Der taiwanische Chipriese TSMC beendet das jahrzehntelange Vorzugsverhältnis mit Apple. Grund ist der unersättliche Hunger der KI-Branche nach Hochleistungs-Chips, der die gesamte Halbleiterindustrie umkrempelt.
Taipeh – Eine Zeitenwende in der globalen Halbleiterindustrie: Taiwan Semiconductor Manufacturing Co. (TSMC) beendet das jahrzehntelange Vorzugsverhältnis mit Apple. Der iPhone-Hersteller verliert seinen Status als bevorzugter Kunde an der Spitze der Produktionsliste. An seine Stelle treten Tech-Giganten wie Nvidia, die mit ihrer Nachfrage nach KI-Hardware die Prioritäten des weltgrößten Auftragsfertigers fundamental verschieben. Diese Neuausrichtung hat tiefgreifende Folgen für Produktstrategien, Kosten und das Kräftegleichgewicht im gesamten Technologiesektor.
KI-Boom verdrängt Smartphones von der Spitze
Der Treiber dieser strategischen Kehrtwende ist der explosive Wachstum der Künstlichen Intelligenz. Unternehmen wie der KI-GPU-Marktführer Nvidia beanspruchen einen immer größeren Anteil von TSMCs Aufmerksamkeit und Ressourcen. Diese Kunden sind bereit, Höchstpreise für fortschrittliche Fertigung zu zahlen. Ihre Chip-Designs sind zudem grundlegend anders und verbrauchen mehr Produktionskapazität.
Ein einzelner Hochleistungs-KI-Chip kann sechs- bis achtmal mehr Platz auf einem Silizium-Wafer einnehmen als ein typischer Smartphone-Chip wie Apples A-Serie. Diese physikalische Realität schafft einen Verteilungskampf um TSMCs begrenzte Kapazitäten. Selbst eine kleine Zahl von KI-Kunden kann einen überproportional großen Teil der Produktion absorbieren – auf Kosten der Konsumelektronik. Die Nachfrage ist so intensiv, dass TSMCs Kapazitäten für die modernsten Fertigungsprozesse („advanced nodes“) laut Berichten ausverkauft sind.
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Apple zahlt den Preis: Höhere Kosten und schwindender Einfluss
Die spürbaren Konsequenzen für Apple sind bereits Realität. Berichten zufolge hat Nvidia Apple 2025 als TSMCs umsatzstärksten Kunden abgelöst – eine atemberaubende Wende nach Jahren der Dominanz. Prognosen für 2026 deuten darauf hin, dass dieser Trend anhält.
Mit dem Verlust des Top-Kunden-Status geht erheblicher finanzieller Druck einher. Branchenkreise berichten von deutlichen Preiserhöhungen für künftige Chip-Generationen. TSMCs CEO habe Apple-Managern persönlich die höchste Preiserhöhung seit Jahren mitgeteilt. Die Kosten für einen einzelnen Wafer im nächsten 2-Nanometer-Verfahren sollen bei rund 30.000 US-Dollar liegen – ein Aufschlag von 50 Prozent gegenüber dem aktuellen 3-nm-Prozess. Apple muss diese höheren Kosten nun akzeptieren, während es mit finanzstarken KI-Firmen konkurriert.
Warum TSMC umschwenkt: Profit und Physik
TSMCs Neuausrichtung ist eine pragmatische Antwort auf klare Marktkräfte. Das Segment Hochleistungsrechnen (HPC), zu dem KI-Chips zählen, ist zum primären Umsatztreiber des Foundries geworden. Die Rekordgewinne und die optimistische Prognose von TSMC werden direkt auf die robuste Nachfrage der KI-Industrie zurückgeführt.
Auch die schiere Physik der Chipfertigung erklärt den Wandel. Die Produktion einer geringen Anzahl großer, hochprofitabler Nvidia-GPUs pro Wafer ist heute ein überzeugenderes Geschäft als die Fertigung einer größeren Stückzahl kleinerer iPhone-Chips. Die Kapazitätsvergabe ähnelt damit weniger einem beziehungsbasierten Modell, sondern immer mehr einer Auktion, in der der Höchstbietende die knappen, führenden Chips erhält.
Machtverschiebung: Vom Smartphone zum Rechenzentrum
Diese Entwicklung markiert mehr als einen Wechsel an der Spitze der Kundenliste. Sie spiegelt eine breitere industrielle Machtverschiebung wider. In den letzten fünfzehn Jahren gab der Smartphone-Markt unter Führung Apples Tempo und Richtung der Halbleiterfertigung vor. Heute ist der Motor der Innovation und der Hauptabnehmer modernster Kapazitäten das KI-Rechenzentrum. Der Rechenbedarf für das Trainieren komplexer KI-Modelle hat einen Silizium-Markt geschaffen, der selbst die gewaltigen Dimensionen der Smartphone-Industrie in den Schatten stellt.
Während akute Produktionsengpässe, die einen iPhone-Start verzögern, als unwahrscheinlich gelten, könnten die langfristigen Effekte auf Apple erheblich sein. Das Unternehmen dürfte unter anhaltendem Druck auf seine Gewinnmargen stehen oder die höheren Chipkosten an die Verbraucher weitergeben müssen.
Ausblick: Apple sucht neue Partner
Als Reaktion auf diese neue Realität wird Apple nicht tatenlos bleiben. Berichte deuten darauf hin, dass das Unternehmen bereits Schritte unternimmt, um seine Fertigungspartner zu diversifizieren – ein bedeutender Schritt für einen Konzern, der sich für seine wichtigsten Prozessoren fast ausschließlich auf TSMC verlassen hat.
Eine Partnerschaft mit Intel zur Produktion einiger M-Series-Chips in dessen kommendem 18A-Prozess ab 2027 soll in Arbeit sein. Diese strategische Diversifizierung könnte zu einem entscheidenden Element von Apples Langzeitplanung werden und die Abhängigkeit von einem einzigen Lieferanten verringern.
Für die absehbare Zukunft wird die Halbleiterindustrie von diesem intensiven Wettbewerb um fortschrittliche Fertigung geprägt sein. TSMC wird weiter massiv in Kapazitätserweiterungen investieren, doch das ungebremste Wachstum der KI sorgt dafür, dass die Nachfrage das Angebot noch Jahre lang übersteigen wird. Selbst die weltgrößten Technologiekonzerne müssen sich nun durch eine komplexe und zunehmend kostspielige Lieferkette navigieren.
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