TSMC meldet 35,7 Mrd. Euro Umsatz: Nachfrage übersteigt Kapazität um 30%

TSMC prognostiziert anhaltende Halbleiterengpässe bis 2027. Trotz Rekordumsätzen und Milliardeninvestitionen übersteigt die KI-Nachfrage die Kapazitäten.

Der taiwanesische Chipriese TSMC rechnet nicht vor 2027 mit einer Entspannung.

Produktionsengpässe an den Spitzenknoten

Auf der Hauptversammlung am 4. Juni 2026 erklärte TSMC-Präsident C.C. Wei, dass die Fertigungskapazitäten an den modernsten Knoten trotz aggressiver Expansion „ein erhebliches Hindernis“ bleiben werden. Der weltgrößte Auftragsfertiger für Halbleiter meldete für das erste Quartal 2026 einen Umsatz von umgerechnet rund 35,7 Milliarden Euro – ein Plus von 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

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Das Unternehmen führt das Wachstum fast vollständig auf die enorme Nachfrage nach KI-fähigen Chips zurück. Für den Rest des Jahres 2026 prognostiziert TSMC, dass die Nachfrage nach Chips unter 7 Nanometern und unter 5 Nanometern die Fertigungskapazität um 25 bis 30 Prozent übersteigen wird.

Um das Ungleichgewicht zu adressieren, hält TSMC an einem hohen Investitionsbudget fest: Zwischen 52 und 56 Milliarden Euro sind für die laufende Periode eingeplant, darunter Gesamtinvestitionen von 165 Milliarden Euro für die Produktionsstätten in Arizona. Dennoch erwartet der Konzern keine Entspannung vor 2027. Wei kündigte zudem an, aggressive Preiserhöhungen – wie sie im Speichersektor üblich sind – zu vermeiden, um die langjährigen Beziehungen zu Großkunden wie Nvidia, AMD und Broadcom zu schützen.

Rekordumsätze trotz Lieferstaus

Der Engpass zieht sich durch die gesamte Branche – selbst während Unternehmen Rekordzahlen melden. Broadcom verbuchte im zweiten Fiskalquartal einen KI-Halbleiterumsatz von 10,8 Milliarden Euro, ein Anstieg von 143 Prozent im Jahresvergleich. CEO Hock Tan bezeichnete die Nachfrage nach kundenspezifischen Beschleunigern und Netzwerkhardware als „unersättlich“. Die Auftragseingänge überstiegen 30 Milliarden Euro.

Dennoch fielen die Broadcom-Aktien im nachbörslichen Handel am 4. Juni um mehr als 13 Prozent – Grund: Die KI-Umsatzprognose für das dritte Quartal von 16 Milliarden Euro blieb hinter den Erwartungen einiger Analysten zurück, und das Unternehmen hob seine Jahresprognose für 2026 nicht an.

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Im Speichersektor meldete SK Hynix aus Südkorea, dass die gesamte Produktionskapazität für High-Bandwidth Memory (HBM) für 2026 bereits ausverkauft sei. Der Konzern, dessen Marktkapitalisierung kürzlich die Billionen-Euro-Marke überschritt, plant offenbar einen Börsengang in den USA, um seine Investorenbasis zu verbreitern.

Auch der Servermarkt zeigt den Druck: Dell Technologies hob kürzlich seine Umsatzprognose für das Fiskaljahr 2027 auf 167 Milliarden Euro an und erwartet allein in diesem Jahr 60 Milliarden Euro aus KI-Serververkäufen. Auf der jüngsten Telefonkonferenz betonte das Management, dass die Nachfrage nach KI-optimierten Servern weiterhin das verfügbare Angebot übersteige – ein Auftragsstau, der bis Jahresende anhalten dürfte.

Hyperscaler-Investitionen und neue Engpässe

Das Investitionsvolumen der großen Cloud-Anbieter erreicht beispiellose Dimensionen. Alphabet-CEO Sundar Pichai erklärte bei einer Investorenpräsentation am 3. Juni, dass die Nachfrage nach KI-Lösungen des Unternehmens das verfügbare Angebot „deutlich übersteige“. Alphabet erwartet für dieses Jahr Investitionsausgaben zwischen 180 und 190 Milliarden Euro – doppelt so viel wie 2025 –, um die Infrastruktur für die Gemini-Modellreihe zu sichern.

Branchenanalysten identifizieren inzwischen mehrere Engpässe jenseits der Chipfertigung. Besonders kritisch: TSMCs CoWoS-Technologie (Chip-on-Wafer-on-Substrate), eine fortschrittliche Verpackungstechnologie, die zum Nadelöhr geworden ist. Hinzu kommen physische Infrastrukturprobleme: Ein Mangel an Hochspannungstransformatoren und lange Vorlaufzeiten für Netzanschlüsse von Rechenzentren verzögern die Inbetriebnahme neuer KI-Cluster.

Die World Semiconductor Trade Statistics (WSTS) aktualisierte am 3. Juni ihre Prognose: Der globale Halbleitermarkt werde 2026 um 90 Prozent wachsen und die 1,5 Billionen Euro-Marke überschreiten. Allein der Speichersektor soll auf über 800 Milliarden Euro expandieren – mehr als die Hälfte des Gesamtmarktes –, während die Industrie darum kämpft, mit den Anforderungen großer KI-Rechenplattformen Schritt zu halten.