Tesla: US-Behörde verschärft Fahrsicherheits-Untersuchung

Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA untersucht, ob Teslas kamerabasierte Fahrassistenzsysteme bei schlechter Sicht versagen. Ein Rückruf von 3,2 Millionen Fahrzeugen droht.

Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA hat ihre Untersuchung zu Teslas Full Self-Driving-System verschärft. Sie prüft, ob die Kamera-Technologie bei schlechter Sicht versagt – ein Schritt vor einem möglichen Zwangsrückruf für 3,2 Millionen Fahrzeuge.

Kritische Phase der Untersuchung erreicht

Die Behörde stufte die Prüfung am 18. März in eine Engineering Analysis hoch. Diese letzte Untersuchungsstufe vor einem möglichen Rückruf betrifft alle Tesla-Modelle, inklusive des Cybertrucks. Die Behörde will klären, ob das kamerabasierte System Warnungen ausgibt, wenn Blendung, Nebel oder Staub die Sicht beeinträchtigen.

Es ist bereits die dritte laufende Bundesuntersuchung zum Fahrsystem. Die Eskalation signalisiert wachsende regulatorische Bedenken. Sollte die NHTSA ein unvertretbares Sicherheitsrisiko feststellen, drohen dem Konzern erhebliche Konsequenzen.

Unfälle durch ausgeblendete Kameras?

Im Fokus steht die Degradations-Erkennung des Systems. Sie soll den Fahrer warnen, wenn die Kameras nichts mehr erkennen. Doch die Behörde fand Hinweise, dass dies bei häufigen Bedingungen wie tiefstehender Sonne oder starkem Regen nicht zuverlässig funktioniert.

Die Ermittler prüfen neun konkrete Unfälle, die mit diesem Problem zusammenhängen könnten. Dabei kam ein Fußgänger ums Leben, eine Person wurde verletzt. In mehreren Fällen verlor das System ein vorausfahrendes Fahrzeug aus den Augen. Die entscheidende Warnung an den Fahrer kam oft erst Sekunden vor dem Aufprall – zu spät für ein rechtzeitiges Eingreifen.

Tesla Vision unter Druck

Die Untersuchung stellt Teslas umstrittene kamerabasierte Strategie infrage. Seit 2021 setzt das Unternehmen auf reine Optik und verzichtet auf Radar-Sensoren, wie sie die Konkurrenz nutzt. Die NHTSA prüft nun, ob dieser Ansatz bei schlechten Sichtverhältnissen sicher ist.

Nach einem tödlichen Unfall im November 2023 arbeitete Tesla angeblich an einem Software-Update. Die Behörde fordert nun detaillierte Informationen zu diesem Update und seiner Wirksamkeit. Zudem gibt es Bedenken, dass Sicht-bedingte Unfälle intern nicht einheitlich erfasst und möglicherweise unterberichtet werden.

Branchenweite Signalwirkung

Die verschärfte Untersuchung hat Bedeutung weit über Tesla hinaus. Sie wirft grundlegende Fragen zur Regulierung von autonomen Fahrsystemen auf. Viele Hersteller setzen auf redundante Sensorik aus Kamera, Radar und Lidar. Sollte die US-Behörde Teslas Ansatz als unzureichend bewerten, könnte das den gesamten Markt für Fahrassistenzsysteme verändern.

Für die Kfz-Branche und Haftpflichtversicherer wird es zunehmend schwierig, Unfallursachen zu klären: War es menschliches Versagen, ein Sensorfehler oder ein Softwareproblem? Das Ergebnis dieser Analyse könnte neue Maßstäbe für die Sicherheitsbewertung von Assistenzsystemen setzen.

Was kommt als Nächstes?

Die Behörde wird nun umfangreiche Daten zu Teslas Software-Updates anfordern. Sechs weitere Vorfälle werden detailliert analysiert, um ein mögliches Muster von Sensorversagen zu identifizieren.

Eine Engineering Analysis kann bis zu 18 Monate dauern. Sollte sie zu dem Schluss kommen, dass das Kamera-System ohne zusätzliche Hardware nicht sicher ist, könnte einer der größten Rückrufe in der Unternehmensgeschichte folgen. Die Entscheidung wird die Entwicklung autonomer Technologien für die kommenden Jahre prägen.