Tesla stemmt sich erfolgreich gegen den Abwärtstrend in Europa. Nach schwachen Monaten verzeichnete der Elektroauto-Pionier im Februar erstmals wieder ein spürbares Wachstum. Doch der Schein trügt: Die Konkurrenz aus China wird immer stärker.
Erholung mit Schönheitsfehlern
Die Zahlen geben Grund zur Hoffnung, sind aber mit Vorsicht zu genießen. Im Februar 2026 registrierte Tesla in 15 wichtigen europäischen Märkten 17.425 Fahrzeuge. Das ist ein Plus von 10 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Die Erholung wurde vor allem von Südeuropa getragen: In Frankreich schnellten die Zahlen um 55 Prozent in die Höhe, in Spanen sogar um 74 Prozent. Auch im Heimatmarkt Deutschland legte Tesla mit einem Plus von 59 Prozent auf 2.276 Einheiten kräftig zu.
Doch der Blick auf das Gesamtjahr zeigt das wahre Bild. Kombiniert man Januar und Februar, liegt Tesla mit rund 25.450 Zulassungen genau auf dem Niveau des Vorjahres. Experten sehen darin keine Trendwende, sondern lediglich eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau. „Das Unternehmen stoppt aktuell den Marktanteilsverlust, anstatt in eine neue Wachstumsphase einzutreten“, analysieren Marktbeobachter.
Regionale Extreme und der Absturz in Stammmärkten
Die europäische Bilanz ist ein Flickenteppich aus Licht und Schatten. Während einige Länder boomen, brechen traditionelle Stammmärkte ein. Besonders dramatisch ist die Entwicklung im Vereinigten Königreich, einst Teslas größtem europäischen Markt. Hier sackten die Zulassungen im Februar um 37 Prozent ab. Auch in den Niederlanden (-45 Prozent) und Skandinavien ging es bergab.
Norwegen zeigt, wie volatil die Lage ist. Nach einem katastrophalen Januar mit nur 83 Neuzulassungen eroberte Tesla im Februar mit 1.210 Einheiten und 16,6 Prozent Marktanteil kurzzeitig wieder die Spitzenposition zurück. Aufs Jahr gerechnet bleibt das Ergebnis jedoch weit hinter 2025 zurück. Die Nachfrage in Europa ist unberechenbar geworden.
Der Sturm aus China: BYD als neuer Platzhirsch
Teslas größte Sorge kommt aus Fernost. Chinesische Hersteller, angeführt vom Rivalen BYD, greifen den europäischen Markt aggressiv an. BYD verbuchte allein im Januar 2026 einen Registrierungsanstieg von 165 Prozent und brachte über 18.200 Fahrzeuge auf europäische Straßen. 2025 war der Zuwachs sogar noch beeindruckender: plus 269 Prozent.
Diese Konkurrenz fordert ihren Tribut. Teslas Marktanteil in der EU, Großbritannien und der EFTA schrumpfte im Januar auf nur noch 0,8 Prozent. Zum Vergleich: 2023, als das Model Y zum weltweit meistverkauften Auto gekürt wurde, lag der Anteil noch bei 2,9 Prozent. Der Kampf um den preissensiblen Massenmarkt hat begonnen – und Tesla reagiert mit günstigeren Varianten seiner Modelle.
Konfliktherd Gigafactory Berlin
Neben dem externen Wettbewerb droht Tesla auch intern in Europa Schwierigkeiten. Der geplante Ausbau der Gigafactory Berlin steht auf der Kippe. Die Unternehmensführung machte im März gegenüber den Belegschaften deutlich, dass weitere Investitionen in das Brandenburger Werk von der „Flexibilität des Betriebsumfelds“ abhängen.
Hintergrund sind die wachsenden Einflussbestrebungen der Gewerkschaft IG Metall im dortigen Betriebsrat. Die Fabrik beschäftigt rund 12.000 Menschen und soll eigentlich ausgebaut werden, um Batterien und neue Modelle wie den „Cybercab“ zu produzieren. Sollten „externe Organisationen“ zu viel Einfluss auf das Management erhalten, könnten diese Pläne eingefroren werden. Die Gewerkschaft kontert, dass Mitbestimmung zum deutschen Industriemodell gehöre und langfristig die Stabilität sichere.
Fragmentierter Markt mit ungewisser Zukunft
Die Februar-Zahlen sind ein wichtiger Indikator für den Wandel der europäischen Autoindustrie. Der Markt hat sich seit dem E-Auto-Boom der frühen 2020er Jahre fundamental verändert. Die Zielgruppe sind nicht mehr nur Technik-Begeisterte, sondern preisbewusste Massenkunden. Das kommt Herstellern mit niedrigeren Kostenstrukturen zugute.
Die extreme regionale Zersplitterung zeigt zudem: Nationale Förderprogramme und lokale Wirtschaftslagen bestimmen immer stärker über Erfolg oder Misserfolg. Teslas verhältnismäßig alternde Modellpalette – trotz Preisanpassungen und Updates – wird zum zusätzlichen Handicap.
All eyes on March: Der März ist traditionell das stärkste Quartalsmonat. Gelingt es Tesla, hier zu überzeugen, könnte das erste Quartal 2026 mit etwa 55.000 Zulassungen das Vorjahresniveau halten. Der Boden scheint gefunden. Der erbitterte Kampf um jeden Prozentpunkt Marktanteil in Europa geht nun in die nächste Runde.





