Die US Air Force stellt die Weichen für eine neue Ära der Kriegsführung: Sie will erstmals Kampfdrohnen in Serie kaufen. Ein fast eine Milliarde Euro schwerer Etatposten soll den Startschuss für die Massenproduktion geben. Das Vorhaben kommt zu einem kritischen Zeitpunkt – kurz nach einem schweren Testunfall eines Prototyps.
Vom Labor in die Serienproduktion
Im Haushaltsentwurf für das Fiskaljahr 2027 hat die US-Luftwaffe knapp eine Milliarde Dollar (rund 996,5 Millionen Euro) für die Beschaffung der ersten Serie sogenannter Collaborative Combat Aircraft (CCA) beantragt. Zusätzlich sind 150 Millionen Dollar für Vorbereitungen des Folgejahres eingeplant. Die am 6. bis 9. April 2026 veröffentlichten Dokumente markieren einen Wendepunkt: Das prestigeträchtige „Loyal Wingman“-Programm verlässt die reine Forschungs- und Entwicklungsphase.
Während autonome Systeme im Militär neue Dimensionen erreichen, wachsen auch die digitalen Bedrohungen für Unternehmen im zivilen Sektor stetig. Dieser kostenlose Report klärt auf, welche rechtlichen Pflichten und Bedrohungen Unternehmer jetzt kennen müssen. Neue KI-Gesetze und Cyberrisiken entdecken
Mit dem Geld sollen die ersten 30 Einheiten der „Increment 1“-Plattformen finanziert werden. Das langfristige Ziel ist ehrgeizig: Bis 2029 sollen über 100 dieser autonomen Begleitflugzeuge im Einsatz sein. Insgesamt stehen für das Programm im kommenden Haushaltsjahr 2,37 Milliarden Dollar zur Debatte, inklusive 1,37 Milliarden für weitere Forschung. Eine finale Produktionsentscheidung wird für Ende Sommer 2026 erwartet.
Im Rennen um den Milliardenauftrag liegen aktuell zwei Konzerne vorn: General Atomics mit der YFQ-42A „Dark Merlin“ und Anduril Industries mit der YFQ-44A „Fury“. Beide erhielten 2024 staatliche Fördermittel für Prototypen. Ein dritter Anbieter, Northrop Grumman, entwickelt mit eigenen Mitteln die YF-48A und könnte für spätere Beschaffungswellen ins Spiel kommen.
Rückschlag im Test – Anduril zieht davon
Der Schritt zur Serienproduktion folgt einer intensiven Testphase, die jedoch nicht ohne Pannen verlief. Am 6. April 2026 ereignete sich bei General Atomics in Kalifornien ein schwerer Startunfall mit einer YFQ-42A. Das Unternehmen bestätigte den Vorfall und setzte die Flugtests vorübergehend aus, um die Ursache zu ermitteln. Verletzte gab es nicht.
Währenddessen konnte der Konkurrent Anduril wichtige Meilensteine vorweisen. Bereits im Februar 2026 startete das Unternehmen bewaffnete Flugtests der „Fury“. Die Drohne demonstrierte dabei die Fähigkeit, Luft-Luft-Lenkwaffen des Typs AIM-120 zu tragen. Zudem gelangen Tests, bei denen die Drohne im Flier zwischen verschiedenen Autonomie-Softwaresystemen wechseln konnte. Diese Flexibilität ist der Luftwaffe wichtig, um nicht von einem einzigen Software-Anbieter abhängig zu werden.
Parallel treibt das Militär die Entwicklung spezieller Antriebe für kostengünstige, „verbrauchbare“ Drohnen voran. Am 11. April erhielt Beehive Industries einen 29,7-Millionen-Dollar-Auftrag für die Entwicklung kompakter Strahltriebwerke. Die Modelle „Frenzy 6“ und „Frenzy 8“ sollen bis 2027 in Stückzahlen von bis zu 5.000 pro Jahr produziert werden können.
Autonome Systeme erobern Logistik und Sicherheit
Das CCA-Programm ist nur die Spitze des Eisbergs einer umfassenden Automatisierungsoffensive. Die US-Luftwaffe setzt autonome Systeme zunehmend auch für Logistik und Basisschutz ein.
So vergab U.S. Air Forces Central am 9. April einen 9-Millionen-Dollar-Vertrag an Skydio. Das Unternehmen soll autonome Drohnen-Stationen und X10-Systeme auf Luftwaffenstützpunkten im Nahen Osten installieren. Die Drohnen sollen Sicherheitspatrouillen automatisieren und innerhalb von 20 Sekunden nach Alarm starten, um Echtzeit-Video- und Wärmebilder zu liefern.
Die zunehmende Vernetzung und Automatisierung eröffnet auch im Bereich der Cyberkriminalität neue Einfallstore für Angriffe auf die Infrastruktur. Experten erklären im kostenlosen E-Book, wie Sie Ihre IT-Sicherheit stärken und sich proaktiv absichern, bevor es zu spät ist. Kostenlose Sicherheits-Checkliste für Unternehmen
Auch der unbemannte Lufttransport wird ausgebaut. Bereits im Juni 2025 erhielt Skyways 37 Millionen Dollar, um seine V3-Frachtflugzeuge in die Serienproduktion zu überführen. Diese sollen Nachschub in umkämpften Gebieten transportieren, wo bemannte Flüge zu riskant oder zu teuer wären.
Diese vielen kleineren Projekte verfolgen eine gemeinsam Strategie: „Affordable Mass“ – bezahlbare Masse. Statt auf wenige, teure High-Tech-Jets wie die F-35 zu setzen, will das Militär Gegner mit einer Vielzahl kostengünstiger autonomer Plattformen überwältigen.
Strategischer Hintergrund: Die „Replicator“-Initiative
Der aktuelle Beschaffungsschub ist in der übergeordneten „Replicator“-Initiative des US-Verteidigungsministeriums verwurzelt. Diese wurde im August 2023 angekündigt, mit dem Ziel, bis August 2025 „Tausende“ von autonomen Systemen zu beschaffen, um der Masse potenzieller Gegner etwas entgegenzusetzen.
Evaluierungen Ende 2025 zeigten jedoch: Das Ziel der „mehreren Tausend“ wurde verfehlt, auch wenn Hunderte Systeme ausgeliefert wurden. Als Haupthemmnisse gelten die trägen bürokratischen Prozesse und starren Haushaltszyklen des Pentagons. Als Reaktion darauf wurde im August 2025 eine neue Joint Interagency Task Force (JIATF 401) gegründet, um die Bemühungen besser zu koordinieren.
Im Januar 2026 kündigte diese Task Force die ersten Beschaffungen unter „Replicator 2“ an, die sich speziell auf Abwehrsysteme gegen Drohnen (C-UAS) konzentriert. Diese Schwerpunktverlagerung spiegelt die Lehren aus aktuellen Konflikten wider, in denen kleine, billige Drohnen das Schlachtfeld revolutioniert haben. Um dieses wachsende Ökosystem zu steuern, vergab das Militär einen 20-Milliarden-Dollar-Rahmenvertrag. Ziel ist eine zentrale Kommando- und Kontrollsoftware auf Basis von Andurils „Lattice“-Plattform, die Interoperabilität zwischen allen Teilstreitkräften sicherstellen soll.
Die Zukunft: Integration und nächste Generation
Während die Entscheidung über die erste CCA-Serie ansteht, bereitet die Luftwaffe bereits die nächste Generation vor. Ende 2025 begann die Ausschreibung für CCA Increment 2. Mehr als 20 Anbieter haben Interesse an der Konzeptphase bekundet. Diese zweite Generation soll noch fortschrittlichere Autonomie und möglicherweise neue Aufgabengebiete wie elektronische Kriegsführung oder Aufklärung umfassen.
Damit Piloten die Drohnenschwärme effektiv führen können, wurde im Juni 2025 die Experimental Operations Unit (EOU) auf der Nellis Air Force Base zu einem vollwertigen Geschwader ausgebaut. Diese Einheit entwickelt die Taktiken und Verfahren für die Mensch-Maschine-Teamarbeit. Piloten der F-35 und künftiger Kampfjets trainieren bereits in Simulationen und realen Flugversuchen, wie sie Schwärme von CCAs im Gefecht befehligen.
Das ultimative Ziel bleibt eine Flotte von mindestens 1.000 CCAs. Mit dem Haushaltsantrag für 2027 macht die Luftwaffe klar: Die Ära der wenigen, hochkomplexen Waffensysteme geht zu Ende. Die Zukunft gehört vernetzten, autonomen und bezahlbaren Massen. Der Erfolg hängt nicht nur von der Leistung der Flugkörper ab, sondern auch von der Fähigkeit der Industrie, Triebwerke und Komponenten in einem für die Militärluftfahrt bisher unvorstellbaren Maßstab zu produzieren.





