THC-Gummibärchen in Berlin: Senat warnt nach Todesfall vor Opioid-Verdacht

Nach mehreren schweren Erkrankungen und einem Todesfall untersucht Berlin mögliche Opioid-Beimischungen in THC-Süßwaren.

•

Die Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit hat eine dringende Warnung vor dem Konsum von THC-haltigen Gummibärchen herausgegeben. Anlass für diese Maßnahme sind mehrere Fälle von schweren Vergiftungen, die seit Mitte September im Stadtgebiet aufgetreten sind.

In diesem Zusammenhang verstarb ein 42-jähriger Mann nach der Einnahme entsprechender Produkte, wobei die genauen Ursachen und Inhaltsstoffe derzeit Gegenstand behördlicher Untersuchungen sind.

Schwere Vergiftungserscheinungen und ein Todesfall

Nach Berichten von Behörden und Einsatzkräften kam es in den vergangenen Wochen zu einer Häufung medizinischer Notfälle. Am 22. September 2026 wurde in Berlin-Neukölln ein 42-jähriger Mann nach dem Konsum mutmaßlicher Hasch-Gummis leblos aufgefunden. Um 10:26 Uhr wurde in der Kienitzer Straße ein Kreislaufstillstand festgestellt. Trotz eingeleiteter Reanimationsmaßnahmen blieb die Hilfe erfolglos, und der Mann verstarb noch vor Ort.

Bereits am 18. September 2026 wurden zwei weitere Personen in Berlin-Friedrichshain aufgrund ähnlicher Symptomatiken in Krankenhäuser eingeliefert. Eine 30-jährige Frau wurde gegen 10:43 Uhr in der Mühlenstraße mit schweren Bewusstseinsstörungen aufgefunden. Kurze Zeit später wurde ein 40-jähriger Mann mit identischen Symptomen medizinisch versorgt. In beiden Fällen gehen die Behörden von einem Zusammenhang zwischen den Vorfällen aus.

Verdacht auf Opioid-Beimischungen

Die behandelnden Ärzte und Experten der Gesundheitsverwaltung wiesen darauf hin, dass die Symptome der Betroffenen nicht dem typischen Erscheinungsbild eines reinen Cannabiskonsums entsprachen, sondern vielmehr einer Opiatvergiftung glichen.

Sprecherin Dörthe Arnold erklärte hierzu, dass bei den Überlebenden ein sogenanntes opioidales Toxidrom vorlag. Das Notfallmedikament Naloxon, das standardmäßig bei Opioid-Überdosierungen eingesetzt wird, habe bei beiden Patienten in Friedrichshain sowie bei zwei weiteren Betroffenen angeschlagen.

Bisher ist jedoch unklar, um welches Opioid es sich konkret handelt. Eine analytische Bestätigung des Wirkstoffgehalts in den Gummibärchen steht noch aus. In Fachkreisen wird darauf verwiesen, dass bislang kein Fall bekannt ist, in dem Cannabis allein zu einer tödlichen Vergiftung geführt hat. Die Behörden prüfen daher, ob die Süßwaren mit synthetischen Substanzen oder hochpotenten Opioiden versetzt wurden.

Anzeige

Seit Mitte September kam es in Berlin zu mehreren schweren Vergiftungen nach dem Verzehr mutmaßlicher THC-Gummibärchen — ein 42-jähriger Mann starb, bei Überlebenden schlug das Notfallmedikament Naloxon an. Die Produkte werden teils in gefälschten Verpackungen bekannter Marken vertrieben. Unser kostenloser Guide zeigt Ihnen, wie Sie gefälschte Süßwaren erkennen und im Notfall richtig reagieren. Jetzt kostenlosen Schutz-Guide anfordern

Vertriebswege und Erscheinungsbild der Produkte

Die fraglichen Produkte werden nach Erkenntnissen der Senatsverwaltung häufig als grüne, hanfblattförmige Süßwaren angeboten. Die Herkunft dieser Waren ist bislang ungeklärt. Der Vertrieb erfolgt demnach vorwiegend über soziale Netzwerke, Messenger-Dienste und informelle Dealer-Strukturen.

Besonders problematisch ist die Beobachtung, dass die Gummis teilweise in gefälschten Verpackungen bekannter Marken wie Haribo in Umlauf gebracht werden, was das Risiko einer Verwechslung oder einer Unterschätzung der Wirkungsstärke erhöht.

Marktlage und Regulierung von Anbauvereinen

Der Vorfall ereignet sich in einer Phase, in der die Etablierung legaler Abgabestrukturen für Cannabis in Deutschland nur langsam voranschreitet. Eine Evaluation der Initiative EKOCAN vom 1. April 2026 ergab, dass Anbauvereine den Schwarzmarkt bisher nur in untergeordnetem Maße verdrängen konnten.

In Berlin wurden laut Stand vom 28. August 2026 insgesamt 43 Anträge auf Gründung solcher Anbauvereine gestellt. Davon erhielten 16 eine Genehmigung, während 11 Anträge abgelehnt wurden. Weitere 14 Anträge wurden zurückgenommen, und in einem Fall wurde eine Erlaubnis widerrufen.

Anzeige

Die Berliner Senatsverwaltung warnt: Bei mehreren Betroffenen deuteten die Symptome auf eine Opiatvergiftung hin, nicht auf reinen Cannabiskonsum — das genaue Opioid ist bislang unklar. Wer im eigenen Umfeld Süßwaren aus Messenger-Gruppen oder von Dealern kennt, sollte die Warnzeichen kennen. Unser kostenloser Notfallplan erklärt, welche Symptome auf eine Vergiftung hindeuten und was dann zu tun ist. Notfallplan jetzt herunterladen

Rechnerisch könnten in der Hauptstadt rund 650 Vereine zugelassen werden. In Bayern stellt sich die Situation ähnlich dar: Bis zum 3. August 2026 wurden dort 47 Anträge eingereicht, von denen 11 genehmigt wurden, während 25 Anträge durch Rücknahmen der Initiatoren nicht weiterverfolgt wurden.

Die Gesundheitsbehörden raten dringend vom Kauf und Konsum undokumentierter Süßwaren aus inoffiziellen Quellen ab, da die Gefahr chemischer Verunreinigungen oder lebensbedrohlicher Beimischungen derzeit als hoch eingestuft wird.