Trump lehnt KI-Sicherheitsleitplanke ab: Anthropic droht Strafmaßnahmen

Donald Trump lehnt staatliche KI-Leitplanken ab, während Anthropic strengere Kontrollen fordert und Anleger weltweit verunsichert reagieren.

US-Präsident Donald Trump hat Forderungen nach staatlichen Sicherheitsleitplanken für künstliche Intelligenz öffentlich zurückgewiesen. Warnungen vor den Gefahren unkontrollierbarer KI-Systeme bezeichnete er als krankhafte Verschwörung und Täuschung.

Die Sorgen der Technologiebranche verglich er mit früheren Debatten über den Klimawandel sowie den Ermittlungen zu Russland. Die einzig erforderliche Schutzmaßnahme sei ein starker und intelligenter Präsident an der Spitze der Vereinigten Staaten.

Trump betonte, er spiele tatsächliche Risiken nicht herunter, doch werde die Technologie unterm Strich mehr Nutzen als Schaden stiften. Negative Kräfte würden Szenarien beschwören, die niemals eintreffen würden. Zudem unterstrich er die Bedeutung des internationalen Wettbewerbs gegen China: Die USA lägen in Führung, und wer das Rennen um die Technologie gewinne, bestimme die Zukunft.

Scharfe Kritik an Anthropic und neue Sicherheitsforderungen

Im Zuge seiner Äußerungen griff Trump insbesondere den Entwickler Anthropic und dessen Chef Dario Amodei scharf an und drohte dem Unternehmen mit strafrechtlichen sowie regulatorischen Maßnahmen. Hintergrund sind wachsende Sicherheitsbedenken innerhalb des Unternehmens.

Amodei hatte am 12. September 2026 in einem 3.800 Wörter umfassenden Text für eine Verlangsamung der KI-Entwicklung plädiert und unabhängige Prüfungen für fortschrittliche Spitzenmodelle verlangt. Er warnte davor, dass ein autonomer Software-Schwarm binnen sechs bis zwölf Monaten das gesamte Internet unter seine Kontrolle bringen und Schäden in Höhe von Hunderten Milliarden US-Dollar verursachen könnte.

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Am 14. September 2026 legte Anthropic-Mitgründer Jack Clark nach und forderte, eine gesetzliche Pflicht für einen Notfallabschaltmechanismus zu prüfen, der von externen Dritten betätigt werden kann. Der Anthropic-Forscher Evan Hubinger bezifferte die Wahrscheinlichkeit, dass die Menschheit innerhalb des nächsten Jahrzehnts durch KI ausgelöscht werden könnte, auf mehr als 10 Prozent.

Auch andere Spitzenmanager der Branche hatten zuletzt ein langsameres Vorgehen befürwortet. OpenAI-Chef Sam Altman und Elon Musk von xAI unterstützen Amodeis Ruf nach Mäßigung. Altman hatte sich zuvor am Rande des Parteitags der Republikaner in Dallas mit Trump getroffen.

Microsoft veröffentlichte parallel Richtlinien für eine am Menschen orientierte Ausrichtung von KI-Systemen. Widerspruch zu den Alarmrufen kommt dagegen von Nvidia: Konzernchef Jensen Huang stufte die geäußerten Risiken als überzogen ein. Aus China hieß es, die Warnungen seien gezielte Panikmache.

Politische Spannungen und Marktreaktionen

In Washington sorgt das Thema für wachsende Kontroversen. Vizepräsident JD Vance bezeichnete die Warnungen der Branchenunternehmen als trojanisches Pferd. Trump hatte zuvor die von seinem Amtsvorgänger Joe Biden erlassene KI-Verordnung aufgehoben und erst im Juni 2026 eine eigene Präsidialverordnung in Kraft gesetzt.

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Pete Hegseth hatte Anthropic zuvor von Aufträgen des US-Militärs ausgeschlossen, woraufhin ein Richter am 27. August 2026 zugunsten des KI-Unternehmens entschied. Im Juli 2026 hatte zudem ein Cyberangriff unter Beteiligung von OpenAI-Modellen auf die Plattform Hugging Face für Unruhe gesorgt. Kritik an Trumps Haltung kam unterdessen von Rahm Emanuel.

Im Senat verlangt der Mehrheitsführer Chuck Schumer nun ein vertrauliches Briefing, während drei US-Senatoren parteiübergreifend an einem Entwurf für verbindliche Sicherheitsregeln arbeiten. Parlamentsvertreter Johnson rechnet mit einem Treffen Trumps mit Spitzenmanagern der KI-Industrie in diesen Tagen. Unterdessen sprechen Steve Bannon und Bernie Sanders am Dienstag auf einer Bürgerversammlung zum Schutz der Menschheit in der Hauptstadt.

In der US-Bevölkerung überwiegt laut einer Erhebung des NBC News Decision Desk die Skepsis: 70 Prozent der befragten Erwachsenen zeigten sich eher besorgt als optimistisch im Hinblick auf künstliche Intelligenz. 69 Prozent lehnen den Bau eines Rechenzentrums in ihrer Nachbarschaft ab, darunter 57 Prozent der republikanischen Wähler. An den Finanzmärkten reagierten Anleger verunsichert.

Am Montag gaben KI-Werte weltweit nach; der technologielastige Nasdaq Composite büßte 0,9 Prozent ein, der S&P 500 verlor 0,6 Prozent. In der kommenden Woche steht das Thema auch auf internationaler Bühne an: Neben einem Treffen Trumps mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping in Washington befasst sich auch der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen mit den globalen Sicherheitsfragen rund um KI.