Ticket-Wucher: 200 Künstler fordern Gesetze gegen Bots und Preiswucher

Prominente Musiker verlangen gesetzliche Regeln gegen Ticket-Bots und überhöhte Zweitmarktpreise. Washington zeigt mit einem neuen Gesetz vor, wie es gehen kann.

Rund 200 namhafte Künstler und Bands fordern ein Ende des Ticket-Wahnsinns. Die Initiative des Verbandes Pro Musik, unterstützt von Die Toten Hosen, Die Ärzte, Nina Chuba und Lea, richtet sich in einem offenen Brief an die Bundesregierung. Kern der Forderung: Gesetzliche Regeln gegen Ticket-Bots und Preiswucher.

Kommerzielle Händler dominieren den Zweitmarkt

Das Problem ist bekannt, die Zahlen sind alarmierend. Johannes Everke vom Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV) beziffert den Anteil kommerzieller Händler auf dem Zweitmarkt auf rund 70 Prozent. Spezialisierte Algorithmen kaufen Karten innerhalb von Sekunden nach Verkaufsstart in Massen auf.

Die Folge: künstliche Verknappung und extreme Preissteigerungen. Auf einschlägigen Portalen wurden bereits Tickets für bis zu 5.500 Euro gesichtet. Die Branche fordert deshalb eine gesetzliche Deckelung der Wiederverkaufspreise auf maximal 25 Prozent über dem Originalwert. Auch Leerverkäufe – Tickets, die der Verkäufer gar nicht besitzt – sollen verboten werden.

Die Plattformen wehren sich. Viagogo betont, dass 2025 mehr als 70 Prozent der verkauften Tickets unter 116 Euro lagen. Dennoch wächst der politische Druck für mehr Transparenz bei gewerblichen Wiederverkäufern.

Washington macht vor, wie es geht

Während Deutschland noch debattiert, handelt Washington. Der D.C. Council verabschiedete den RESALE Act. Das Gesetz begrenzt Aufschläge beim Wiederverkauf auf maximal 10 Prozent des Originalpreises. Bot-Einsatz und spekulative Verkäufe werden untersagt. Inkrafttreten: 1. Januar 2027.

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Die technische Bot-Abwehr bleibt eine Herausforderung. Anfang Juli blockierte Ticketmaster beim Vorverkauf für die Jonas Brothers im Madison Square Garden fälschlicherweise zahlreiche echte Fans – die Sicherheitsalgorithmen hatten sie fälschlich als Bots identifiziert. Der Anbieter erklärte den Vorfall später für behoben.

Auch Manchester United geht gegen den Graumarkt vor. Der Club sperrte hunderte Dauerkarteninhaber, nachdem ein Algorithmus verdächtige Zugriffsmuster erkannte – etwa Logins von sechs oder mehr verschiedenen Geräten. Die Prüfverfahren sollen bis Ende August abgeschlossen sein.

Betrugsgefahr bleibt hoch

Neben dem legalen Zweitmarkt lauert krimineller Betrug. Das Bundeskriminalamt (BKA) meldete kürzlich die Zerschlagung des internationalen Phishing-Dienstes „Kratos“. Der Dienst ermöglichte seit 2024 monatlich bis zu 15.000 Betrugskampagnen, die Hintermänner erzielten Einnahmen von über 300.000 Euro. Ein mutmaßlicher Entwickler der Software wurde in Indonesien festgenommen.

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Sicherheitsbehörden warnen zudem vor einer neuen Qualität automatisierter Angriffe. KI-gestützte Phishing-Kits können inzwischen selbst Multi-Faktor-Authentifizierungen umgehen. Im Frühjahr identifizierten Experten eine Kampagne mit tausenden schädlichen Repositories, in der KI-Agenten eigenständig agierten.

Ein aktueller Fall zeigt die konkrete Gefahr: Eine 19-Jährige aus Velbert erstattete Anzeige, nachdem sie beim Ticketkauf über eine Social-Media-Plattform betrogen wurde. Experten raten daher: Karten ausschließlich über offizielle Vorverkaufsstellen beziehen. Bei Angeboten auf Drittplattformen ist höchste Vorsicht geboten.