Universal Robots und NVIDIA starten Ära der „Physischen KI“

Universal Robots und NVIDIA demonstrieren autonome Cobots mit KI-Vision. Marktanalysen zeigen, dass KI-Anwendungen in der Industrie 2026 mit über 40% pro Jahr wachsen und das Jahr der Umsetzung einläuten.

Kollaborative Roboter werden lernfähig: In einer gemeinsamen Veranstaltung demonstrierten Universal Robots und NVIDIA, wie große Sprachmodelle und KI-Vision Fabrikroboter zu autonomen Systemen machen. Zeitgleich zeigt ein Marktreport, dass die Industrie 2026 auf Umsetzung setzt.

Die Ära der starren, programmierten Automatisierung geht zu Ende. Das wurde auf einem globalen Webinar am Mittwoch deutlich, bei dem der dänische Cobot-Pionier Universal Robots (UR) und der US-Chipriese NVIDIA die praktische Anwendung von „Physischer KI“ vorführten. Die Technologie ermöglicht es kollaborativen Robotern, ihre physische Umgebung zu verstehen und eigenständig zu handeln – ohne aufwändige Neuprogrammierung.

Vom programmierten Werkzeug zum denkenden Helfer

Der entscheidende Fortschritt: Roboter verlassen ihren engen Handlungsrahmen. Statt bloß Code abzuarbeiten, interpretieren sie nun ihre Umgebung in Echtzeit. Live-Demos mit Partnern wie dem Sensorhersteller SICK und dem Vision-Spezialisten Inbolt zeigten, wie ein Cobot ein ungeordnetes Teile-Behältnis erfassen und den optimalen Greifpunkt selbstständig bestimmen kann.

„Das ist der Schlüssel für die Hochvariante-Fertigung“, erklärt ein Branchenbeobachter. Kleine Losgrößen und ständig wechselnde Aufgaben waren bisher das große Hindernis für die Robotik. NVIDIA’s Rechenplattformen fungieren dabei als „Gehirn“ für UR’s Roboterarme und verleihen ihnen eine neue, menschenähnliche Entscheidungsfähigkeit.

Diese Hardware-Software-Allianz unterstreicht einen Trend: Klassische Hersteller gehen Partnerschaften ein, um mit KI-Native-Konzernen Schritt zu halten.

Marktreport: KI-Anwendungen wachsen um über 40 Prozent

Passend zum Event veröffentlichte die Marktforschungsfirma IoT Analytics am 18. Februar ihren „Industrial Digital Technology Outlook 2026“. Die Daten zeichnen ein klares Bild der Prioritäten.

Der Gesamtmarkt für Industrietechnologie belief sich 2024 auf rund 176,9 Milliarden Euro. Er soll in den nächsten sieben Jahren um jährlich elf Prozent wachsen. Der wahre Treiber ist jedoch die KI: Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz und Advanced Analytics expandieren mit über 40 Prozent pro Jahr. Traditionelle Hardware-Automatisierung kommt dagegen nur auf einstellige Wachstumsraten.

Von 64 identifizierten Schlüsseltechnologien stuft der Report nur 18 als „ausgereift“ ein. Das bedeutet: Die meisten digitalen Werkzeuge – auch viele KI-Lösungen – stecken noch in der Frühphase. Der Hype um Physische KI und autonome Transportroboter wird erst durch eine stabile Basis aus Connectivity und IoT-Hardware möglich.

Rockwell und Symbotic sichern sich die Zukunft

Abseits der KI-Demonstrationen positionieren sich die etablierten Player strategisch neu.

Rockwell Automation (NYSE: ROK) sicherte sich am 17. Februar die Zustimmung der Aktionäre zu einem neuen Aktienoptionsplan. Mit bis zu 10,6 Millionen Aktien will das Unternehmen Top-Ingenieure binden – eine entscheidende Ressource im Wettbewerb mit Tech-Giganten um KI-Talente. Praktisch zeigt Rockwell unterdessen den ROI digitaler Tools: Das Wartungsmanagementsystem Fiix senkte bei einem kanadischen Lebensmittelhersteller die Instandhaltungskosten deutlich.

Das Lagerhaus-Automatisierungsunternehmen Symbotic (NASDAQ: SYM) beeinflusst weiter die Marktstimmung. Analysen dieser Woche heben den gewaltigen Auftragsbestand von 22,3 Milliarden Euro hervor. Dieser belegt die enorme Nachfrage nach durchgängiger Supply-Chain-Automatisierung, trotz der hohen Investitionskosten.

2026: Das Jahr der Umsetzung

Die Ereignisse dieser Woche zeigen die rasante Konvergenz von IT und OT. Die IT-Lösung wird auf dem Fabrikboden physisch greifbar. 2026 entwickelt sich zum Jahr der Implementierung, nach Jahren der theoretischen Diskussion über Generative KI.

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