdaten. Die Mission ist der Schutz der Privatsphäre.

Telegram ist ein gewinnorientiertes Unternehmen. Es finanziert sich über ein Premium-Abo und Werbung in öffentlichen Kanälen. Das kommerzielle Modell ist auf Wachstum und Cloud-Komfort ausgerichtet – was tendenziell mehr Datensammlung erfordert. Könnten diese Interessen irgendwann dem Datenschutz widersprechen?

Bequemlichkeit oder kompromisslose Sicherheit?

Die aktuellen Vorwürfe aus Russland zeigen: Die theoretischen Unterschiede haben handfeste Konsequenzen. Telegram bietet mit Cloud-Sync und riesigen Gruppen mehr Komfort. Doch dieser Komfort hat seinen Preis: weniger Sicherheit von Haus aus.

Sicherheitsexperten sind sich einig: Signal ist die deutlich sicherere Wahl. Der Dienst schützt standardmäßig auf höchstem Niveau. Bei Telegram liegt die Verantwortung beim Nutzer. Wer maximale, verifizierbare Privatsphäre will, für den bleibt Signal erste Wahl. Wer vor allem Bequemlichkeit sucht, mag bei Telegram landen. Die Architektur entscheidet, wie widerstandsfähig ein Messenger gegen staatlichen Druck ist.