Auf der Jahrespressekonferenz des Bundesverbands Medizintechnologie (BVMed) hat Verbandsvize Dorothee Stamm einen grundlegenden Kurswechsel bei der Einführung smarter Medizintechnik verlangt. Konkret forderte Stamm einen schnelleren, eigenständigen Marktzugang sowie einen verlässlichen Vergütungsweg für Telemonitoring und verwandte digitale Anwendungen.
Der Verband begründet diesen Vorstoß mit langen Verzögerungen im derzeitigen System: Beim Herzinsuffizienz-Telemonitoring habe es laut BVMed bislang bis zu 15 Jahre gedauert, bis überhaupt ein eingeschränkter Marktzugang erreicht wurde.
Fehlende Vergütung bremst zugelassene Technologien aus
Nach Angaben des Branchenverbands scheitern bereits marktreife und zugelassene Innovationen häufig an strukturellen Hürden zwischen den Versorgungsbereichen. Als Beispiel nannte der BVMed das Telemonitoring bei Schwangerschaftsdiabetes, das mangels geregelter Verordnung und Vergütung nicht im Versorgungsalltag der Patientinnen ankomme.
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Eine vergleichbare Blockade treffe auch das digitale Monitoring von Gelenkersatz- und Vitaldaten nach einem Klinikaufenthalt. Obwohl die technischen Lösungen existieren, fehle es an Möglichkeiten für eine ambulante Verordnung und Abrechnung.
Um diesen Stillstand zu beenden, plädiert der Verband für risikogerechte Evidenzanforderungen bei Telemonitoring und smarter Medizintechnik. Zudem müsse das anfallende Datenmanagement im Rahmen telemedizinischer Angebote künftig vergütet werden. Der BVMed dringt darüber hinaus darauf, die verschiedenen Gesundheitsberufe fest in die Versorgung einzubinden und bestehende Sektorengrenzen im deutschen Gesundheitssystem konsequent abzubauen.
Regulatorische Hürden und Unmut über europäische Zulassung
Über die konkreten Telemonitoring-Strukturen hinaus blickt die Medizintechnikindustrie mit Sorge auf die allgemeinen Rahmenbedingungen für Neuerungen. Innovative Produkte erreichen den deutschen Markt nach Angaben des Verbands inzwischen mit einer Verzögerung von 3 bis 4 Jahren. Als wesentliche Ursache dafür gilt die europäische Medizinprodukte-Verordnung (MDR), die seit 2021 wirksam ist.
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Die Unzufriedenheit der Branche mit dem aktuellen Rechtsrahmen schlägt sich deutlich in Zahlen nieder: In der jährlichen BVMed-Branchenbefragung sprachen sich 62 Prozent der befragten Unternehmen für das Zulassungssystem der USA aus, während lediglich 9 Prozent das europäische Verfahren bevorzugten. Hoffnung setzt die Industrie auf eine Nachbesserung der Vorgaben.
Eine Position des Europäischen Parlaments zur Revision der MDR ist noch für 2026 geplant; ein Abschluss im Trilogverfahren könnte möglicherweise im Januar erfolgen. Parallel verlangt der Verband von der Bundespolitik Tempo und fordert für den Herbst 2026 einen Kabinettsbeschluss zur nationalen MedTech-Strategie.
Verhaltener wirtschaftlicher Optimismus in der Branche
Trotz der regulatorischen Bremsen und bürokratischen Hemmnisse bewerten viele Hersteller die Marktlage verhalten positiv. In der Branchenbefragung des BVMed gaben 75 Prozent der Unternehmen an, für 2026 bessere Umsätze auf dem deutschen Markt zu erwarten als im Jahr 2025. Der prognostizierte Anstieg liegt im Durchschnitt bei 3,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Der Wirtschaftszweig hat beträchtliches Gewicht im Gesundheitswesen: Dem Branchenverband zufolge beschäftigt die Medizintechnik in Deutschland mehr als 212.000 Menschen.

