Tesla: Roboter sollen bald Kaffee servieren

Tesla stellt die Fertigung der Modelle S und X ein, um Kapazitäten für die Serienproduktion seiner humanoiden Optimus-Roboter freizumachen. Ziel ist die Herstellung von einer Million Einheiten jährlich.

Tesla-Chef Elon Musk will seine humanoiden Optimus-Roboter in Cafés an Supercharger-Stationen einsetzen. Dafür stellt der Konzern die Produktion um – und setzt alles auf eine Karte.

Der Elektroauto-Pionier vollzieht eine radikale Wende. Statt nur Autos zu bauen, will Tesla zum führenden Anbieter von Servicerobotern werden. CEO Elon Musk gab am 19. Februar 2026 eine visionäre Richtung vor: Seine Optimus-Roboter könnten eines Tages die Cafés an den hauseigenen Supercharger-Stationen betreiben. Dieser Blick in die Zukunft unterstreicht den enormen strategischen Ehrgeiz hinter dem Roboterprogramm. Der Konzern konzentriert seine Ressourcen nun aggressiv auf die Serienfertigung der menschenähnlichen Maschinen.

Hinter den Plänen steht eine massive operative Umstellung. Tesla bereitet sich darauf vor, die Produktion der etablierten Modelle Model S und Model X im Stammwerk Fremont einzustellen. Die Fließbänder sollen stattdessen für die Fertigung der Optimus-Roboter umgerüstet werden. Mit diesem entschlossenen Schritt positioniert Tesla den humanoiden Roboter als zentrales Produkt für seine nächste Wachstumsphase. Das initiale Ziel für die umgewidmete Fabrik: eine Million Optimus-Einheiten pro Jahr produzieren.

Vom Autobauer zum Roboter-Konzern

Die Neuausrichtung ist eindeutig. Die Entscheidung, wertvolle Produktionskapazitäten von profitablen Fahrzeugmodellen auf das junge Roboterprojekt umzuwidmen, ist der bisher konkreteste Beleg für diesen strategischen Pivot. Es handelt sich nicht um eine bloße Erweiterung, sondern um eine fundamentale Neuverteilung von Ressourcen auf das, was die Konzernführung für die größere langfristige Chance hält.

Die Dimension dieses Fokus ist für die Roboterbranche beispiellos. Eine Produktionslinie für eine Million humanoider Roboter jährlich zu planen, bedeutet einen Quantensprung in der Kapazität. Es ist ein gewaltiges Wagnis auf die kommerzielle Tragfähigkeit von Allzweckrobotern. Tesla sieht Optimus offenbar nicht mehr als Prototypen, sondern als serienreifes Produkt für den breiten Einsatz – zunächst im eigenen Betrieb, später in der gesamten Wirtschaft.

Der Countdown zur Serienfertigung läuft

Der Weg zur Massenproduktion im Jahr 2026 ist bereits geebnet. Die kommende Generation 3 (Gen 3) von Optimus wird das erste speziell für die Großserie konstruierte Modell sein. Die offizielle Vorstellung ist für das erste Quartal 2026 geplant, die Produktion soll noch vor Jahresende anlaufen.

Damit die Roboter nützliche Aufgaben erlernen, sammelt Tesla seit über einem Jahr Trainingsdaten in seiner Fabrik in Fremont. Arbeiter werden bei manuellen Tätigkeiten gefilmt. Dieses Programm wird nun auf die Gigafactory in Austin ausgeweitet. Ziel ist eine umfangreiche Bibliothek realer Handlungen, die den Robotern die Nuancen von Fertigung und Logistik beibringen soll. Durch diesen datengetriebenen Ansatz lernt Optimus durch Beobachtung und Nachahmung – und wird so schneller für komplexe Aufgaben fit.

Gen 3: Starke Hände für echte Arbeit

Die neue Generation ist für den Dauereinsatz in der realen Welt konzipiert. Ein Schwerpunkt liegt auf der Manipulationsfähigkeit, insbesondere der Hände. Kürzlich vorgestellte Hardware-Updates zeigen dramatische Verbesserungen der Fingerfertigkeit. Diese ist entscheidend, um aus dem Roboter einen funktionierenden Arbeiter zu machen, der filigrane Aufgaben übernehmen kann.

Die Lernarchitektur des Roboters wird von derselben KI-Software angetrieben, die auch Teslas „Full Self-Driving“-System steuert. Ein einziges neuronales Netz verarbeitet die Sensordaten und trifft Entscheidungen. Die Gen 3 wird zudem mit Funktionen wie Spritzwasserschutz ausgestattet – ein scheinbar kleines Detail, das für den Einsatz in unstrukturierten Umgebungen wie Haushalten oder Cafés entscheidend ist.

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Eine Wette mit globalen Herausforderungen

Teslas forscher Vorstoß in die Robotik ist nicht ohne Risiko. Das Unternehmen räumt ein, dass die aktuellen Optimus-Einheiten sich noch in der Trainingsphase befinden. Noch verrichten sie keine nützliche, autonome Arbeit in den Fabriken im großen Stil.

Zudem ist das Projekt stark von einer globalen Lieferkette abhängig. Viele Komponenten werden in Zusammenarbeit mit chinesischen Zulieferern entwickelt, die über tiefes Know-how und Kostenvorteile in der Robotik verfügen. Sollte Tesla erfolgreich sein, könnte es den Preis für humanoide Roboter drastisch senken. Das Ziel: Herstellungskosten von etwa 20.000 US-Dollar pro Einheit in der Großserie. Dieser Preis würde den breiten Einsatz in vielen Branchen wirtschaftlich machbar. Der Vorstoß hat bereits Reaktionen ausgelöst: Andere Tech- und Autokonzerne beschleunigen ihre eigenen Roboterprogramme.

Vision: Vom Fließband in die eigenen vier Wände

Der Fokus für 2026 liegt klar auf dem Einsatz in Teslas eigenen Fabriken. Die langfristige Vision von Elon Musk geht jedoch viel weiter. Öffentliche Verkäufe des Optimus-Roboters könnten bereits Ende 2027 beginnen. Die Maschine soll dann auf Benutzeranfrage eine Vielzahl von Funktionen erfüllen können.

Das ultimative Ziel ist ein Allzweckroboter, der Arbeitskräftemangel lindert und repetitive, gefährliche oder unbeliebte Aufgaben für Menschen übernimmt. Noch futuristischere Konzepte von Musk beinhalten sogar die Möglichkeit, dass die Roboter sich irgendwann selbst replizieren und Zivilisationen auf anderen Planeten aufbauen könnten. Der nächste große Meilenstein steht jedoch erst einmal an: die Enthüllung von Gen 3 und der Start der ersten dedizierten Produktionslinien. Sie markieren den Übergang humanoider Roboter von Science-Fiction zur industriellen Realität.