US-Kongress will Sicherheitslücke bei Elektroautos schließen

Ein neuer Gesetzentwurf fordert intuitive manuelle Türöffner für alle E-Autos. Hintergrund ist eine Sicherheitsuntersuchung gegen Tesla und Kritik an versteckten Notgriffen.

Washington – Der US-Kongress greift mit einem neuen Gesetzentwurf direkt in das Design moderner Elektroautos ein. Ziel ist es, eine tödliche Gefahr zu bannen: dass Insassen bei Stromausfall in ihren Fahrzeugen eingeschlossen werden.

Hintergrund ist eine verschärfte Untersuchung der US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA gegen Tesla. Konkret geht es um die Türgriffe. Immer mehr Hersteller ersetzen mechanische Hebel durch elektronische Knöpfe oder flächenbündige Sensoren. Doch was bei intakter Elektronik elegant ist, kann im Notfall zur Falle werden – etwa nach einem Unfall, wenn die Bordspannung ausfällt.

SAFE Exit Act: Klare Vorgaben für Notfall-Öffnungen

Am Dienstag brachte die demokratische Abgeordnete Robin Kelly den „SAFE Exit Act“ ein. Das Gesetz verlangt von allen Autos mit elektronischen Türverriegelungen einen intuitiv bedienbaren, manuellen Notfallmechanismus. Dieser muss für Insassen leicht auffindbar und ohne Werkzeug zu betätigen sein.

„Innovation darf nicht auf Kosten der Insassensicherheit gehen“, betonte Kelly. Ästhetik und Unternehmensgewinne dürften im Notfall nicht über menschlichem Überleben stehen. Der Entwurf gibt der NHTSA zwei Jahre Zeit, verbindliche Vorgaben zu entwickeln. Sie würden mehrere E-Auto-Hersteller zu Nachbesserungen zwingen.

Tesla unter Druck: Versteckter Notgriff in der Kritik

Der politische Vorstoß folgt auf eine bereits laufende NHTSA-Untersuchung. Seit Dezember 2025 prüft die Behörde rund 180.000 Tesla Model 3 aus dem Baujahr 2022. Anlass ist eine Beschwerde: Der mechanische Notfallgriff sei versteckt, unmarkiert und in einer Krise kaum zu bedienen.

Laut Vorwurf müssen Insassen eine Gummimatte entfernen oder einen verdeckten Hebel ertasten – kostbare Sekunden bei Feuer oder Wassereinbruch. In mindestens 15 Todesfällen nach Unfällen sollen Insassen Tesla-Fahrzeuge nicht verlassen haben können, weil die Türen versagten. Die Prüfung könnte zu einem offiziellen Rückruf führen.

Branchenstreit: Design gegen Sicherheitsredundanz

Im Zentrum des Konflikts steht ein grundsätzlicher Zielkonflikt. Hersteller wie Tesla setzen auf minimalistische Innenräume und glatte Außenflächen. Elektronische Türöffner ermöglichen diese Ästhetik. Zwar sind manuelle Notlösungen verbaut, doch Sicherheitsverbände kritisieren sie als nachträglichen Kompromiss.

„Der sofortige Ausstieg ist bei Fahrzeugbränden überlebenswichtig“, sagt Cooper Lohr von Consumer Reports, der das Gesetz unterstützt. Elektronische Griffe versagten oft bei ausgefallener Stromversorgung. Er fordert einen Standard, bei dem die manuelle Öffnung immer und intuitiv funktioniert. Auch China diskutiert bereits ähnliche Regeln.

Nächste Woche entscheidet sich die Richtung

Tesla hat zum Gesetzentwurf noch nicht Stellung bezogen. Das Unternehmen verwies im Dezember auf sein Sicherheitskonzept: Nach schweren Kollisionen sollen Türen automatisch entriegelt und Warnblinker aktiviert werden. Die Aktie des Konzerns verlor dennoch leicht, als die NHTSA-Untersuchung bekannt wurde.

Die Debatte nimmt nächste Woche Fahrt auf. Ein Ausschuss des Repräsentantenhauses berät am 13. Januar über den SAFE Exit Act. Sicherheitsexperten und wohl auch Industrievertreter werden angehört. Analysten sagen: Wird das Gesetz Realität, muss die gesamte E-Auto-Branche umdenken. Versteckte Notgriffe wären dann passé, klar gekennzeichnete Notausstiege Pflicht. Ein Stück Minimalismus würde der Sicherheit weichen – eine evolution, die Befürworter für überfällig halten.