Ubuntu 26.04 LTS: Dual-Boot zwischen Fortschritt und Chaos

Canonicals neues Flaggschiff Ubuntu 26.04 LTS startet mit Dual-Boot-Fortschritten, aber auch DDoS-Angriff und Sicherheitslücke.

Canonicals neues Flaggschiff „Resolute Raccoon“ startet mit Pannen und Sicherheitsproblemen.

Die lang erwartete Ubuntu-Version 26.04 LTS ist da – und sorgt für gemischte Gefühle. Das am 23. April veröffentlichte Betriebssystem mit dem Codenamen „Resolute Raccoon“ bringt bahnbrechende Neuerungen für Dual-Boot-Nutzer, kämpft aber gleichzeitig mit einem massiven Hackerangriff auf Canonicals Server und einer weltweiten BitLocker-Panne bei Windows 11. Die Frage drängt sich auf: Ist der Traum vom reibungslosen Nebeneinander von Linux und Windows nun Realität oder bleibt er eine Illusion?

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GNOME 50 und Kernel 7.0: Ein Quantensprung

Der Wechsel zum Linux-Kernel 7.0 markiert eine Zäsur. Zwar betonen die Entwickler, dass die neue Versionsnummer vor allem der Vereinfachung dient, doch die Verbesserungen sind handfest. Die Unterstützung für die neuesten Prozessorgenerationen – darunter Qualcomms Snapdragon-Chips und Intels Panther-Lake-Serie – wurde massiv ausgebaut.

Noch sichtbarer ist der Umstieg auf GNOME 50. Erstmals setzt eine Ubuntu-LTS-Version ausschließlich auf Wayland. Das jahrzehntealte X11/Xorg-System wurde endgültig verabschiedet. Für Anwender bedeutet das: flüssigere Animationen, bessere Skalierung bei mehreren Monitoren und native Unterstützung für variable Bildwiederholraten (VRR). XWayland bleibt als Kompatibilitätsschicht erhalten.

Die Hardware-Anforderungen sind gestiegen: Mindestens 6 Gigabyte RAM und ein 2-GHz-Dual-Core-Prozessor werden empfohlen – ein Wert, der nun über den offiziellen Mindestanforderungen von Windows 11 liegt. In der Praxis läuft das System aber auch auf schwächerer Hardware, wenn auch mit Abstrichen.

Der große Dual-Boot-Krimi: Installer-Hoffnung vs. BitLocker-Albtraum

Das Herzstück der neuen Version ist der überarbeitete Installer. Er erkennt BitLocker-verschlüsselte Windows-Partitionen und kann Ubuntu daneben installieren – ohne dass der Nutzer die Verschlüsselung manuell deaktivieren muss. Voraussetzung: Die Wiederherstellungsschlüssel müssen griffbereit sein.

Doch ausgerechnet zum Start von Ubuntu 26.04 eskalierte ein Problem auf der Windows-Seite. Microsofts Sicherheitsupdate KB5083769 löste weltweit BitLocker-Wiederherstellungsschleifen aus. Systeme mit bestimmten Gruppenrichtlinien-Konfigurationen – insbesondere abweichenden TPM-Validierungsprofilen – verlangten nach dem ersten Neustart plötzlich den Recovery-Key.

Für Dual-Boot-Nutzer eine Katastrophe. Während Ubuntu die Tür zur parallelen Installation öffnet, schlug Microsofts Update sie wieder zu. Der Grund: Die Änderungen an der Boot-Kette wurden von BitLocker als Manipulationsversuch gewertet. Microsoft betont, das Problem betreffe vor allem verwaltete Unternehmensrechner. Der Schaden für das Vertrauen in Dual-Boot-Setups ist dennoch enorm.

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„Copyfail“ und DDoS: Ein schwarzer Mai für Canonical

Die Lage verschärfte sich durch einen massiven DDoS-Angriff auf Canonicals Infrastruktur in der ersten Maiwoche. Die Gruppe „Team 313″ – auch bekannt als „Islamic Cyber Resistance in Iraq“ – bekannte sich zu der Attacke. Sie nutzte einen DDoS-Mietdienst, um die Download- und Dokumentationsserver von Ubuntu lahmzulegen.

Der Zeitpunkt hätte nicht schlechter sein können. Zeitgleich wurde die Sicherheitslücke „Copyfail“ bekannt – ein schwerwiegender Fehler in der lokalen Privilegienarchitektur, der fast alle Linux-Distributionen seit 2017 betrifft. Weil die offiziellen Canonical-Repositories über 24 Stunden nicht erreichbar waren, konnten many Nutzer weder die Patches noch das aktuelle Ubuntu-ISO herunterladen. Spiegel-Server blieben zwar online, doch für Unternehmen, die das neue LTS produktiv einsetzen wollten, bedeutete der Ausfall erhebliche Verzögerungen.

Überraschende Allianz: Ubuntu Pro trifft Microsoft Defender

Trotz aller technischen Reibungen nähern sich Canonical und Microsoft strategisch an. Eine im Frühjahr angekündigte Partnerschaft integriert Ubuntu Pro-Sicherheitsfunktionen direkt in Microsoft Defender. Unternehmensadministratoren können damit Linux-Workloads mit denselben Tools verwalten wie Windows-Systeme.

Konkret bedeutet das: Die „Expanded Security Maintenance“ (ESM) von Ubuntu Pro wird in das Microsoft-Defender-Ökosystem eingebunden. Unternehmen erhalten so eine einheitliche Bedrohungsübersicht über beide Plattformen hinweg. Canonical positioniert Ubuntu Pro damit zunehmend als 15-Jahre-Support-Lösung für kritische Infrastrukturen in der Telekommunikation und Cloud-Welt.

Countdown läuft: UEFI-Zertifikate laufen im Juni ab

Ein weiteres Problem zeichnet sich ab. Microsoft hat auf den Ablauf wichtiger UEFI-Secure-Boot-Zertifikate im Juni 2026 hingewiesen. Systeme ohne aktualisierte Zertifikate drohen mit schwerwiegenden Boot-Fehlern – oder können künftige Sicherheitsupdates nicht mehr installieren.

Das April-Update von Windows 11 war Teil einer schrittweisen Vorbereitung auf diesen Wechsel. Für Dual-Boot-Nutzer bedeutet das: höchste Wachsamkeit ist geboten. Beide Unternehmen empfehlen, Bootloader aktuell zu halten und Backups der BitLocker-Wiederherstellungsschlüssel sowie der Linux-Konfigurationsdateien anzulegen. Der Traum vom reibungslosen Dual-Boot rückt mit Ubuntu 26.04 zwar näher – die jüngsten Ereignisse zeigen jedoch, dass der Spagat zwischen den Welten ein heikles Unterfangen bleibt.