Die US-Regierung hat alle Bundesbehörden angewiesen, die KI-Technologie des Unternehmens Anthropic sofort auszusetzen. Der Grund ist ein unüberbrückbarer Konflikt über ethische Grenzen für militärische Nutzung. Dieses radikale Verbot markiert eine Zeitenwende in der Digitalisierung der US-Verwaltung.
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Streit um „unbeschränkten Zugriff“ eskaliert
Auslöser war eine Grundsatzdebatte über Nutzungsbedingungen. Das Pentagon forderte unbeschränkten Zugriff auf Anthropics KI-Modelle wie Claude – auch für Kampfeinsätze und Aufklärung. Das Unternehmen weigerte sich, seine internen Sicherheitsvorkehrungen aufzuheben. Diese verbieten ausdrücklich den Einsatz für heimische Massenüberwachung und vollautonome Waffensysteme.
Nach dem Scheitern der Verhandlungen am 27. Februar erließ die Regierung ein umfassendes Nutzungsverbot. Bundesbehörden müssen die Software innerhalb von sechs Monaten aus ihren Netzen entfernen. Das Verteidigungsministerium stufte Anthropic zudem als Risiko für die nationale Sicherheit ein. Diese Einstufung führt zu einem faktischen Ausschluss von Militärnetzwerken und verbietet Bundesauftragnehmern Geschäfte mit der Firma.
„Das Militär kann sich nicht den ideologischen Vorlieben oder Geschäftsbedingungen privater Tech-Firmen unterwerfen“, argumentierten Regierungsvertreter. Anthropic hielt dagegen, seine restriktiven Richtlinien hätten bisher keine legitimen Regierungsaufträge behindert.
Rivalen rücken nach – OpenAI und xAI profitieren
Das plötzliche Vakuum zwingt zu einer schnellen Neuordnung. Die Regierung konzentriert ihre Beschaffung nun auf konforme Alternativen.
Bereits Stunden nach dem Verbot bestätigte OpenAI eine neue Vereinbarung zur Lieferung von Technologie für geheime Militärnetze. Damit springt der Konkurrent in die entstandene Lücke. Ebenfalls in dieser Woche erhielt Elon Musks xAI die Freigabe für den Einsatz in geheimen Regierungsbereichen. Branchenberichten zufolge haben auch Google, OpenAI und xAI Verträge mit dem Pentagon, indem sie einen breiten rechtmäßigen Einsatz ihrer Tools zulassen.
Interessanterweise hat OpenAI ähnliche interne Grenzen wie Anthropic, was autonome Waffen betrifft. Das Unternehmen konnte jedoch einen Rahmen aushandeln, der die Beschaffungsanforderungen des Militärs erfüllt, ohne diese Prinzipien offenbar aufzugeben. Dieser schnelle Anbieterwechsel unterstreicht die immense Marktmacht der US-Regierung als Treiber der Digitalisierung.
„Tech Corps“: Export der US-Technologiepolitik
Jenseits des Beschaffungsstreits richtet sich der Fokus zunehmend auf die internationale Bühne. In der Woche ab dem 23. Februar startete das Weiße Haus Initiativen, um heimische Technologiestandards bei Verbündeten zu etablieren.
Auf dem India AI Impact Summit stellte das Wissenschaftsbüro der Regierung Pläne für einen exportfähigen „American Technology Stack“ vor. Kernstück ist die neue Initiative „Tech Corps“. Ähnlich dem Friedenskorps entsendet sie US-Technikexperten in ausländische Ministerien, um Partner bei der finalen KI-Einführung in Schlüsselsektoren wie Gesundheitswesen und Betrugserkennung zu unterstützen.
Diese internationale Offensive ist Teil der Strategie, den globalen Einfluss US-amerikanischer Plattformen auszubauen – und dabei zentralisierte globale Governance-Modelle explizit abzulehnen. Die Regierung betont, dass heimische Technologien als Standard für internationale Projekte langfristige geopolitische Vorteile sichern.
Gesetzesinitiative soll KI-Innovation beschleunigen
Parallel dazu treiben Abgeordnete beider Parteien die Regulierung voran. Am 26. Februar brachten sie den „Future of AI Innovation Act“ wieder ein. Das Gesetz soll einheitliche Standards für Forschung, Entwicklung und staatliche Beschaffung schaffen.
Der Entwurf sieht die Einrichtung eines Zentrums für KI-Standards und Innovation beim nationalen Institut für Standards und Technologie vor. Ziel sind verbindliche öffentlich-private Partnerschaften und freiwillige Testmetriken. Befürworter argumentieren, dass nur klare staatliche Standards sichere und schnelle Innovation ermöglichen.
Die überarbeitete Fassung von 2026 spiegelt die Prioritäten der Regierung wider: Sie schafft ein berechenbares regulatorisches Umfeld, das schnelle Innovation und Wettbewerbsfähigkeit über restriktive Compliance-Auflagen stellt.
Branche vor fundamentaler Weichenstellung
Die Ereignisse Ende Februar 2026 haben tiefgreifende Konsequenzen für die gesamte Tech-Branche. Der Konflikt setzt einen klaren Präzedenzfall: Die US-Regierung, insbesondere der Verteidigungssektor, erwartet bei lukrativen Verträgen uneingeschränkten Zugriff auf KI-Grundmodelle.
Bürgerrechtsorganisationen wie das Center for Democracy and Technology warnen, dass die Ächtung von Firmen aufgrund ethischer Standpunkte privates Engagement abschrecken könnte. Analysten sehen Softwareentwickler in einem Dilemma: Halten sie an ihren Sicherheitsprinzipien fest oder sichern sie sich den Zugang zu milliardenschweren Staatsaufträgen?
Die Integration kommerzieller KI in geheime Militärnetze verwischt zudem die Grenze zwischen ziviler Software und Verteidigungstechnologie. Der Markt für staatstaugliche Lösungen dürfte sich auf wenige große Player konzentrieren, die bereit sind, die strengen Anforderungen der Regierung zu erfüllen.
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Ausblick: Gerichtsstreit und globale Folgen
Die sechsmonatige Übergangsfrist zwingt IT-Abteilungen zu komplexen Datenmigrationen unter Zeitdruck. Behörden müssen automatisierte Arbeitsabläufe rasch auf genehmigte Alternativplattformen umstellen – ein Stresstest für die digitale Infrastruktur der Regierung.
Der auf die schwarze Liste gesetzte Anbieter Anthropic kündigte an, die Einstufung als Sicherheitsrisiko vor Bundesgericht anzufechten. Juristen erwarten einen Grundsatzstreit über die Grenzen exekutiver Macht in der Technologiebeschaffung.
International wird der Export des US-Technologie-Stacks und der „Tech Corps“ die Abhängigkeit anderer Länder von amerikanischer Cloud-Infrastruktur erhöhen. Wo die Bundesregierung ihre Marktmacht nutzt, um Unternehmensverhalten zu steuern, bleibt die Schnittstelle von Digitalisierung, Ethik und nationaler Sicherheit ein zentraler Konfliktherd.





