Barcelona – Die professionelle AV-Branche steht vor einem massiven Bandbreiten-Schub. Auf der Integrated Systems Europe (ISE) 2026 präsentieren Hersteller die ersten zertifizierten Thunderbolt-5-Kabel. Die Technologie macht damit den entscheidenden Sprung vom Consumer-PC in die Welt der Hochleistungs-Installationen.
Führend ist der japanische Konzern Sumitomo Electric Industries. Das Unternehmen zeigt ein umfassendes Portfolio an Next-Gen-Kabeln, die den enormen Datenhunger von 8K-Videowänden, virtuellen Produktionsstudios und datenintensiven Medien-Workflows stillen sollen.
Drei Mal schneller: Das Ende der Daten-Engpässe
Der Star der Messe ist die greifbare Ankunft des Thunderbolt-5-Standards. Er verspricht, die Flaschenhälse moderner Ultra-HD-Displays endgültig zu beseitigen. Die neuen Kabel von Sumitomo unterstützen die Kernfunktionen: 80 Gigabit pro Sekunde (Gbps) bidirektionalen Datentransfer und bis zu 120 Gbps Videobandbreite via „Bandwidth Boost“.
Diese Leistung ist bis zu dreimal höher als bei Thunderbolt 4. Für Systemintegratoren bedeutet das: Ein einzelner Anschluss kann jetzt mehrere 8K-Displays oder 4K-Monitore mit hoher Bildwiederholrate versorgen. Bisher brauchte es dafür ein Gewirr aus mehreren Kabeln oder proprietären Lösungen.
Ein entscheidender Faktor ist die Stromversorgung. Sumitomos passives 1-Meter-Kabel unterstützt Extended Power Range (EPR) bis 240 Watt. So kann ein einziges Kabel nicht nur massive Videostreams übertragen, sondern auch leistungsstarke Laptops mit Strom versorgen. Die begehrte „One-Cable“-Docking-Lösung für Konferenzräume wird damit einfacher denn je.
Aktive Kabel: Die Lösung für große Distanzen
Doch wie bringt man diese Geschwindigkeit über größere Entfernungen? Passive Kupferkabel sind günstig, aber auf sehr kurze Längen beschränkt. Die ISE 2026 zeigt die Antwort: Aktive Kabeltechnologie ist nun ausgereift.
Neben passiven Varianten zeigen Hersteller aktive Kupfer- und optische Lösungen. Sumitomo stellt ein USB4 Active Optical Cable (AOC) aus, das das Thunderbolt-Protokoll unterstützt. Es ist ideal für komplexe Installationen, bei denen der Computer im Serverschrank weit vom Display entfernt steht.
Auch andere Spezialisten wie Lindy listen bereits Thunderbolt-5-Lösungen. Die breite Industrie-Adaption ist damit eingeläutet. Mit 1- und 2-Meter-Optionen können Systemdesigner nun Standard-Arbeitsplätze und Rack-Konfigurationen ohne Signalverlust realisieren.
Das Ökosystem wächst: OWC und DisplayPort 2.1
Das Kabel-Angebot wächst rasch. Bereits Anfang 2026 brachte Other World Computing (OWC) ein 2-Meter langes aktives Thunderbolt-5-Kabel auf den Markt. Seine Präsenz in Europa unterstreicht den Trend zu längeren, zertifizierten Verbindungen.
Parallel konvergiert der Standard mit DisplayPort 2.1. Sumitomos neue „DP80LL“-Kabel unterstützen den vollen DP-2.1-Standard für unkomprimiertes 8K-Video. Da Hersteller wie Planar auf der Messe Displays mit immer höherer Pixeldichte zeigen, wird diese Zertifizierung für Installateure zum entscheidenden Qualitätsmerkmal.
Ein großer Vorteil: Die Abwärtskompatibilität. Die neuen Thunderbolt-5-Kabel funktionieren auch mit Thunderbolt 4, 3 und USB4. Facility-Manager können ihre Infrastruktur schrittweise upgraden, ohne bestehende Hardware sofort austauschen zu müssen.
Folgen für Medizin, Broadcast und Architektur
Was bedeutet der Sprung auf 80 Gbps konkret? In Medizin, Rundfunk und Architekturvisualisierung lassen sich riesige Roh-Videodateien oder komplexe 3D-Modelle in Sekunden statt Minuten verschieben.
Für Digital Signage erlaubt die 120-Gbps-Videobandbreite, komplexes unkomprimiertes Material an Videowände zu liefern – ganz ohne störende Kompressions-Artefakte. Das ist essenziell für die „immersiven Erlebnisse“, die auf der ISE 2026 dominieren. Kunstinstallationen und Firmen-Lobbys leben von makelloser Bildqualität.
Ausblick: Docking-Stations und Monitore folgen
Die Verfügbarkeit der Kabel-Infrastruktur ist meist der Vorbote für die breite Geräte-Einführung. Branchenbeobachter erwarten noch diese Woche weitere Ankündigungen zu Thunderbolt-5-Docking-Stations und Profi-Monitoren.
Die physikalische Ebene ist nun einsatzbereit. 2026 dürfte daher das Jahr werden, in dem 80-Gbps-Workflows von der Spezifikation zur gelebten Praxis in der High-End-AV-Integration werden. Integratoren auf der Messe werden diese Komponenten voraussichtlich bereits für Upgrades im dritten und vierten Quartal 2026 spezifizieren – besonders für Kunden, die zukunftssichere Konferenzräume und Kreativstudios fordern.





