Tving-Hack: 39,54 Millionen Kontodaten durch gestohlenen Schlüssel

Eine offizielle Prüfung bestätigt den Diebstahl von 39,54 Millionen Tving-Konten. Entwendete Schlüssel machten sensible Daten teilweise entschlüsselbar.

Nach einem schwerwiegenden Sicherheitsvorfall beim südkoreanischen Streaming-Dienst Tving hat eine offizielle Untersuchung das Ausmaß der Datenentwendung bestätigt.

Insgesamt wurden 39,54 Millionen Kontodatensätze entwendet, nachdem sich ein unbekannter Angreifer über einen gestohlenen Entwickler-Zugriffsschlüssel unbefugten Zugang zu den internen Netzwerken des Unternehmens verschafft hatte. Das Ministerium für Wissenschaft und ICT veröffentlichte die entsprechenden Untersuchungsergebnisse am 3. September 2026.

Sicherheitsmängel ermöglichten Zugriff auf Quellcode und Produktionsschlüssel

Der Cyberangriff vollzog sich laut den Untersuchungsberichten über fünf Stufen. Den Ermittlungen zufolge war ein mangelhaftes Management von Zugriffsschlüsseln die Hauptursache für den Einbruch. Der Angreifer konnte zunächst einen Entwicklerschlüssel entwenden und so tief in die technische Infrastruktur eindringen. Dabei wurden 361 technische Assets entwendet, darunter Quellcode im Umfang von 30,35 GB.

Im gestohlenen Quellcode identifizierte der Täter 43 Produktionsschlüssel, von denen zwei aktiv genutzt wurden, um den Zugriff auf Nutzerdaten zu erweitern. Die entwendeten Informationen wurden ins Ausland übertragen; die Identität des Täters konnte bislang nicht festgestellt werden.

Umfangreiches Datenpaket und betroffene Nutzergruppen

Von dem Leak sind sowohl aktuelle als auch ehemalige Nutzer betroffen. Die 39,54 Millionen Datensätze teilen sich auf in 22,06 Millionen aktive Konten sowie 17,37 Millionen inaktive Konten. Bei den inaktiven Datensätzen handelt es sich um 8,5 Millionen ruhende und 8,87 Millionen bereits gelöschte Konten. Zudem wurden 110.000 Testkonten kompromittiert.

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Die gestohlenen Daten umfassen 20 Kategorien mit insgesamt 70 verschiedenen Arten personenbezogener Informationen. Dazu gehören unter anderem:

  • IDs und Passwörter
  • Namen, Telefonnummern und E-Mail-Adressen
  • Geburtsdaten und Verbindungsinformationen (CI)
  • Zahlungshistorien

Besonders kritisch bewerten Sicherheitsverantwortliche den Umstand, dass zwar die Passwörter einwegverschlüsselt vorlagen, die Verschlüsselungsschlüssel für Telefonnummern und E-Mails jedoch ebenfalls entwendet wurden. Damit sind diese sensiblen Daten für die Angreifer entschlüsselbar.

Eine Analyse der Logins ergab, dass Nutzer sozialer Netzwerke am stärksten betroffen sind: 22,47 Millionen Konten (57 %) entfallen auf soziale Logins, während 8,63 Millionen über CJ ONE und 7,26 Millionen über Direktkonten geführt wurden.

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Konsequenzen für Tving und Entschädigungsmaßnahmen

Tving-CEO Choi Joo-hee entschuldigte sich offiziell for den Vorfall. Das Unternehmen kündigte an, die Sicherheitsinvestitionen bis zum Jahr 2030 zu vervierfachen und das Sicherheitspersonal zu verdreifachen. Geplant ist zudem die Einführung einer Zero-Trust-Architektur, um künftige Zugriffe besser abzusichern.

Betroffene Nutzer sollen entschädigt werden. Das Paket umfasst unter anderem eine Versicherung gegen Hacking und Phishing mit einer Deckungssumme von bis zu 3 Millionen Won, Premium-Upgrades für den Dienst sowie Gutscheine und Punkte im Wert von 5.000 Won.

Obgleich Tving betont, dass bislang keine konkreten Schäden bei Nutzern durch den Leak bestätigt wurden, drohen dem Unternehmen rechtliche Konsequenzen. Da der Vorfall bereits am 30. Mai entdeckt, aber erst am 1. Juni gemeldet wurde, steht eine Geldstrafe von bis zu 30 Millionen Won wegen verzögerter Meldung im Raum.

Trotz der Sicherheitskrise verzeichnete Tving im zweiten Quartal einen Umsatz von 140,7 Milliarden Won und einen operativen Gewinn von 6 Milliarden Won. Ob die nun bekannt gewordenen Details des Datenlecks Auswirkungen auf die künftige Nutzerbasis oder das Finanzergebnis haben werden, bleibt abzuwarten.