Toyota setzt in Kanada erstmals humanoide Roboter ein

Toyota führt in Kanada humanoide Roboter für Logistikaufgaben ein und markiert damit den Übergang von der Testphase zur praktischen Anwendung in der Automobilproduktion.

Die Autoindustrie macht einen entscheidenden Schritt in die Zukunft der Fertigung. Toyota hat in seinem Werk im kanadischen Woodstock erstmals kommerziell humanoide Roboter für die Produktion eingeführt. Ein Vertrag mit dem US-Hersteller Agility Robotics markiert den Übergang von Pilotprojekten zum tatsächlichen Einsatz am Fließband.

Vom Labor auf den Fabrikboden

Drei Roboter des Modells Digit haben am vergangenen Wochenende, dem 21. Februar 2026, ihre Arbeit in der Toyota-Fabrik in Ontario aufgenommen. Insgesamt sieht der Vertrag sieben Einheiten vor. Die zweibeinigen Maschinen übernehmen laut Unternehmensangaben Materialtransport und interne Logistik – also hochrepetitive und körperlich anstrengende Aufgaben.

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„Wir wollen die Arbeitserfahrung für unsere Mitarbeiter verbessern und die Effizienz steigern“, erklärte Tim Hollander, Präsident von Toyota Motor Manufacturing Canada. Die Automatisierung ermüdender Tätigkeiten soll Arbeitsunfälle reduzieren und menschliche Arbeitskräfte für wertschöpfendere Prozesse freisetzen.

Für Agility Robotics-Chefin Peggy Johnson ist die Partnerschaft ein Meilenstein. Die Zusammenarbeit mit einem etablierten Autobauer wie Toyota beweise, dass die Technologie für komplexe Fertigungsumgebungen bereit sei. Toyota folgt damit Konzernen wie Amazon und Schaeffler, die bereits auf Systeme von Agility setzen.

Ein Markt im Höhenflug

Die Industrie steht vor einem massiven Wachstumsschub. Der globale Markt für humanoide Roboter wird laut der Forschungsfirma MarketsandMarkets von rund 1,8 Milliarden Euro im Jahr 2023 auf voraussichtlich 13,8 Milliarden Euro bis 2028 explodieren. Langfristig rechnet die Investmentbank Morgan Stanley sogar mit einem Multi-Billionen-Euro-Markt bis 2050.

Neben Agility drängen weitere Player voran. Tesla arbeitet an seinem Optimus-Roboter und peilt einen Verkaufspreis zwischen 20.000 und 30.000 Euro für den Massenmarkt an. Das norwegisch-amerikanische Unternehmen 1X brachte kürzlich ein Software-Update für seinen 20.000 Euro teuren Haushaltsroboter Neo heraus, um dessen Autonomie zu erhöhen.

Gleichzeitig entsteht die nötige Software-Infrastruktur. Das US-Startup OpenMind hilft mit seinem quelloffenen Betriebssystem OM1 chinesischen Roboterherstellern beim Markteintritt im Westen. Die hardware-unabhängige Plattform verarbeitet multimodale Daten, um verschiedene Roboter zu steuern.

Kein Jobabbau, sondern Arbeitserleichterung

Die Einführung der menschenähnlichen Maschinen wirft Fragen zur Zukunft der Arbeit auf. Toyota betont jedoch, dass im Werk in Woodstock, das gemeinsam mit einer Schwesterfabrik in Cambridge tausende Menschen beschäftigt, keine Stellen gestrichen werden. Der Fokus liege auf der Unterstützung der Belegschaft und mehr Sicherheit.

„Humanoide Roboter eignen sich ideal für Aufgaben mit hohem Risiko für repetitive Belastungsschäden“, sagt David Adams, Präsident der Global Automakers of Canada. Die Technologie helfe, wettbewerbsfähig zu bleiben, während menschliche Mitarbeiter in anspruchsvollere Rollen mit mehr Entscheidungsfreiheit wechseln.

Hinter dem Trend steht ein demografischer Druck. Die schrumpfende erwerbsfähige Bevölkerung führt zu akutem Arbeitskräftemangel. In Japan etwa hat sich im Juli 2025 ein Konsortium namens Kyoto Humanoid Association gebildet, um einheimische Roboter zu entwickeln. Bis März 2026 sollen neue Prototypen vorgestellt werden, die Serienproduktion ist für 2027 geplant.

Der Weg in die breite Anwendung

Der Zeitplan für die flächendeckende Integration wird immer kürzer. Sobald Autobauer demonstrieren, dass zweibeinige Roboter komplexe Fabrikumgebungen meistern können, werden andere Schwerindustrien nachziehen. Die nächsten Investitionen fließen voraussichtlich in die Verbesserung der physischen KI, der Akkulaufzeit und der Echtzeit-Wahrnehmung der Maschinen.

Der Schritt vom Industrie- in den Privatbereich bleibt jedoch eine große Hürde. Datenschutz, Sicherheit und die Unvorhersehbarkeit menschlicher Lebensräume sind enorme Herausforderungen für Haushaltsroboter. Doch mit fallenden Hardwarekosten und steigenden Stückzahlen wird die Schwelle sinken. In den nächsten zehn Jahren könnten humanoide Roboter zu einem normalen Bild in Fabriken, Lagern und vielleicht sogar in Wohnzimmern werden.