Texas verklagt Meta: WhatsApp-Verschlüsselung angeblich getäuscht

Texas wirft Meta vor, mit falschen Sicherheitsversprechen bei WhatsApp Millionen Nutzer getäuscht zu haben. Der Konzern weist die Vorwürfe zurück.

Der texanische Generalstaatsanwalt wirft Meta vor, Millionen Nutzer mit falschen Sicherheitsversprechen getäuscht zu haben. Im Zentrum steht die Behauptung, WhatsApp sei gar nicht so privat, wie beworben.

Der Vorwurf: Hintertüren in der „sicheren“ App

Im Mai 2026 reichte die texanische Justiz Klage gegen Meta und seine Tochter WhatsApp ein. Die Anklage stützt sich auf das Texas Deceptive Trade Practices Act (Gesetz gegen irreführende Geschäftspraktiken). Der Vorwurf: Meta habe die Bürger des Bundesstaates jahrelang systematisch über die Sicherheit ihrer Nachrichten getäuscht.

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Konkret werfen die Behörden dem Konzern vor, dass WhatsApp zwar mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung wirbt – technisch aber durchaus in der Lage sei, private Nachrichten einzusehen. Die Klage beruft sich auf interne Whistleblower und eigene Ermittlungen. Demnach soll Meta Zugriff auf „praktisch alle Kommunikation“ auf der Plattform haben.

Die geforderten Strafen sind happig: Ein dauerhaftes Verbot, Nutzerdaten ohne ausdrückliche Zustimmung einzusehen, plus 10.000 Dollar pro Verstoß gegen das Verbraucherschutzgesetz.

Meta weist die Vorwürfe entschieden zurück. Das Unternehmen betont, WhatsApp basiere auf etablierten kryptografischen Protokollen und könne den Inhalt verschlüsselter Nachrichten nicht auslesen.

Ein Generalstaatsanwalt auf dem Kriegspfad

Die WhatsApp-Klage ist kein Einzelfall. Generalstaatsanwalt Ken Paxton hat sich in Texas einen Namen als schärfster Gegner der Tech-Branche gemacht. Die Liste seiner Erfolge ist lang:

  • Juli 2024: Meta zahlt 1,4 Milliarden Dollar – der höchste Datenschutzvergleich, den je ein einzelner US-Bundesstaat erzielte. Es ging um die unerlaubte Erfassung von Gesichtsbiometrie.
  • Mai 2025: Google einigt sich auf 1,375 Milliarden Dollar wegen Verstößen gegen die Privatsphäre.
  • Februar 2026: Klage gegen Snapchat wegen angeblicher Schädigung Minderjähriger.
  • Mai 2026: Parallel zur WhatsApp-Klage geht Texas auch gegen Netflix vor – wegen unerlaubter Datensammlung und manipulativer Design-Elemente.

Rechtliche Grundlage vieler Verfahren ist der Texas Data Privacy and Security Act, der am 1. Juli 2024 in Kraft trat. Das Gesetz gibt Bürgern weitreichende Kontrolle über ihre Daten und verpflichtet Unternehmen zu strengen Schutzmaßnahmen.

Technische Details: Was genau soll schief laufen?

Die Klage stützt sich unter anderem auf einen Bloomberg-Bericht vom April 2026. Darin wird eine Untersuchung des US-Handelsministeriums zu den Grenzen von Metas Verschlüsselung zitiert. Die Ermittler fanden demnach Hinweise, dass es „keine technische Grenze“ dafür gebe, welche Nachrichten Meta potenziell einsehen könnte.

Noch brisanter: Die Anklage nennt eine irische Beratungsfirma, die angeblich Hintertüren im WhatsApp-Quellcode genutzt haben soll. Meta halte seinen Verschlüsselungscode bewusst geheim, um unabhängige Prüfungen zu verhindern, so der Vorwurf.

Rechtsexperten sehen in dem Fall potenziell weitreichende Konsequenzen für die gesamte Branche. Sollte ein Gericht feststellen, dass Metas Werbung mit „Ende-zu-Ende-Verschlüsselung“ irreführend war, müssten Technologieunternehmen ihre Sicherheitsversprechen grundlegend überdenken.

Meta hat inzwischen eidesstattliche Erklärungen von Mitarbeitern vorgelegt, die die Integrität der Sicherheitsarchitektur bestätigen sollen.

Warum Texas zum Brennpunkt wird

Mit über 30 Millionen Einwohnern ist Texas ein Markt, den sich kein Tech-Konzern leisten kann zu ignorieren. Die Generalstaatsanwaltschaft nutzt diese Abhängigkeit systematisch aus – mit Erfolg. Der 1,4-Milliarden-Vergleich von 2024 war mehr als doppelt so hoch wie eine vergleichbare Einigung in Illinois.

Auffällig ist der strategische Wandel: Statt auf „Datenlecks“ konzentriert sich Texas zunehmend auf „Täuschung“. Es geht nicht mehr nur darum, ob Daten abfließen, sondern ob die Werbeversprechen der Unternehmen mit der technischen Realität übereinstimmen. WhatsApp als „sicher“, der Inkognito-Modus als „privat“ – solche Behauptungen stehen nun auf dem Prüfstand.

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Was kommt auf die Tech-Branche zu?

Der Ausgang des Verfahrens könnte Signalwirkung haben. Sollte Texas eine einstweilige Verfügung oder einen weiteren Milliardenvergleich erstreiten, dürften andere Bundesstaaten nachziehen. Für Meta geht es nicht nur um Geld, sondern um die Glaubwürdigkeit von WhatsApp – dessen Kernversprechen die Privatsphäre ist.

In den kommenden Monaten wird der Rechtsstreit voraussichtlich in die Beweisaufnahme gehen. Dabei könnte Metas proprietärer Quellcode offengelegt werden – ein Schritt, den das Unternehmen bisher vermeiden wollte. Branchenbeobachter raten Tech-Firmen bereits jetzt zu transparenteren Prüfverfahren, um den texanischen Behörden keine Angriffsfläche zu bieten.

Ein Urteil zugunsten von Texas könnte die rechtlichen Standards für „sichere Kommunikation“ im digitalen Zeitalter neu definieren – und möglicherweise bundesweite Transparenzpflichten für Verschlüsselungsprotokolle nach sich ziehen.