Frische Daten aus den USA zeigen alarmierende Unfallraten für Teslas selbstfahrende Taxis in Austin. Die Zahlen stellen die Sicherheitsversprechen des Autobauers infrage – kurz vor dem geplanten Start der Serienproduktion des fahrerlosen Cybercab.
Die selbstfahrende Testflotte von Tesla im texanischen Austin verursacht deutlich mehr Unfälle als menschliche Fahrer. Das geht aus neuen Meldungen des Elektroauto-Herstellers an die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA hervor, die diese Woche veröffentlicht wurden. Fünf weitere Vorfälle aus Dezember 2025 und Januar 2026 bringen die Gesamtzahl auf 14 Kollisionen seit dem Start des Pilotbetriebs im Juni 2025.
Die Enthüllungen kommen zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Erst vor wenigen Tagen, am 18. Februar, präsentierte Tesla stolz die erste fahrerlose Cybercab-Serienversion aus seiner Fabrik in Texas. Gleichzeitig drängt die US-Aufsicht auf umfassende Offenlegung: Bis zum 23. Februar muss Tesla Tausende von Sicherheitsvorfällen aufarbeiten und einreichen.
Unfallstatistik wirft Fragen auf
Die fünf neu gemeldeten Vorfälle wirken auf den ersten Blick harmlos: eine Kollision mit einem festen Objekt bei etwa 27 km/h, ein Aufprall auf einen stehenden Bus, ein Zusammenstoß mit einem Lkw bei etwa 6 km/h sowie zwei Rangierunfälle. Schwere Verletzungen gab es nicht.
Die kumulierte Statistik zeichnet jedoch ein anderes Bild. Hochgerechnet auf etwa 800.000 gefahrene Meilen (rund 1,3 Millionen Kilometer) bis Mitte Januar 2026 kommt die Flotte auf einen Unfall alle 57.000 Meilen (etwa 91.700 Kilometer). Laut Teslas eigenen historischen Sicherheitsberichten hat ein durchschnittlicher US-Autofahrer hingegen nur alle 229.000 Meilen einen leichten Unfall. Die Robotaxi-Flotte kollidiert also etwa viermal häufiger – obwohl in jedem Fahrzeug ein geschulter Sicherheitsfahrer mitfährt, der eingreifen kann.
Mangelnde Transparenz und verspätete Meldungen
Kritik gibt es nicht nur an der Häufigkeit der Vorfälle, sondern auch an Teslas Umgang mit den Meldungen. Im Gegensatz zu Konkurrenten wie Waymo oder Zoox schwärzt Tesla in den öffentlichen NHTSA-Datenbanken die Beschreibungen der Unfälle regelmäßig. Als Grund gibt das Unternehmen geschäftliche Vertraulichkeit an. Unabhängige Experten können so kaum beurteilen, ob die autonome Software oder der menschliche Sicherheitsfahrer die Schuld trug.
Hinzu kommt ein Fall verspäteter Meldung: Ein Unfall vom Juli 2025, der zunächst nur als Sachschaden gemeldet wurde, wurde im Dezember nachträglich als Unfall mit einer leichten Verletzung, die einen Krankenhausaufenthalt erforderte, hochgestuft. Fünf Monate Verzögerung bei der Meldung einer verletzten Person an die Behörden – das sorgt für erheblichen Unmut bei Sicherheitsorganisationen.
Software unter verschärfter Aufsicht
Die Probleme der Testflotte fallen mit einer intensivierten Untersuchung der zugrundeliegenden Full Self-Driving (FSD)-Software zusammen. Die NHTSA ermittelt seit Oktober 2025 wegen Dutzender Meldungen über FSD-Fahrzeuge, die rote Ampeln ignorierten, auf der falschen Straßenseite fuhren oder bei schlechter Sicht versagten.
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Der Druck kulminiert nächste Woche. Nach einer Fristverlängerung muss Tesla bis zum 23. Februar über 8.000 Datensätze zu potenziellen Verkehrsverstößen und Sicherheitsbeschwerden aufarbeiten und eine umfassende Sicherheitsanalyse vorlegen. Das Urteil der Behörden könnte weitreichende Folgen haben: von obligatorischen Software-Updates bis hin zu Einschränkungen für den Rollout künftiger autonomer Dienste.
Cybercab-Produktion läuft trotz Sicherheitsbedenken an
Während die Unfalldaten Bedenken nähren, treibt Tesla die Produktion der Hardware unvermindert voran. Der gezeigte Cybercab ist ein reines Robotaxi ohne Lenkrad und Pedale. Ingenieursberichten zufolge hat es 50 Prozent weniger Teile als ein Model 3 – ein Design, das die Herstellungskosten drücken und die Massenproduktion beschleunigen soll.
Die Serienproduktion in großen Stückzahlen soll im April 2026 starten. Doch der Einsatz eines Fahrzeugs ohne manuelle Steuerung setzt voraus, dass die Software ein Maß an Zuverlässigkeit erreicht, das die aktuellen Daten aus Austin noch nicht belegen.
Wettbewerber setzen andere Maßstäbe
Der Kontrast zu etablierten Wettbewerbern wie Waymo (Alphabet) ist frappierend. Waymo betreibt bereits vollständig fahrerlose Fahrzeuge – ohne Sicherheitsfahrer – in mehreren Städten und liefert detaillierte Zwischenfallberichte. Seine Bilanz: Eine Verletzungsrate, die unter der menschlicher Fahrer liegt.
Analysten vermuten, dass Teslas puristischer „Vision-only“-Ansatz – der ausschließlich auf Kameras setzt und auf teure Lidar- und Radarsensoren verzichtet – in komplexen städtischen Umgebungen an Grenzen stößt. Die Lücke zwischen den aktuellen Fähigkeiten und dem, was für einen sicheren, vollständig unbeaufsichtigten Betrieb nötig wäre, scheint beträchtlich.
Ausblick: Entscheidungswoche steht bevor
Die unmittelbare Zukunft von Teslas autonomen Ambitionen hängt von der anstehenden Frist am 23. Februar ab. Die dann vorgelegten Daten werden den Ton der regulatorischen Aufsicht für das restliche Jahr 2026 vorgeben. Sollten die Behörden ein unvertretbares Sicherheitsrisiko sehen, könnte der Start des fahrerlosen Cybercab verzögert oder stark eingeschränkt werden.
Die für April geplante Hochlauf der Cybercab-Produktion wird ein wichtiger Indikator bleiben. Die anhaltenden Unfalldaten aus dem Pilotbetrieb legen jedoch nahe: Bevor diese revolutionären Fahrzeuge legal und unbeaufsichtigt auf öffentlichen Straßen unterwegs sein können, sind noch erhebliche Software-Fortschritte nötig. Die Hardware scheint bereit – die Intelligenz dahinter offenbar noch nicht.





