US-Datenschützer greifen durch: Broker im Visier der Behörden

Die US-Handelsaufsicht FTC verschärft die Kontrollen und droht 13 Datenbrokern mit hohen Strafen bei Verstößen gegen das Verbot sensibler Datentransfers an ausländische Gegner.

Die US-Handelsaufsicht FTC hat 13 Datenhändler mit drastischen Strafen gedroht – ein Signal für verschärfte Kontrollen an der Schnittstelle von Datenschutz und nationaler Sicherheit. Die Warnschreiben betreffen das Verbot, sensible US-Bürgerdaten an ausländische Gegner wie China oder Russland zu verkaufen. Diese beispiellose Aktion stellt die gesamte, oft intransparente Broker-Branche vor existenzielle Compliance-Herausforderungen.

Scharfe Warnung vor Millionenstrafen

Am 9. Februar versandte die FTC die Schreiben. Sie fordern die Unternehmen auf, ihre Geschäftspraktiken umgehend zu überprüfen. Konkret geht es um das „Protecting Americans‘ Data from Foreign Adversaries Act“ (PADFAA) aus dem Jahr 2024. Das Gesetz verbietet den Transfer von 17 Kategorien sensibler Daten. Dazu zählen Gesundheitsinformationen, Finanzdaten, biometrische Merkmale, präzise Geolokationsdaten und selbst der Status als Angehöriger der US-Streitkräfte.

Bei Verstößen drohen Zivilstrafen von bis zu 53.088 US-Dollar pro Einzelfall. Die Behörde betonte, dass einige der angeschriebenen Broker explizit Dienstleistungen mit Militärangehörigen-Daten anbieten. Für Marktbeobachter ist klar: Die FTC priorisiert PADFAA als neues, scharfes Schwert im regulatorischen Arsenal. Datenschutz wird zunehmend als Sicherheitsfrage interpretiert.

Globaler Kontext: Milliardenstrafen und Mega-Leaks

Die US-Maßnahmen fallen in eine weltweite Woche gravierender Datenskandale. Am 13. Februar bestätigte der niederländische Telekommunikationsanbieter Odido einen Cyberangriff. Dabei wurden Daten von 6,2 Millionen Menschen kompromittiert – wenn auch keine Passwörter oder Finanzdetails.

Einen Tag zuvor verhängte Südkoreas Datenschutzkommission kombinierte Strafen von rund 25 Millionen US-Dollar gegen die lokalen Tochtergesellschaften von Louis Vuitton, Christian Dior und Tiffany. Der Grund: unzureichende Sicherheitsvorkehrungen auf einer genutzten SaaS-Plattform, die zu Datenlecks bei Millionen koreanischer Kunden führten. Die Botschaft der Behörde ist eindeutig: Die Nutzung externer Cloud-Dienste entbindet nicht von der eigenen Verantwortung für den Schutz personenbezogener Daten.

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US-Bundesstaaten treiben eigenen Datenschutz voran

Während auf Bundesebene durchgegriffen wird, schaffen die US-Bundesstaaten weiterhin ihren eigenen, komplexen Flickenteppich an Gesetzen. In Virginia hat der Senat kürzlich ein Gesetz zum Verbot des Verkaufs präziser Geolokationsdaten verabschiedet. Maryland und Oregon haben ähnliche Verbote bereits erlassen.

Seit dem 1. Januar 2026 gelten zudem umfassende neue Datenschutzgesetze in Indiana, Kentucky und Rhode Island. Damit haben nun 20 Bundesstaaten eigene Comprehensive Privacy Laws. Sie gewähren Verbrauchern Rechte auf Auskunft, Berichtigung und Löschung ihrer Daten. Für Unternehmen bedeuten sie neue Pflichten, darunter Datenschutz-Folgenabschätzungen und die Anerkennung von Global-Opt-Out-Mechanismen.

Analyse: Hohes Risiko bei fragmentiertem Rechtsrahmen

Die aktuelle Lage stellt Unternehmen vor eine zweifache Herausforderung: Sie müssen sich in einem fragmentierten US-Rechtsrahmen zurechtfinden, wo Compliance in einem Staat keine für alle gilt. Gleichzeitig müssen sie sich gegen eine globale Bedrohungslage wehren, in der ein einzelnes Sicherheitsversagen zu Millionenstrafen führen kann.

Die jüngsten Strafen in Südkorea unterstreichen einen kritischen Trend: Aufsichtsbehörden halten Unternehmen auch für die Sicherheitsmängel ihrer Dienstleister und Software-Anbieter verantwortlich. Dies erfordert einen ganzheitlichen Ansatz im Datenmanagement. Der unregulierte Handel mit sensiblen Informationen wird nicht länger nur als Privatsphärenverletzung, sondern als potenzielle Gefahr für die nationale Sicherheit betrachtet.

Ausblick: Noch mehr Kontrollen und neue Datenkategorien

Die Intensivierung der Datenschutzlandschaft wird anhalten. Datenbroker und andere Unternehmen mit Datentransfers stehen unter enormem Druck, ihre Praktiken zu überprüfen und strikt mit Gesetzen wie PADFAA konform zu gehen. Weitere Durchsetzungsmaßnahmen der FTC werden allgemein erwartet.

Auch auf Staatsebene ebbt der Gesetzgebungsdrang nicht ab. Der Fokus weitet sich von grundlegenden Privatsphärenrechten auf spezifischere Bereiche aus. Bundesstaaten wie Colorado und Kalifornien haben kürzlich „Neuronendaten“ in ihre Definitionen sensibler personenbezogener Informationen aufgenommen – eine Antizipation des Aufstiegs von Konsumenten-Neurotechnologie. Dieser Trend wird sich fortsetzen und Unternehmen zwingen, sich einem ständig wandelnden Regelwerk anzupassen – solange ein umfassendes Bundesdatenschutzgesetz auf sich warten lässt.