UiPath und Decision Ledger: KI-Agenten lernen aus manuellen Eingriffen

UiPath entwickelt lernfähige Prozesssteuerung; Studien zeigen, dass KI-Erfolge stark von Prozesswissen und betrieblicher Reife abhängen.

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Die Automatisierung betrieblicher Abläufe steht vor einem grundlegenden Paradigmenwechsel. Jahrelang zielten Digitalisierungsinitiativen darauf ab, starre Arbeitsabläufe vollständig zu determinieren und unverändert auszuführen.

Doch die betriebliche Praxis zeigt ein anderes Bild: Laut Raghu Malpani, Technologievorstand bei UiPath, erreichen rund 90 Prozent der Geschäftsprozesse niemals einen dauerhaft stabilen Zustand.

Während bei der reinen Aufgabenautomatisierung typischerweise 90 Prozent standardisiert ablaufen und lediglich 10 Prozent Anpassungen erfordern, verhält es sich bei komplexen Gesamtprozessen genau umgekehrt. Neun von zehn Abläufen verlangen kontinuierliche Verbesserungen und Anpassungen an unvorhergesehene Variablen.

Neue Architekturen für adaptive Orchestrierung

Um dieser Dynamik zu begegnen, verschiebt sich der Fokus von isolierten Skripten hin zu lernfähigen Systemen. UiPath adressiert diese Herausforderung mit neuen Komponenten: Der sogenannte Decision Ledger dient der Erfassung von manuellen Überschreibungen und deren Begründungen. Spezialisierte Software-Agenten werten diese getroffenen Entscheidungen systematisch aus und führen Verbesserungen zurück in den Prozesskreislauf.

Zugleich stehen Werkzeuge wie Cartographer, Process Atlas sowie Coding Agents in der allgemeinen Verfügbarkeit bereit. In Demonstrationen erstellten Coding Agents einen kompletten Steuerungsfall innerhalb von 46 Minuten.

Für den produktiven Praxiseinsatz wird eine Dauer von wenigen Stunden statt bisheriger Wochen als realistisch eingestuft, wobei eine menschliche Prüfung weiterhin zwingend erforderlich bleibt.

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Technologisch stützt sich die Orchestrierung der Plattform auf eine ereignisbasierte Temporal-Engine, die Funktionen wie das Zurückspulen fehlerhafter Abläufe, gezielte Wiederholungen nach Abbrüchen und Aktualisierungen im laufenden Betrieb ermöglicht.

Ergänzend fungiert eine Testumgebung als spezialisierter Agent für automatisierte Softwareprüfungen. Die strukturierte Kartierung realer Arbeitsabläufe stuft Malpani dabei als ein Feld ein, das eine ähnliche Tragweite wie agentenbasierte Entwicklungswerkzeuge entfalten könnte.

Der kritische Stellenwert des realen Prozesskontexts

Der Übergang zu agentenbasierten Systemen gelingt jedoch nicht allein durch leistungsfähige Sprachmodelle. Eine Untersuchung von The Hackett Group und ARIS verdeutlicht, dass Unternehmen mit tiefem Prozesskontext fünfmal häufiger von sehr erfolgreichen Ergebnissen beim Einsatz künstlicher Intelligenz berichten. An der Erhebung nahmen über 200 Führungskräfte großer Organisationen teil.

Rund 86 Prozent der Befragten gaben an, dass autonome KI-Agenten ohne fundierten Prozesskontext nicht zuverlässig betrieben werden können, während 76 Prozent diesen Kontext für die kommenden drei Jahre als geschäftskritisch einstufen. Gleichzeitig verfügen bislang lediglich 22 Prozent der Unternehmen über eine lückenlose Echtzeit-Transparenz bezüglich ihrer durchgehenden Abläufe.

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Branchenexperten warnen vor einer Kluft zwischen technologischer Leistungsfähigkeit und betrieblicher Reife. Nach Einschätzung von Marktbeobachtern droht vielen Initiativen das Scheitern, wenn sie rein technologiegetrieben aufgesetzt werden: Laut Schätzungen des Marktforschungsunternehmens Gartner werden rund 40 Prozent der agentenbasierten KI-Projekte bis Ende 2027 vorzeitig abgebrochen. Demgegenüber meldete die Beratungsgesellschaft BCG, dass bereits 35 Prozent der Unternehmen entsprechende Agenten produktiv betreiben.

Auch auf personeller Ebene zeigt sich Anpassungsbedarf: Eine Erhebung des Forschungslabors SAP SuccessFactors ergab, dass 88 Prozent der Beschäftigten eine Veränderung ihrer Aufgaben durch KI wahrnehmen, die Hälfte davon jedoch ohne strategische Begleitung durch das Management.

Zudem räumten 72 Prozent der leitenden Führungskräfte ein, dass betriebliche Transformationsprojekte bestehende Arbeitsweisen häufig lediglich beschleunigen, statt Abläufe grundlegend neu zu gestalten. Die Weiterentwicklung des Workflow-Managements verlagert sich somit von der reinen Ausführung hin zur kontinuierlichen Erfassung, Steuerung und Absicherung dynamischer Prozesse.