US-Militär erhält neue Vollmachten gegen Drohnen-Angriffe

Das US-Verteidigungsministerium erweitert die Befugnisse von Kommandeuren, um kritische Anlagen mit proaktiven Maßnahmen gegen Drohnenbedrohungen zu schützen.

Washington D.C. – Die USA rüsten sich mit neuen Regeln für den Kampf gegen feindliche Drohnen im eigenen Land. Eine Direktive des Verteidigungsministeriums gibt Kommandeuren vor Ort mehr Befugnisse und Ressourcen, um kritische Militäranlagen zu schützen. Die Maßnahme reagiert auf die wachsende Bedrohung durch preiswerte und hochfähige unbemannte Flugsysteme.

Vom Zaun zur erweiterten Verteidigungszone

Ein Kernpunkt der neuen Richtlinie ist die Abschaffung der bisherigen „Zaunlinien“-Beschränkung. Kommandeure dürfen jetzt in einem deutlich größeren Gebiet gegen Drohnen vorgehen. Das verschafft mehr strategische Tiefe und Zeit, um Bedrohungen früher zu erkennen und zu reagieren, bevor sie das unmittelbare Gelände erreichen.

Schon die unerlaubte Überwachung einer Anlage gilt nun als Bedrohung. Diese Bewertung kann flexibel anhand der Gesamtumstände getroffen werden – ohne dass ein offen feindseliger Akt abgewartet werden muss. Dieser Wechsel von einer reaktiven zu einer proaktiven Verteidigung ist eine direkte Antwort auf die Nutzung von Drohnen zur Spionage durch Gegner. Die Standortkommandeure haben 60 Tage Zeit, spezifische Betriebsverfahren für ihre Einrichtungen zu erstellen.

Stärkere Zusammenarbeit und private Expertise

Die Direktive setzt auf einen „Whole-of-Government“-Ansatz. Sie stärkt die Partnerschaft zwischen Militär und Strafverfolgungsbehörden wie dem Ministerium für Innere Sicherheit (DHS) und dem Justizministerium (DOJ). Ein nahtloser Austausch von Drohnen-Verfolgungs- und Sensordaten zwischen den Behörden wird autorisiert.

Zudem werden Ressourcenengpässe adressiert: Ausgebildetes und zertifiziertes Vertragspersonal darf nun als C-UAS-Operator eingesetzt werden. So fließt privates Know-how in die nationale Verteidigungsstrategie ein.

Dynamische Anpassung an die Bedrohungslage

Um Schutzmaßnahmen gezielt einzusetzen, wurde der Prozess zur Benennung kritischer Standorte vereinfacht. Die Ministerien der Teilstreitkräfte können nun basierend auf Risikobewertungen „geschützte Einrichtungen oder Anlagen“ identifizieren. Diese Befugnis kann für mehr Effizienz an die Stabschefs delegiert werden.

Dieser risikobasierte Ansatz soll sicherstellen, dass Ressourcen und Befugnisse dynamisch der sich wandelnden Bedrohungslage angepasst werden. Die Richtlinie verpflichtet Militärführer, ihre Schwachstellen aktiv zu bewerten, intensive Übungen durchzuführen und eine robuste Verteidigungsposition aufzubauen.

Reaktion auf eine akute Gefahr

Die Aktualisierung der Richtlinie spiegelt einen wachsenden Konsens wider: Die Bedrohung durch kommerziell erhältliche Drohnen ist kein Zukunftsproblem mehr, sondern eine akute und eskalierende Gefahr. Die Politik verschiebt sich vom reinen Objektschutz hin zu einem breiteren, integrierten Sicherheitsmodell.

Indem lokale Kommandeure gestärkt und die Zusammenarbeit mit DHS und DOJ vertieft wird, strebt die US-Regierung eine einheitlichere und widerstandsfähigere nationale Drohnenabwehr-Strategie an. Die Umsetzung in den kommenden Monaten wird ein entscheidender Test für diese angepasste Verteidigungsstrategie sein.