Canonical hat am 15. Oktober 2026 die Linux-Distribution Ubuntu 26.10 mit dem Codenamen „Stonking Stingray“ offiziell freigegeben. Die neue Zwischenversion bietet einen regulären Kurzzeitsupport von neun Monaten bis Juli 2027. Neben einer umfassenden Aktualisierung des Desktops und der Entwicklerwerkzeuge markiert das Release den schrittweisen Einzug moderner Sicherheitsmechanismen und Rust-basierter Systemkomponenten in das Betriebssystem.
Neuer Kernel und erweiterte Hardwareunterstützung
Das Betriebssystem setzt auf den Linux-Kernel 7.3 (auf Basis von 7.3-rc6) sowie die Desktop-Umgebung GNOME 51. Die Kernel-Aktualisierung verbessert die Hardware-Unterstützung für neuere Prozessoren von AMD, kommende Grafikchips von Intel sowie Qualcomm-Snapdragon-Plattformen.
Konkret integriert der Kernel Unterstützung für Intel Xe3P (Nova Lake) und AMD Zen 6. Ebenfalls an Bord sind Nvidia-Treiber ab Version 615.x, Verbesserungen am Direct Rendering Manager (DRM) sowie nativer Support für das Lustre-Dateisystem. Für den Betrieb setzt die kostenlose Distribution mindestens 6 GB RAM voraus.
Umbau der Systembasis und Entwickler-Tools
Unter der Haube vollzieht Canonical weitere Schritte zur Modernisierung grundlegender Systemkomponenten. Die traditionellen Core-Utilities für Dateibefehle wie cp, mv und rm wurden auf die Rust-Implementierung uutils umgestellt. Zudem halten Sequoia PGP auf Rust-Basis, Post-Quantum-Signaturen, OpenSSL 4 sowie der dbus-broker Einzug in das System.
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Für Softwareentwickler stellt die Distributions-Toolchain aktuelle Laufzeitumgebungen und Compiler bereit, darunter Python 3.14, Rust 1.97 und Go 1.27. Die Verwaltung von Softwarepaketen erfolgt über ein überarbeitetes App Center.
Im Bereich der Systemverwaltung und Sicherheit ermöglicht Ubuntu 26.10 eine TPM-basierte Vollverschlüsselung (Full Disk Encryption) nun auch ohne dedizierten Hardware-Root-of-Trust über eine PIN- oder Passworteingabe. Für Unternehmensumgebungen ist eine Authentifizierung mittels Microsoft Entra ID neu integriert worden.
Experimentelle Desktop-KI und bereinigte Altlasten
Mit der Veröffentlichung führt das Projekt unter dem Namen Myna eine erste lokale Desktop-KI ein. Das System ist derzeit experimentell und standardmäßig deaktiviert. In der aktuellen Fassung beschränkt sich die Funktionalität auf das Diktieren von Sprache in beliebige Textfelder. Die Komponente ist als fester Bestandteil für Ubuntu 28.04 vorgesehen und soll auch auf den Versionen 26.04 und 24.04 getestet werden.
Gleichzeitig trennt sich die Distribution von veralteter Technologie. Die Unterstützung für unverschlüsselte WEP-WLAN-Verbindungen wurde gestrichen, und der systemd-sysv-generator wurde aus dem System entfernt. Das Paket OpenSSH wurde zudem in die getrennten Pakete openssh und openssh-gssapi aufgeteilt.
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Zeitnahe Sicherheitsaktualisierungen
Begleitend zum Start stehen bereits sicherheitsrelevante Updates für die Distribution bereit. Mit dem Sicherheitsupdate USN-8944-1 entfernt Canonical das Zertifikat „emSign ECC Root CA – G3“ aufgrund kompromittierter Zwischenzertifizierungsstellen; zudem wurden wegen kompromittierter privater Schlüssel der eMudhra-Zertifizierungsstelle die Stammzertifikate „emSign Root TLS CA – G3“ und Comodo AAA Certificate Services aus dem Vertrauensspeicher entfernt.
Mit der Aktualisierung USN-8945-1 schließt Canonical zudem eine Schwachstelle im Paket XZ-Utils, die bei der Reinitialisierung des Decoders zu ungültigen Speicherzugriffen führen konnte, über die Paketversion 5.8.3-1ubuntu1.
Mehr zum Thema bei heise online: „Linux-Distribution Ubuntu 26.10 im Test: Linux 7.3 und KI-Funktion“

