Typ-2-Diabetes bei jungen Erwachsenen: Armut und Migration erhöhen das Risiko

Studien aus mehreren Ländern zeigen soziale Unterschiede beim Diabetesrisiko und beim Zugang zu modernen Therapien.

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Typ-2-Diabetes tritt zunehmend auch bei jüngeren Erwachsenen auf, wobei der sozioökonomische Status eine wesentliche Rolle spielt. Eine Auswertung der NAKO Gesundheitsstudie verdeutlicht deutliche soziale Unterschiede beim früh auftretenden Typ-2-Diabetes in Deutschland: Armut, ein geringes Bildungsniveau sowie eine eigene Migrationserfahrung gehen bei jungen Erwachsenen gehäuft mit der Stoffwechselerkrankung einher.

Der Befund reiht sich in eine Reihe internationaler Untersuchungen ein, die den starken Einfluss des Lebensumfelds und sozialer Ungleichheit auf das Krankheitsrisiko belegen.

Wohnumfeld und Armut als Risikofaktoren

Dass sozioökonomische Rahmenbedingungen einen direkten Einfluss auf die Entstehung von Typ-2-Diabetes haben, wird auch durch internationale Langzeitdaten untermauert.

Eine kanadische Beobachtungsstudie an 1.932.869 Erwachsenen in Ontario, die zu Beginn der Untersuchung keinen Diabetes aufwiesen und in Vierteln mit mindestens 30 Prozent einkommensarmen Haushalten lebten, untersuchte diese Zusammenhänge über einen Nachbeobachtungszeitraum von bis zu 21 Jahren.

Die Ergebnisse zeigten deutliche Effekte durch eine Veränderung des Wohnumfelds: Ein Umzug aus einem Viertel mit hoher Armut in ein weniger armes Viertel war mit 24 Prozent weniger Neuerkrankungen verbunden als ein Umzug in ein anderes armes Viertel.

Im Vergleich zum Verbleib im selben armen Viertel lag die Rate der Neuerkrankungen sogar um 57 Prozent niedriger. Die noch nicht durch ein Peer-Review begutachteten Ergebnisse dieser Beobachtungsstudie wurden für die EASD-Jahrestagung in Mailand angemeldet.

Ähnliche Muster zeigen sich in städtischen Ballungsräumen auf der Südhalbkugel. Eine Studie der Universität São Paulo (USP) wertete anhand öffentlicher SIH/SUS-Daten von 2018 bis 2021 Krankenhausaufenthalte wegen Diabetes in 310 Gebieten der brasilianischen Metropole aus.

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Bei der Analyse von 93 Prozent der verfügbaren Datensätze stellte sich heraus, dass die Einweisungen keineswegs zufällig verteilt, sondern räumlich gebündelt waren. Gebiete mit geringerem Einkommen und höherer sozialer Vulnerabilität, vor allem an den Stadträndern, verzeichneten überdurchschnittlich viele Krankenhausaufenthalte.

Bundesweit stieg der Anteil der Erwachsenen mit ärztlicher Diabetesdiagnose in brasilianischen Hauptstädten und dem Bundesdistrikt laut Gesundheitsministerium von 5,5 Prozent im Jahr 2006 auf 12,9 Prozent im Jahr 2024.

Soziale Ungleichheit bei Therapien und Versorgungszugang

Soziale Disparitäten spiegeln sich nicht nur im Erkrankungsrisiko, sondern auch bei der medizinischen Versorgung wider. Eine dänische Registerkohorte mit 81.361 Erwachsenen, bei denen zwischen 2015 und 2022 neu Typ-2-Diabetes sowie eine Herz-Kreislauf-Erkrankung diagnostiziert worden waren (37 Prozent Frauen), untersuchte den Beginn moderner Therapien. Als Therapiebeginn galt innerhalb eines Jahres die Einlösung des ersten Rezepts für SGLT2-Hemmer oder GLP-1-Rezeptoragonisten.

Insgesamt starteten 24.623 Personen eine dieser Therapien, davon 15.301 (62,1 Prozent) mit SGLT2-Hemmern und 9.322 (37,9 Prozent) mit GLP-1-Agonisten.

Nach vollständiger statistischer Bereinigung zeigte sich ein klarer Zusammenhang mit dem Beschäftigungsstatus: Gegenüber Erwerbstätigen begannen arbeitslose Frauen seltener eine Therapie (Inzidenzratenverhältnis IRR 0,81; 95%-Konfidenzintervall 0,75–0,88), bei pensionierten Frauen lag das Verhältnis bei 0,88 (0,79–0,97).

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Bei arbeitslosen Männern betrug der Wert 0,77 (0,73–0,81) und bei pensionierten Männern 0,83 (0,78–0,88). Das Bildungsniveau spielte nach der Adjustierung hingegen keine statistisch bedeutsame Rolle.

Frühe Weichenstellungen und neue Therapieoptionen

Die Basis für spätere Stoffwechselstörungen wird oft bereits im Kindes- und Jugendalter gelegt. In Deutschland weisen Auswertungen des Robert Koch-Instituts von Einschulungsuntersuchungen zwischen 2006 und 2024 auf ein höheres Übergewichtsrisiko bei sozial benachteiligten Kindern hin.

Laut dem WIdO-Gesundheitsatlas wurde bei 4,3 Prozent der Kinder von 0 bis 14 Jahren in Mecklenburg-Vorpommern Adipositas diagnostiziert – ein Fünftel mehr als im Bundesdurchschnitt.

Gleichzeitig verändern sich die Behandlungsansätze bei jüngeren Altersgruppen rasant. Eine auf dem EASD-Kongress vorgestellte Registerstudie an 1.878 jungen Betroffenen mit Typ-2-Diabetes im Alter von 6 bis 24 Jahren in Deutschland, Österreich und Luxemburg verzeichnete einen deutlichen Anstieg: Erhielten 2019 lediglich 6,3 Prozent eine Behandlung mit GLP-1- oder GIP/GLP-1-Rezeptoragonisten, lag der Anteil 2025 bereits bei 27,2 Prozent.

Bei den 18- bis 24-Jährigen wurden 2025 rund 29 Prozent damit behandelt, bei den 12- bis 17-Jährigen 28 Prozent und bei den 6- bis 11-Jährigen 14 Prozent, wobei Liraglutid am häufigsten zum Einsatz kam.

Bei 240 Behandelten mit Verlaufsdaten sank der Langzeitblutzuckerwert HbA1c über einen medianen Beobachtungszeitraum von elf Monaten im Mittel um 0,78 Prozentpunkte. Die Forschenden weisen jedoch darauf hin, dass die Effekte mangels Kontrollgruppe und bei paralleler Medikation mit Metformin oder Insulin nicht allein auf diese Wirkstoffe zurückgeführt werden können.