Canonical nimmt die Entwicklung von Ubuntu Core Desktop wieder auf. Nachdem das Projekt rund um das unveränderliche, vollständig auf Snap-Paketen basierende Betriebssystem seit einer ersten Entwickler-Vorschau im Jahr 2023 geruht hatte, kündigte das Unternehmen den Neustart im Diskussionsforum Ubuntu Discourse an.
Für das Vorhaben formierte Canonical ein neues, bereichsübergreifendes Team. Die technische Basis wird auf core26 umgestellt, während die erforderlichen Build-Pipelines derzeit wiederhergestellt werden.
Abschied vom monolithischen Ansatz der Testversion
Rückblickend verfehlte die Vorschau aus dem Jahr 2023 nach Angaben von Jon Seager, Vice President of Engineering bei Canonical, die eigentliche Vision des Projekts. Am 28. Oktober 2026 vollzog das Unternehmen daher die formelle Abkehr vom damaligen monolithischen Prototyp, bei dem der Display-Manager GDM, die GNOME-Desktop-Umgebung und der Webbrowser Firefox noch in einem einzigen Basis-Snap zusammengefasst waren.
Künftig steht die strikte modulare Trennung aller Systemkomponenten im Vordergrund. Das Architekturkonzept sieht vor, dass Bootloader, Linux-Kernel, Desktop-Umgebung, Systemdienste sowie Anwendungsprogramme jeweils als eigenständige Snaps bereitgestellt werden. Das Fundament bildet dabei weiterhin ein schreibgeschütztes Root-Dateisystem, das durch transaktionale Aktualisierungen abgesichert wird und bei Fehlern einfache Rollbacks ermöglicht.
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Neue Sicherheitsarchitektur und Zielgruppen
Als Zielgruppen für Ubuntu Core Desktop definiert Canonical primär drei Einsatzbereiche: browserzentrierte Rechner, Workstations für Entwickler sowie Gaming-Systeme. Neben GNOME plant das Unternehmen auch Versionen mit KDE Plasma. Für Desktop-Umgebungen abseits von GNOME arbeitet Canonical mit dem Team von KDE Neon Core und enioka Haute Couture zusammen.
Ebenfalls am 28. Oktober 2026 führte Canonical ein feingliedriges Rechtemanagement ein. Das System fragt Berechtigungen für den Zugriff auf Kamera, Mikrofon sowie das persönliche Benutzerverzeichnis direkt auf Systemaufruf-Ebene über den Linux-Kernel, AppArmor und snapd ab.
Am selben Tag umfasste das Angebot im Snap Store mehr als 11.000 Pakete, wobei beispielsweise die Gaming-Plattform Steam bereits in einer strikt isolierten Umgebung betrieben werden kann.
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Herausforderungen beim Software-Ökosystem und Ausblick
Als größte Hürde für den produktiven Einsatz gilt nach wie vor die eingeschränkte Verfügbarkeit nativer Anwendungen im Snap-Format. Entwicklungswerkzeuge wie Visual Studio Code erfordern einen klassischen, nicht isolierten Modus und lassen sich daher nicht ohne Weiteres direkt ausführen. Als Übergangslösung setzt Canonical auf den sogenannten Canonical Workshop Container, über den sich auch Software über APT, Flatpak oder Nix installieren lässt.
Für eine finale, produktionsreife Version von Ubuntu Core Desktop nennt Canonical derzeit kein konkretes Veröffentlichungsdatum. Erste funktionstüchtige Systemabbilder werden noch vor dem Erscheinen von Ubuntu 27.04 im Jahr 2027 erwartet.
Herunterladbare Installationsmedien stehen bisher nicht bereit, tägliche Test-Builds sollen jedoch in den kommenden Wochen anlaufen. Das herkömmliche, deb-basierte Ubuntu Desktop bleibt parallel bestehen, während Ubuntu Core langfristig das Standardziel für Desktop, Rechenzentren und Edge-Geräte darstellt.

