Eine aktuelle Untersuchung von Altana und der American Association of Exporters and Importers (AAEI) zeichnet ein kritisches Bild der globalen Handelslandschaft.
Laut einem Bericht vom 23. September 2026 erreichen 51 % der Handels- und Zollabteilungen nicht die notwendige Schwelle zur sogenannten „Trade Readiness“. Für die Erhebung wurden im Sommer 2026 insgesamt 230 Führungskräfte aus sechs verschiedenen Branchen zu acht Kernfähigkeiten ihrer Organisationen befragt.
Die Ergebnisse verdeutlichen eine zunehmende Belastung der Fachabteilungen. Demnach gaben 61 % der Trade-Compliance-Teams an, dass ihre Arbeit seit der Eskalation von Zollvorschriften und Tarifen im Jahr 2025 deutlich schwieriger geworden sei.
Gleichzeitig sehen sich die Abteilungen mit einem massiven Ressourcenmangel konfrontiert: Während lediglich 26 % der Befragten angaben, über ausreichend Personal, Budget und Werkzeuge zu verfügen, sahen sich 74 % mit unzureichenden Mitteln konfrontiert.
Mangelnde Transparenz und technologischer Erwartungsdruck
Ein zentrales Hindernis für die Handelsbereitschaft bleibt die mangelnde Transparenz in den Lieferketten. Der Umfrage zufolge verfügen 76 % der Handelsteams über keinen vollständigen und nachverfolgbaren Nachweis über Materialien, Komponenten oder die Herkunft ihrer Produkte.
Trotz dieser strukturellen Defizite wächst die Erwartungshaltung in den Führungsetagen. 91 % der Befragten stehen unter dem Druck der Unternehmensleitung, verstärkt Künstliche Intelligenz (KI) einzusetzen, um die Effizienz zu steigern und regulatorische Anforderungen zu bewältigen.
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Dass dieser Handlungsbedarf real ist, unterstreichen auch Daten anderer Marktteilnehmer. Eine Umfrage von FedEx aus dem Jahr 2026 zeigt beispielsweise, dass 64 % der Unternehmen im asiatisch-pazifischen Raum, die Konsumgüter in die USA versenden, noch nicht mit den Vorbereitungen auf neue E-Filing-Anforderungen der US Consumer Product Safety Commission begonnen haben.
Zudem führen neue Regulierungen wie die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) ab Dezember 2026 für mittlere und große Unternehmen zu einem erhöhten Dokumentationsaufwand.
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Strategische Investitionen in KI-Kompetenzen und Werkzeuge
Um die von Altana und AAEI identifizierten Lücken zu schließen, setzen Unternehmen verstärkt auf technologische Lösungen und Qualifizierungsprogramme. Die Descartes Systems Group kündigte in diesem Zusammenhang einen konversationellen KI-Agenten an, der die Recherchezeit für globale Handelsdaten aus 230 Märkten um bis zu 90 % reduzieren könne.
Parallel dazu investieren globale Konzerne massiv in die Ausbildung ihrer Belegschaft. Verizon kündigte eine Gesamtinvestition von 70 Mio. USD für die Initiative „Verizon AI Skills for America“ an, die unter anderem kostenlose KI-Trainings in Kooperation mit Partnern wie IBM, Google und Microsoft umfasst.
In Südostasien starteten Grab und OpenAI das Programm „GO Forward with AI“, das über zwei Jahre hinweg 30.000 Fahrer- und Händlerpartnern praktische KI-Kenntnisse vermitteln soll. Auch NTT Data startete ein weltweites Weiterbildungsprogramm für sämtliche Mitarbeiter in den Bereichen Data Science und Machine Learning.
Fachkräftemangel verschärft die Transformationskrise
Die Notwendigkeit dieser Maßnahmen wird durch eine Studie von Pearson untermauert, die im September 2026 in Shanghai vorgestellt wurde. Die Autoren warnen vor einer „dreifachen Kompetenzlücke“ in qualifizierten Berufen. Besonders alarmierend ist die Situation im Vereinigten Königreich und in den USA, wo 99 % bzw. 98,5 % der offenen Stellen in qualifizierten Berufen lediglich durch das Ausscheiden bisheriger Arbeitskräfte entstehen.
Gleichzeitig fühlt sich weniger als die Hälfte der Industriemechaniker durch ihre Ausbildung auf eine KI-gestützte Arbeitswelt vorbereitet. Diese Entwicklung trifft auf einen expandierenden digitalen Handel, dessen Exportwert laut dem „Global Digital Trade Development Report 2026“ im Vorjahr bereits 7,75 Billionen USD erreichte, was einem Anteil von 22,2 % am weltweiten Gesamtexport entspricht.
Der Bericht macht deutlich, dass das Wachstum maßgeblich von Cloud-Infrastrukturen und KI-Diensten getrieben wird – Bereiche, in denen viele Handelsabteilungen derzeit noch erhebliche Defizite aufweisen.

