TUXEDO OS: Linux-Hersteller wechselt von Ubuntu zu Debian

TUXEDO OS wechselt von Ubuntu auf Debian Testing. Die erste Beta ist verfügbar, Bestandsnutzer müssen für den Umstieg neu installieren.

Der Augsburger Linux-Hersteller TUXEDO Computers hat die erste öffentliche Beta seines neu aufgesetzten Betriebssystems veröffentlicht. Das System basiert künftig nicht mehr auf Ubuntu, sondern auf Debian – ein Schritt mit weitreichenden Folgen für Nutzer.

Der Umstieg markiert einen Wendepunkt für das Unternehmen, das seine Distribution seit 2022 auf Ubuntu LTS aufgebaut hatte. Mit dem neuen Ansatz, den TUXEDO als „Continuous Debian“ bezeichnet, will der Hersteller die Lücke zwischen Langzeitstabilität und moderner Software schließen. Das Besondere: Das System nutzt künftig den Debian-Testing-Zweig als Grundlage.

Schnellere Updates dank Debian Testing

Bisher bremste der Ubuntu-LTS-Unterbau die Entwicklung: Wichtige Neuerungen wie aktuelle KDE-Plasma-Funktionen oder frische Linux-Kernel ließen sich auf der alten Basis nur schwer ausliefern. Ubuntu setzt traditionell auf ältere, dafür intensiv getestete Paketversionen. Mit Debian Testing will TUXEDO nun beides bieten – einen stabilen Kern und zeitnahe Software-Updates.

Der Wechsel war bereits Anfang Juli angekündigt worden. Das neue Modell fühlt sich für Anwender an wie eine Rolling-Release-Distribution, verspricht aber weiterhin eine verlässliche Grundlage für den Produktiveinsatz. Der hybride Veröffentlichungsansatz bleibt erhalten: Das System-Grundgerüst ist stabil, einzelne Pakete kommen schneller in die Distribution.

Btrfs, Snapshots und eigene Sicherheitsinfrastruktur

Die Debian-Version bringt einige technische Neuerungen mit:

  • Btrfs-Dateisystem: Neuinstallationen nutzen standardmäßig das moderne Dateisystem. Zusammen mit dem Snapper-Werkzeug legt das System automatisch Snapshots vor und nach Paketinstallationen an. Lässt ein Update das System abstürzen, können Nutzer den gesamten Zustand zurücksetzen.
  • Eigene Kernel-Pakete: TUXEDO setzt weiterhin auf selbst angepasste Kernel, die auf Debian-Infrastruktur basieren, aber um proprietäre Hardware-Anpassungen ergänzt werden.
  • Sicherheitsnetz: Da Debian Testing nicht den gleichen Sicherheitsstatus wie stabile Zweige hat, betreibt TUXEDO eigene Paketquellen. Automatisierte Systeme überwachen öffentliche CVE-Meldungen und den Debian Security Tracker – kritische Fixes werden bei Bedarf aus Debian Unstable zurückportiert.
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Bestandsnutzer müssen neu installieren

Für bestehende TUXEDO-OS-Nutzer gibt es eine wichtige Einschränkung: Ein direktes Upgrade von der Ubuntu- auf die Debian-Version ist technisch nicht möglich. Stattdessen ist eine Neuinstallation erforderlich. Eine Anleitung zur Datenmigration soll zusammen mit der stabilen Version erscheinen.

Die bisherige Ubuntu-basierte Ausgabe wird als TUXEDO OS Legacy weitergepflegt. Regelmäßige Updates sind bis Mitte 2027 zugesichert, essentielle Sicherheitskomponenten sogar bis 2029. Damit will das Unternehmen professionellen und Unternehmenskunden einen geordneten Übergang ermöglichen.

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Offizielle Vorstellung auf der FrOSCon

Die ausführliche Präsentation der neuen Architektur war für die Linux-Konferenz FrOSCon im August 2026 geplant. CEO Herbert Feiler bezeichnete den Wechsel als eine der tiefgreifendsten Änderungen in der Geschichte der Distribution seit ihrem Start im September 2022.

Die Beta-ISO steht ab sofort zum öffentlichen Test bereit – allerdings nicht für den Einsatz auf produktiven Systemen empfohlen. Das Feedback aus der Testphase soll in die finale Version einfließen, insbesondere mit Blick auf reale Hardware-Szenarien und professionelle Arbeitsabläufe. Das Unternehmen beschäftigt rund 50 Mitarbeiter.