Tencent setzt mit einer Milliarden-Kampagne und einer neuen Social-Funktion alles auf die Verbreitung seines KI-Assistenten Yuanbao. Der chinesische Tech-Riese will damit die entscheidende Nutzerbasis im Wettrennen um die Alltags-KI aufbauen.
Der Konzern startete am 1. Februar eine 1 Milliarde Yuan (rund 144 Millionen Euro) schwere Werbeoffensive. Kern ist eine digitale „Rote-Paket“-Aktion über die chinesischen Neujahrsfeiertage. Nutzer erhalten Geldgeschenke für das Herunterladen der Yuanbao-App und das Teilen von Links. Die Taktik erinnert an den legendären Coup von 2015, mit dem Tencent seinen Bezahldienst WeChat Pay durchsetzte.
Die aggressive Marketing-Strategie markiert einen Bruch mit Tencents bisheriger Philosophie, Nutzer nicht zu stören. Sie zeigt, wie dringlich der Kampf um die Vorherrschaft bei KI-Anwendungen geworden ist. In einem Markt mit schätzungsweise 700 bis 900 Millionen potenziellen Nutzern setzt Tencent auf kurzfristige Anreize für langfristige Dominanz.
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„Yuanbao Party“: KI wird zum sozialen Begleiter
Gleichzeitig startete die „Yuanbao Party“ in die öffentliche Beta. Diese neue Social-Funktion soll das größte Problem vieler KI-Apps lösen: hohes anfängliches Interesse, aber geringe langfristige Bindung.
Die Funktion verwandelt den KI-Assistenten vom Werkzeug zum aktiven Teilnehmer in Gruppenchats. Als „Party-Freund“ kann Yuanbao Chatverläufe zusammenfassen, Gruppenaktivitäten wie Fitness-Challenges organisieren und in Echtzeit Memes aus geteilten Fotos generieren. Ein Alleinstellungsmerkmal ist die tiefe Integration von Tencents eigenen Content-Bibliotheken. Gruppen können synchron Musik von QQ Music hören oder VIP-Filme auf Tencent Video schauen – alles innerhalb der App und von der KI moderiert.
Der Kampf um die „Haftung“ der Nutzer
Mit diesem Ansatz will Tencent die KI von einer einfachen Utility zu einer Form der „sozialen Symbiose“ weiterentwickeln. Während die meisten KI-Chats auf Einzelgespräche setzen, nutzt Tencent seine Social-Media-Expertise, um die KI in Mehrnutzer-Szenarien einzubetten. Sie soll zum zentralen Bestandteil von Gruppen-Dynamiken und gemeinsamer Unterhaltung werden.
Die Strategie zielt auf das Kernproblem der Branche: die Kluft zwischen leistungsstarken KI-Modellen und dem Alltag der Durchschnittsnutzer. Als sozialer „Katalysator“, der Gruppeninteraktionen bereichert, soll Yuanbao zur Gewohnheit werden – nicht nur für Informationen, sondern zur Organisation des Soziallebens.
Das Neujahrsfest als KI-Schlachtfeld
Tencents Offensive ist der bisher aggressivste Schachzug in einem abgestimmten Wettbewerb der chinesischen Tech-Giganten um die Feiertagsnutzer. Auch Baidu mit Ernie und Alibaba mit Qianwen haben massive digitale Rotpacket-Aktionen gestartet. ByteDance plant prominente Werbung für seinen Assistenten Doubao.
Dies zeigt: Das Rennen in der KI-Branche entwickelt sich schnell vom Wettbewerb um die leistungsstärksten Sprachmodelle hin zum Kampf um überzeugende Massenanwendungen. Analysten sehen 2026 als das „Jahr der KI-App“, in dem Nutzerzahlen und Nutzungshäufigkeit zum entscheidenden Erfolgsmaß werden. Jeder Konzern nutzt sein eigenes Ökosystem – Suche, E-Commerce oder soziale Netzwerke – um den primären Zugang zum nächsten Internet-Zeitalter zu kontrollieren.
Der anfängliche Erfolg ist da: Yuanbao stieg nach Kampagnenstart sofort auf Platz 1 der kostenlosen Downloads im chinesischen App Store. Die wahre Bewährungsprobe kommt jedoch nach den Feiertagen. Dann wird sich zeigen, ob Tencents milliardenschwerer Einsatz und der soziale Ansatz ausreichen, um die neu gewonnenen Nutzer auch nach dem Verblassen der finanziellen Anreize dauerhaft zu binden.
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