UN-Generalsekretär fordert wissenschaftsbasierte KI-Regeln

Die Vereinten Nationen gründen ein unabhängiges Expertengremium, um eine wissenschaftliche Faktenbasis für die globale KI-Politik zu schaffen und fragmentierte Regulierungsansätze zu überbrücken.

António Guterres will künstliche Intelligenz von einer Quelle der Unsicherheit in einen Motor für nachhaltige Entwicklung verwandeln. Auf dem KI-Gipfel in Neu-Delhi betonte er, dass globale Politik auf Fakten statt Spekulation aufbauen muss. Die UN setzt dabei auf ein neues, unabhängiges Wissenschaftsgremium.

Der Appell des UN-Generalsekretärs kommt zu einem kritischen Zeitpunkt. Während Technologiekonzerne in einem atemberaubenden Tempo neue KI-Modelle entwickeln, hinken internationale Regulierungsbemühungen hinterher. Guterres forderte in seiner Rede vom 20. Februar eine Politik, die der Komplexität der Technologie gerecht wird. Nur so ließen sich die enormen Chancen für nachhaltige Entwicklung nutzen und gleichzeitig tiefgreifende Risiken minimieren.

UN setzt auf wissenschaftliche Faktenbasis

Kernstück der UN-Strategie ist das neue Unabhängige Internationale Wissenschaftsgremium für Künstliche Intelligenz. Das 40-köpfige Expertengremium soll jährliche, evidenzbasierte Berichte zu KI-Chancen und -Risiken vorlegen. „Wissenschaftsgeleitete Governance ist ein Beschleuniger für Lösungen, kein Fortschrittshemmnis“, so Guterres.

Das Gremium, das auf eine UN-Resolution vom August 2025 zurückgeht, soll politische Debatten auf eine gemeinsame Faktenbasis stellen. Die Experten agieren in persönlicher Kapazität, um ihre Unabhängigkeit zu wahren. Ergänzt wird es durch einen Globalen Dialog zur KI-Governance, der erstmals auch Länder des Globalen Südens gleichberechtigt einbindet. Dessen erste Vollversammlung ist für 2026 geplant.

Zersplitterte globale Regulierungslandschaft

Die UN-Initiativen sind Teil eines fragmentierten globalen Regulierungsmosaiks. Während die UN universellen Konsens anstrebt, gelten bereits heute in vielen Regionen verbindliche Gesetze. Die EU-KI-Verordnung mit ihrem risikobasierten Ansatz setzt europäische Standards. In den USA schaffen einzelstaatliche Gesetze wie der kalifornische KI-Transparenzakt ein komplexes Umfeld.

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Bereits im September 2024 öffnete der Europarat den ersten völkerrechtlich bindenden KI-Vertrag zur Unterzeichnung. Er verankert Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit im gesamten KI-Lebenszyklus. Diese parallelen Entwicklungen zeigen die Schwierigkeit eines einheitlichen globalen Abkommens. Können die UN mit ihrem wissenschaftsbasierten Ansatz hier Brücken bauen?

Hoher wirtschaftlicher und politischer Druck

Der Regulierungsdruck speist sich aus der Erkenntnis gewaltiger Risiken – von algorithmischer Diskriminierung bis zur Manipulation von Informationen. Gleichzeitig entsteht ein lukrativer neuer Wirtschaftszweig. Laut einer Gartner-Prognose vom 17. Februar 2026 werden Ausgaben für KI-Governance-Plattformen 2026 rund 492 Millionen Euro erreichen und bis 2030 die Milliardengrenze überschreiten.

Bis Ende des Jahrzehnts werden zersplitterte KI-Regulierungen 75 Prozent der Weltwirtschaft abdecken. Robuste Governance wird damit zum geschäftlichen Imperativ. Politisch erschweren konkurrierende nationale Agenden und der Technologiewettlauf zwischen den USA und China globale Einigung.

Wettlauf zwischen Innovation und Kontrolle

Die internationale Gemeinschaft steht an einem Scheideweg. Das UN-Wissenschaftsgremium und der Globale Dialog verfolgen einen langfristigen, strukturierten Ansatz. Ihr erster Bericht wird die Diskussionen im kommenden Jahr maßgeblich beeinflussen.

Die größte Herausforderung bleibt jedoch die Diskrepanz zwischen Innovationsgeschwindigkeit und multilateralem Regelungstempo. Experten halten ein umfassendes globales KI-Abkommen derzeit für unrealistisch. Schnelleren Fortschritt versprechen fokussierte Bemühungen zu technischen Standards und klaren „roten Linien“ für inakzeptable Risiken. Der Erfolg dieser Governance-Bemühungen wird entscheiden, ob KI die UN-Nachhaltigkeitsziele voranbringt oder bestehende Ungleichheiten verstärkt.