Tesla verklagt Kalifornien wegen Werbeverbots für Autopilot

Tesla wehrt sich vor Gericht gegen ein als irreführend eingestuftes Werbeverbot für seine Fahrassistenzsysteme. Der Ausgang des Rechtsstreits könnte weltweit Standards für die Vermarktung autonomer Technologien setzen.

Tesla zieht gegen die kalifornische Verkehrsbehörde vor Gericht, um ein als irreführend eingestuftes Werbeverbot für seine Fahrassistenzsysteme anzufechten. Der Ausgang könnte die Vermarktung autonomer Technologien weltweit neu definieren.

Der Rechtsstreit eskaliert: Nur Tage, nachdem Tesla auf Druck des kalifornischen Department of Motor Vehicles (DMV) seine Werbesprache angepasst hatte, reichte der Elektroauto-Pionier Klage ein. Das Unternehmen will einen Verwaltungsbeschluss kippen, der die Begriffe „Autopilot“ und „Full Self-Driving“ (FSD) als falsche Werbung einstuft. Tesla sieht sich zu Unrecht als „falscher Werbetreibender“ gebrandmarkt.

Kern des Konflikts: Was verspricht die Werbung?

Die kalifornische Behörde wirft Tesla vor, Kunden mit den Bezeichnungen in die Irre zu führen. Ein Verwaltungsrichter entschied im Dezember 2025, der Name „Full Self-Driving“ sei „eindeutig falsch“, da die Systeme eine aktive Überwachung durch den Fahrer erfordern. Die DMV drohte sogar mit einem 30-tägigen Verkaufsstopp in Teslas wichtigstem US-Markt.

Daraufhin lenkte Tesla zunächst ein: Seit dem 17. Februar 2026 wirbt das Unternehmen in Kalifornien nicht mehr mit „Autopilot“ und ergänzte FSD um den Zusatz „(Supervised)“ – also „überwacht“. Doch jetzt geht der Konzern in die Offensive.

Teslas Gegenklage: Ein Kampf um den Ruf

Mit der Klage vom 13. Februar bestreitet Tesla die Grundlage des Urteils. Die Anwälte argumentieren, die Behörde habe nicht nachweisen können, dass Verbraucher tatsächlich über die Fähigkeiten der Fahrzeuge getäuscht wurden. Kunden seien durch „klare und wiederholte“ Hinweise gewarnt worden.

Zudem wirft Tesla der DMV vor, die Begrifflichkeiten seit Jahren geduldet zu haben. Die Behörde sei seit 2014 über „Autopilot“ und seit 2016 über „Full Self-Driving“ informiert gewesen. Die Klage zielt darauf ab, den rechtlichen Makel der „falschen Werbung“ aus der Welt zu schaffen – auch wenn die praktischen Auflagen bereits umgesetzt sind.

Weitreichende Folgen für die gesamte Autoindustrie

Der Prozess wird zum Präzedenzfall für die Vermarktung von KI-gestützten Fahrassistenzsystemen (ADAS). Ein Sieg Teslas könnte andere Hersteller zu mutigerer Werbesprache ermutigen. Ein Sieg der Aufsichtsbehörde dagegen würde klare, technisch präzise Sprachregeln vorgeben – nicht nur in den USA, sondern als Signal auch für europäische Regulierer.

Der Zeitpunkt ist brisant: Tesla steht bereits unter Druck durch eine Untersuchung der US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA zu Vorfällen mit der FSD-Software. Mehrere Klagen nach Unfällen mit Assistenzsystemen belasten das Unternehmen zusätzlich. Die Debatte um Sicherheit versus innovative Versprechen spitzt sich zu.

Hohes Risiko für Umsatz und Zukunftsvision

Für Tesla geht es um viel. Der Verkauf des FSD-Pakets ist eine hochprofitbare Einnahmequelle. Noch wichtiger: Die gesamte Zukunftsvision eines autonomen Robotaxi-Netzwerks baut auf der Akzeptanz und Verbreitung dieser Technologie auf. Einschränkungen in der Vermarktung könnten Investor:innen verunsichern.

Die DMV hat sich zur Klage noch nicht geäußert, betont aber generell, keine sicherheitsgefährdende Werbung zu dulden. Der Gerichtsprozess wird nun klären, wie weit die Werbefreiheit für Hightech-Unternehmen reicht – und wo der Schutz der Verbraucher:innen beginnt. Ein Urteil mit Signalwirkung für das Zeitalter der Automation.