US Cloud Act: Sieben europäische Alternativen zu Teams und Zoom

Europäische Videodienste wie Nextcloud Talk und OpenTalk gelten als DSGVO-konforme Alternativen zu US-Tools. Schleswig-Holstein migrierte bereits 30.000 Beamte.

Die Debatte um digitale Souveränität und Datenschutz in Europa hat durch aktuelle Einschätzungen von Branchenexperten erneut an Dynamik gewonnen. Im Zentrum der Kritik steht der US Cloud Act, der US-amerikanischen Behörden weitreichende Befugnisse einräumt, auf Nutzerdaten von US-basierten Diensten wie Microsoft Teams oder Zoom zuzugreifen. Dies gilt nach Expertenmeinung auch dann, wenn die Daten physisch auf Servern innerhalb Europas gespeichert werden. Vor diesem Hintergrund rücken europäische Alternativen verstärkt in den Fokus von Unternehmen und öffentlichen Institutionen.

Risiken durch den US Cloud Act und Datenschutzbedenken

Der US Cloud Act verpflichtet US-amerikanische Cloud-Anbieter dazu, den US-Behörden Zugriff auf gespeicherte Daten zu gewähren, unabhängig davon, in welchem Land sich das Rechenzentrum befindet. Diese Regelung kollidiert potenziell mit den strengen Anforderungen der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO).

Da weitverbreitete Videokonferenz-Lösungen wie Microsoft Teams und Zoom unter diese US-Gesetzgebung fallen, sehen Fachleute ein erhebliches Risiko für die Vertraulichkeit europäischer Nutzerdaten.

Anzeige

Die rechtssichere Einbindung von digitalen Tools und die Dokumentation von Datenflüssen stellt viele Betriebe vor große Herausforderungen. Mit dieser kostenlosen Excel-Vorlage und Anleitung erstellen Sie Ihr notwendiges Verarbeitungsverzeichnis zeitsparend und vorschriftsgemäß. Kostenlose Muster-Vorlage und Schritt-für-Schritt-Anleitung jetzt gratis herunterladen

Branchenexperten betonen, dass selbst eine Speicherung innerhalb der Europäischen Union keinen vollständigen Schutz vor dem Zugriff durch US-Organe bietet, solange der Dienstleister seinen Hauptsitz in den Vereinigten Staaten hat. In der Folge wird die Nutzung dieser Dienste insbesondere für sensible Geschäftsbereiche und die öffentliche Verwaltung zunehmend kritisch hinterfragt.

Europäische Lösungen als datenschutzkonforme Ausweichmöglichkeit

Um die Einhaltung der DSGVO zu gewährleisten und die Abhängigkeit von US-Anbietern zu verringern, werden derzeit sieben europäische Alternativen besonders empfohlen. Zu diesen Lösungen gehören Nextcloud Talk, Pexip, OpenTalk, alfaview, Proton Meet, kMeet sowie Inklusiva Call. Diese Anbieter zeichnen sich dadurch aus, dass sie unter europäischer Jurisdiktion stehen und somit nicht den Zugriffspflichten des US Cloud Act unterliegen.

Die empfohlenen Plattformen bieten zudem spezifische Sicherheits- und Funktionsmerkmale. So stellt Proton Meet eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bereit, um die Kommunikation vor unbefugtem Mitlesen zu schützen.

Anzeige

Wer sich mit der Absicherung sensibler Daten und der Vermeidung von Bußgeldern befasst, muss oft komplexe rechtliche Vorgaben in die Praxis umsetzen. Ein spezialisiertes E-Book unterstützt Sie dabei, die erforderliche Datenschutz-Folgenabschätzung rechtssicher und mit fertigen Mustern zu erstellen. Bewährte Checklisten und eine fertige Muster-DSFA – jetzt kostenlos herunterladen und sofort anwenden

Der Dienst Inklusiva Call wird wiederum für seine besondere Barrierefreiheit hervorgehoben, was ihn für den Einsatz in inklusiven Arbeitsumgebungen qualifiziert. Experten unterstreichen, dass diese europäischen Dienste eine vollwertige und datenschutzkonforme Alternative zu den marktbeherrschenden US-Produkten darstellen.

Vorreiterrolle der öffentlichen Verwaltung in Deutschland

Ein prominentes Beispiel für die Abkehr von US-basierten Cloud-Diensten liefert das deutsche Bundesland Schleswig-Holstein. Dort wurde in den vergangenen Monaten eine großflächige Migration durchgeführt, bei der rund 30.000 Beamte von Microsoft-Produkten auf Open-Source-Alternativen umgestellt wurden. Zum Einsatz kommen dabei unter anderem die Videokonferenz-Lösung OpenTalk sowie das Betriebssystem Linux.

Dieser Schritt findet auch überregional große Beachtung. Der zuständige Digitalisierungsminister des Landes, Dirk Schrödter, berichtete von einem hohen Interesse an diesem Projekt. Demnach gehen wöchentlich Anfragen von anderen Städten und Regierungen ein, die sich über die Erfahrungen mit dem Umstieg auf quelloffene und europäische Softwarelösungen informieren möchten.

Die Migration in Schleswig-Holstein gilt als wichtiges Signal für das Bestreben, die digitale Souveränität im öffentlichen Sektor zu stärken und den Datenschutz für staatliche Stellen dauerhaft abzusichern.