Twitch-Klage: Streamer fordert 5 Millionen Dollar für KI-Training

Streamer verklagen Twitch und Amazon wegen KI-Trainings mit Inhalten ohne Einwilligung. Schadensersatz von über fünf Millionen Dollar gefordert.

Der Streamer Warren Pandiscia aus Connecticut hat eine geplante Sammelklage gegen die Streaming-Plattform Twitch und deren Mutterkonzern Amazon eingereicht. Der Vorwurf lautet, dass die Unternehmen Videoinhalte und Streams ohne die ausdrückliche Zustimmung der Urheber zum Training von Modellen der künstlichen Intelligenz verwendet haben sollen.

Die Klage wurde am 20. August 2026 vor dem Bezirksgericht für den nördlichen Distrikt von Kalifornien unter dem Aktenzeichen 3:26-cv-08721 eingereicht. Den Prozessunterlagen zufolge behauptet Pandiscia, dass Twitch und Amazon bereits seit dem Jahr 2024 KI-Training mit Inhalten von Streamern durchführen, ohne hierfür eine Einwilligung eingeholt zu haben.

Die Klageschrift wirft den Unternehmen unter anderem Vertragsbruch, ungerechtfertigte Bereicherung sowie unfaire Geschäftspraktiken nach dem kalifornischen Wettbewerbsrecht (UCL) vor.

Forderungen und finanzielle Vorwürfe

Der Kläger, der auf der Plattform über mehr als 900 Follower verfügt, fordert im Namen der betroffenen Ersteller von Inhalten einen Schadensersatz in einer Gesamthöhe von über 5 Millionen US-Dollar. Neben finanziellen Entschädigungen und Rückerstattungen zielt das Verfahren auf eine Unterlassungsverfügung ab, um die fortlaufende Nutzung der Streams für KI-Zwecke ohne explizite Erlaubnis zu unterbinden.

In der Klage wird argumentiert, dass durch die unbefugte Datenverwendung gegen implizite Verträge verstoßen wurde, was zu unmittelbaren finanziellen Verlusten für die Streamer geführt habe. Zudem wird den Unternehmen unlauterer Wettbewerb vorgeworfen, da sie sich durch die Nutzung der Nutzerdaten einen unrechtmäßigen Marktvorteil verschafft hätten.

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Umstrittene Standardeinstellungen für KI-Training

Hintergrund der juristischen Auseinandersetzung sind auch jüngste strategische Entscheidungen der Plattform. Am 12. August 2026 führte Twitch eine sogenannte Opt-out-Option für das KI-Training ein. Diese Funktion ist jedoch standardmäßig aktiviert. Das bedeutet, dass Nutzer der Verwendung ihrer Daten explizit in den Einstellungen widersprechen müssen, da ihre Inhalte sonst automatisch für das Training von KI-Modellen herangezogen werden.

Der Chief Product Officer von Twitch, Mike Minton, verteidigte diese Standardeinstellung in einer Stellungnahme. Er gab zu bedenken, dass sich bei einem Opt-in-Verfahren, bei dem die Nutzer aktiv zustimmen müssten, voraussichtlich niemand für die Teilnahme entscheiden würde. Minton hatte bereits im Jahr 2024 öffentlich bestätigt, dass Twitch Inhalte für die Entwicklung von KI-Systemen nutzt.

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Reaktion der Community und Branchenkontext

Innerhalb der Twitch-Community stießen die Praktiken auf erheblichen Widerstand. Nutzer äußerten verstärkt Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes und kritisierten eine mögliche Ausbeutung der von ihnen erstellten Inhalte durch die Großkonzerne.

Der Fall reiht sich in eine zunehmende Anzahl von Rechtsstreitigkeiten über die Nutzung von Online-Inhalten für die generative KI ein. Branchenbeobachter verweisen in diesem Zusammenhang auf eine ähnliche Klage, die Anfang des Jahres von Produzenten der Plattform YouTube gegen das Technologieunternehmen Apple eingereicht wurde. Auch dort stand der Vorwurf im Raum, dass Videomaterial ohne Erlaubnis für die Entwicklung von KI-Tools verwendet worden sei.