Der Schweizer Bezahldienst TWINT baut sein Funktionsspektrum aus. Mit der Lancierung von «TWINT Rechnung» können Nutzerinnen und Nutzer in der Schweiz QR-Rechnungen nun direkt innerhalb der TWINT-App über den etablierten Swiss-QR-Code-Standard begleichen. Ein vorheriges Einloggen in ein separates E-Banking-Portal ist für den Bezahlvorgang nicht mehr erforderlich.
Digitale Abwicklung und flexible Zahlungszeitpunkte
Die neue Bezahlfunktion setzt auf der bestehenden Rechnungsstruktur auf. Da das System auf dem Swiss-QR-Code-Standard basiert, müssen Unternehmen ihre bestehenden Rechnungsprozesse für den Dienst nicht anpassen. Digitale Rechnungen lassen sich über einen integrierten Rechnungsbutton aus E-Mails, Websites oder Partner-Apps direkt erfassen oder als Dokument in die TWINT-App hochladen.
Seit dem 4. November 2026 können Anwender den gewünschten Zahlungstermin innerhalb der vorgegebenen Zahlungsfrist frei festlegen. Geplante Zahlungen lassen sich zudem bis zum Zeitpunkt der Ausführung flexibel anpassen oder komplett stornieren.
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Nach Abschluss der Transaktion verbleiben die Belege in der Übersicht der Transaktionsliste; von dort aus kann der Rechnungsbetrag bei Bedarf auch nachträglich unter Freunden aufgeteilt werden. Wie Unternehmenssprecher Ettore Trento darlegte, sei die Nutzung von «TWINT Rechnung» für Privatkunden kostenlos.
Man komme mit diesem Schritt einem geäußerten Kundenwunsch nach. TWINT-Chef Markus Kilb erklärte hierzu, das Bezahlen von Rechnungen gehöre zum Schweizer Alltag, und das Unternehmen wolle diesen Ablauf unkomplizierter gestalten.
Erste Partner und Kostenstruktur für Rechnungssteller
Zum Start am 4. November 2026 greift eine Einschränkung: Es können vorerst nur Rechnungen von Unternehmen bezahlt werden, die bereits an das TWINT-System angeschlossen sind. Das Angebot soll jedoch schrittweise ausgebaut werden. Zu den ersten Anwendern der Lösung gehören unter anderem Planzer Paket, das Elektrizitätswerk des Kantons Schaffhausen (EKS), Energie Wasser Luzern (EWL), green.ch sowie ClubDesk und RaiseNow.
Für Rechnungssteller unterscheidet sich das Verfahren wirtschaftlich von der klassischen Banküberweisung, die für Empfänger in der Regel kostenfrei ist. Der Experte Ralf Beyeler vom Vergleichsdienst Moneyland kalkulierte am 4. November 2026 für Rechnungssteller mit Abzügen von rund 1,3 Prozent pro Transaktion. Bei einer Rechnungssumme von 300 Franken entspräche dies Gebühren von knapp 4 Franken.
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Erweiterung der Zahlungsinfrastruktur bis 2028
Die Einführung stellt nach Unternehmensangaben den Auftakt zu einem erweiterten Portfolio an Rechnungslösungen dar. TWINT zählt in der Schweiz über 6 Millionen aktive Nutzer.
Getragen wird die Gesellschaft von den Eigentümern BCV, PostFinance, Raiffeisen, UBS, Zürcher Kantonalbank (ZKB) sowie den Finanzdienstleistern SIX und Worldline. Zudem agiert TWINT gemeinsam mit UBS, PostFinance, Sygnum, Raiffeisen, ZKB und BCV als Testpartner für das Projekt des Swiss Stablecoins.
Für das Jahr 2027 plant das Unternehmen die Einführung einer digitalen Direktlastschrift. Diese soll als moderne Alternative zum traditionellen Lastschriftverfahren LSV+ dienen. Die Finanzinfrastrukturbetreiberin SIX wird das bisherige LSV+-Verfahren nach Absprache mit den Banken per 30. September 2028 einstellen.
Jährlich werden in der Schweiz rund 65 Millionen Rechnungen über das klassische Lastschriftverfahren beglichen, was einem Durchschnitt von rund 7 Transaktionen pro Person entspricht. Als paralleles System existiert bei SIX bereits seit dem Sommer 2025 das Format «eBill Direct Debit», während das eBill-Netzwerk insgesamt mehr als 4 Millionen Nutzer verzeichnet.

