Der Software-Riese kündigt interne Lizenzen für das Konkurrenz-Tool Claude Code von Anthropic und stellt seine Entwickler auf die eigene Lösung Copilot um. Grund: die explodierenden Kosten für generative KI.
Interne Kehrtwende: Schluss mit Claude Code bei Microsoft
Bis zum 30. Juni 2026 will Microsoft die Mehrzahl der internen Lizenzen für Anthropics Claude Code in seiner Sparte Experiences & Devices kündigen. Diese Abteilung ist für die Kernprodukte des Konzerns verantwortlich: Windows, Microsoft 365, Teams und Outlook. Ingenieure, die bisher das Fremd-Tool nutzten, werden auf den hauseigenen GitHub Copilot CLI umgeschult.
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Offiziell spricht Microsoft von einer Vereinheitlichung der Werkzeugkette. Branchenbeobachter sehen jedoch einen klaren Zusammenhang mit dem Kostenmanagement. Der Konzern hatte Claude Code rund sechs Monate lang bezahlt, bevor die Nutzungsraten die Abonnements aus dem Ruder laufen ließen. Ein teurer Luxus – zumal Microsoft selbst rund 30 Prozent seines eigenen Codes mit generativer KI schreibt und bereits 13 Milliarden Euro in OpenAI investiert hat.
Unternehmen laufen Kosten davon: Ubers Milliarden-Budget in vier Monaten aufgebraucht
Der Druck durch KI-Ausgaben trifft nicht nur die Anbieter selbst, sondern auch ihre größten Kunden. Uber meldete kürzlich, dass sein KI-Budget für 2026 in Höhe von 3,4 Milliarden Euro bereits nach vier Monaten aufgebraucht war. Der Fahrdienst-Vermittler hatte Claude Code an 5.000 Ingenieure ausgerollt – mit einer Nutzungsrate von bis zu 95 Prozent im April. Die Kosten pro Ingenieur beliefen sich auf 500 bis 2.000 Euro monatlich. Ein Szenario, in dem die Rechenkosten mitunter die Personalkosten übersteigen.
Auch Target überdenkt seine KI-Strategie. Die Führungsetage des Einzelhandelsriesen in Indien stellte fest, dass das Unternehmen nicht mehr nur KI nutzt, sondern seine gesamten Abläufe auf KI-Plattformen verlagert. Doch die Umstellung der großen Anbieter wie OpenAI und Anthropic auf eine tokenbasierte, nutzungsabhängige Preisgestaltung zwingt zu einer strategischen Neubewertung. Target, das in seinem Bengaluru-Hub rund 5.600 IT-Mitarbeiter beschäftigt, muss diese steigenden Softwarekosten gegen geplante Investitionen von zwei Milliarden Euro in Ladenumbauten und neue KI-Initiativen abwägen.
Neue Sicherheitsbedrohung: Phishing-Plattform zielt auf Microsoft 365
Während Microsoft-365-Nutzer mit veränderten Kostenstrukturen konfrontiert sind, sehen sie sich auch wachsenden Sicherheitsrisiken ausgesetzt. Das FBI warnte kürzlich vor einer Phishing-as-a-Service (PhaaS)-Plattform namens Kali365, die im April 2026 aufgetaucht ist. Diese Plattform zielt gezielt auf Microsoft-365-Umgebungen ab, indem sie die OAuth-Gerätecode-Authentifizierung missbraucht, um die Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) zu umgehen.
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Der über Telegram vertriebene Dienst Kali365 stellt selbst wenig versierten Angreifern KI-generierte Phishing-Köder und automatisierte Kampagnenvorlagen zur Verfügung. Indem Opfer dazu gebracht werden, einen Gerätecode auf einer legitimen Microsoft-Autorisierungsseite einzugeben, können Angreifer Sitzungstoken stehlen und dauerhaften Zugriff auf Outlook, Teams und OneDrive-Konten erlangen. Sicherheitsforscher beobachteten im Frühjahr weit verbreitete Kampagnen mit dieser Methode. Die Bundesbehörden empfehlen Unternehmen, Gerätecode-Flüsse einzuschränken und strengere Conditional Access-Richtlinien zu implementieren.
Milliarden-Investitionen trotz Kostendruck: Der lange Atem der KI
Trotz der steigenden Kosten fließt weiterhin Rekordkapital in die KI-Infrastruktur. Microsoft, Meta, Amazon und Google werden 2026 voraussichtlich rund 725 Milliarden Euro für Investitionsausgaben aufwenden – ein deutlicher Anstieg gegenüber 410 Milliarden Euro im Jahr 2025. Microsofts eigene Investitionsausgaben für 2026 werden auf 190 Milliarden Euro geschätzt, wobei ein Teil des Anstiegs auf höhere Komponentenkosten zurückzuführen ist.
Marktbeobachter stellen fest, dass die Cloud-Erlöse trotz dieser hohen Ausgaben robust bleiben. Microsofts Cloud-Sparte meldete im ersten Quartal dieses Jahres einen Umsatz von 54,5 Milliarden Euro. Um die Rentabilität zu sichern, passt der Konzern jedoch seine Geschäftsmodelle an. Ab dem 1. Juni 2026 stellt GitHub Copilot auf ein nutzungsabhängiges Abrechnungssystem mit KI-Guthaben um.
Gartner: KI-Kosten sinken vor 2030 nicht
Branchenforscher von Gartner warnen, dass die KI-Kosten für Unternehmen vor 2030 voraussichtlich nicht sinken werden. Die aktuellen Preiserhöhungen und die Umstellung auf nutzungsabhängige Abrechnung sind demnach Teil einer langfristigen Anpassung. Während Unternehmen dazu übergehen, „auf KI zu laufen“, wird sich der Fokus vom experimentellen Einsatz hin zu einer rigorosen Kosten-Nutzen-Analyse und der Optimierung autonomer Agentenumgebungen verlagern. Ein Beispiel dafür ist das kürzlich gestartete Windows 365 for Agents-Framework, das die interne Automatisierung absichern soll.

