Tesla streicht „Autopilot“ und setzt voll auf Abos

Tesla reagiert auf kalifornische Vorgaben mit Umbenennung des Fahrassistenzsystems und schafft die Einmalkaufoption für Full Self-Driving ab. Das Unternehmen setzt nun vollständig auf wiederkehrende Abo-Einnahmen.

Tesla passt sich in Kalifornien strengeren Vorschriften an und schafft gleichzeitig die Einmalkauf-Option für sein Fahrassistenzsystem ab. Diese Woche markiert eine strategische Neuausrichtung des Elektroauto-Pioniers.

Die sichtbarste Änderung betrifft den Namen des Systems. Nach einem langen Rechtsstreit mit der kalifornischen Verkehrsbehörde DMV hat Tesla den Begriff „Autopilot“ aus seinen Marketingmaterialien im US-Bundesstaat gestrichen. Die Funktion heißt dort jetzt offiziell „Traffic Aware Cruise Control“. Zudem muss der Name des erweiterten Systems stets mit dem Zusatz „(Supervised)“ – also „(überwacht)“ – versehen werden. Damit reagiert das Unternehmen auf eine Verfügung vom Dezember 2025, die die bisherigen Bezeichnungen als irreführend einstuft. Eine drohende 30-tägige Lizenzsperre konnte so abgewendet werden.

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FSD nur noch als Abonnement erhältlich

Parallel zu den regulatorischen Anpassungen hat Tesla sein Geschäftsmodell für „Full Self-Driving“ (FSD) endgültig umgestellt. Seit dem 20. Februar ist der Erwerb einer lebenslangen Lizenz für einmalig 8.000 US-Dollar Geschichte. Das System ist nun ausschließlich als Abonnement erhältlich: für 99 Dollar monatlich oder 999 Dollar im Jahr.

Die neuen Nutzungsbedingungen betonen, dass Preis und Funktionsumfang sich ändern können. Diese Formulierung gibt Tesla maximale Flexibilität für künftige Preisanpassungen, etwa wenn die Leistungsfähigkeit des Systems deutlich steigt. Analysten sehen in der Umstellung auf ein reines Abo-Modell einen strategischen Schritt hin zu wiederkehrenden Software-Einnahmen, ähnlich wie bei deutschen Konzernen wie SAP.

Meilenstein: 8 Milliarden gesammelte Test-Kilometer

Mitten in diesen Veränderungen meldete Tesla einen bedeutenden technischen Fortschritt. Die Fahrzeugflotte habe weltweit mehr als 8 Milliarden Meilen (rund 12,9 Milliarden Kilometer) unter der Aufsicht des FSD-Systems zurückgelegt. Allein in den ersten 50 Tagen des Jahres 2026 kamen eine weitere Milliarde Meilen dazu.

Diese gewaltige Datenmenge ist der Treibstoff für Teslas KI-Entwicklung. Die „Echtwelt-Daten“ aus seltenen und unvorhersehbaren Fahrsituationen trainieren die neuronalen Netze der Softwareversionen v12 und des erwarteten Nachfolgers v13. Das Unternehmen verweist zudem auf eigene Sicherheitsstatistiken, die weniger Unfälle pro Meile im FSD-Modus im Vergleich zum nationalen Durchschnitt der menschlichen Fahrer zeigen. Unabhängige Experten fordern jedoch weiterhin detailliertere und vergleichbare Daten.

Was bedeutet die Strategieänderung?

Die Ereignisse der Woche zeigen einen reiferen Umgang Teslas mit Regulierungsbehörden. Die Umbenennung in Kalifornien könnte ein Präzedenzfall für andere Märkte werden, die die Diskrepanz zwischen Werbeversprechen und technischem Stand kritisch sehen. Die Priorität scheint nun auf regulatorischer Stabilität zu liegen, nicht auf provokativer Begrifflichkeit.

Wirtschaftlich senkt das Abo-Modell die Einstiegshürde für Kunden und schafft eine verlässliche Einnahmequelle. Die wachsende Nutzerbasis wiederum beschleunigt die Datensammlung – ein sich selbst verstärkender Effekt. Der Fokus liegt nun klar auf der Erweiterung der Abonnenten-Basis und der Weiterentwicklung der Software, während die angekündigte Version FSD v13 auf sich warten lässt.