Während zahlreiche Softwareanbieter generative Sprachmodelle direkt in ihre Büroprogramme einbinden, schlägt The Document Foundation einen Gegenkurs ein. Die Organisation hinter der freien Bürosoftware LibreOffice positioniert den bewussten Verzicht auf generative Funktionen nicht als Rückstand, sondern als zentrales Sicherheits- und Produktmerkmal.
Nach der Veröffentlichung von LibreOffice 26.8 Ende August bekräftigte die Foundation in einem Beitrag Anfang September, dass die Software keine generativen Werkzeuge im Standardpaket enthalte und solche Funktionen auch auf absehbare Zeit nicht ab Werk integriert würden.
Lokale Datenverarbeitung ohne Netzwerkanbindung
Die Stiftung begründet ihre Haltung mit den Anforderungen an den Schutz vertraulicher Informationen. Kein Bestandteil der Kernsoftware setze eine aktive Internetverbindung voraus, und Dokumente würden zu keinem Zeitpunkt auf externe Server hochgeladen.
Für Behörden, juristische Berufe oder Unternehmen, die sensible oder personenbezogene Daten verarbeiten, sei es entscheidend nachzuvollziehen, wohin Inhalte fließen. Nach Einschätzung der Organisation biete allein der Verbleib aller Daten auf dem lokalen Rechner eine belastbare Sicherheit bei rechtlichen Prüfungen.
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Die kostenlose Open-Source-Suite, die nach Angaben der Stiftung von mehreren zehn Millionen Menschen und Organisationen genutzt wird, versteht diesen Schritt nicht als grundsätzliche Verweigerung gegenüber technologischem Fortschritt, sondern als nüchterne Bewertung der aktuellen Marktlage.
Derzeit erfülle keine breit verfügbare Standardintegration die strengen Vorgaben der Stiftung, die den vollständigen Verbleib der Dokumente auf dem Endgerät und die Unabhängigkeit von einzelnen Dienstleistern garantieren würde.
Strenge Kriterien für künftige Schnittstellen
Für den Fall, dass generative Funktionen künftig regulär integriert werden sollten, formulierte The Document Foundation sechs verbindliche Bedingungen:
– Die Ausführung muss vollständig unter Kontrolle der Nutzer stehen, sei es auf lokaler Hardware oder einer selbst gewählten Infrastruktur, ohne Voreinstellung auf bestimmte Anbieter.
– Inhalte dürfen nicht ohne ausdrückliche Freigabe übertragen werden.
– Eine Übermittlung von Telemetriedaten ist ausgeschlossen.
– Es darf keine Abhängigkeit von einzelnen Technologiepartnern entstehen; Schnittstellen müssen offen für verschiedene Systeme sein.
– Erzeugte Inhalte müssen sich nahtlos in das Open Document Format einfügen und dessen semantische Strukturen wahren.
– Entsprechende Werkzeuge müssen vollständig optional bleiben und sich aus der Benutzeroberfläche entfernen lassen.
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Optionale Erweiterungen für lokale Modelle
Gänzlich verschlossen bleibt LibreOffice für maschinelle Lernmodelle dennoch nicht. Anwender, die Unterstützung durch Sprachmodelle wünschen, können diese über separate Erweiterungen von Drittanbietern nachrüsten. Dabei lassen sich auch rein lokal ausgeführte Modelle über Plattformen wie Ollama oder LM Studio anbinden, sodass die Daten das jeweilige Gerät weiterhin nicht verlassen müssen.
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