Bei den US-Halbzeitwahlen am 3. November 2026 haben die Stimmberechtigten in zehn Bundesstaaten ein deutliches Signal gegen den massiven Ausbau von Rechenzentren gesetzt. Landesweit standen 41 Abstimmungen über derartige Infrastrukturvorhaben auf den Stimmzetteln.
Die Wähler sprachen sich dabei in nahezu sämtlichen Fällen gegen neue Datenzentren oder für strenge Regulierungen aus. Die einzige Ausnahme bildete die Kleinstadt Harwood in North Dakota mit 800 Einwohnern, in der eine Charter-Änderung für zusätzliche Prüfungen mit drei Vierteln der Stimmen abgelehnt wurde.
Die Palette der Initiativen umfasste strikte Verbote, temporäre Moratorien, Obergrenzen für den Energieverbrauch sowie verbindliche Mitspracherechte der Bevölkerung vor einem Baubeginn.
Breite Ablehnung in den Kommunen
Ein geografischer Schwerpunkt des Protests lag im Bundesstaat Ohio, wo in 18 Gemeinden über insgesamt 21 Einzelmaßnahmen abgestimmt wurde. In Trenton stimmten die Bürger mit 80 Prozent zu 20 Prozent für ein Verbot, das einen geplanten Campus von Amazon Web Services mit 18 Gebäuden betrifft.
In Wilmington votierten rund 80 Prozent gegen vier geplante Umwidmungen, während in Perry über 87 Prozent der Wähler finanzielle Garantien bei der Vergabe von Steuervergünstigungen verlangten.
In Sunbury verabschiedete die Bevölkerung eine Charter-Änderung, die Datenzentren mit einer Leistung ab 25 Megawatt untersagt und sich gegen ein potenzielles Hyperscale-Projekt von Amazon richtet. Urbana und Hubbard beschlossen Verbote mit Mehrheiten von 76 beziehungsweise 77 Prozent.
In Ashville verwarfen die Wähler die Resolution 06-2026, die ein EdgeConneX-Projekt mit zwei Gebäuden und einem 800-Megawatt-Gaskraftwerk vorsah; das Ohio Power Siting Board entscheidet hierzu voraussichtlich am 22. November 2026.
Ähnliche Ergebnisse verzeichneten Kommunen in anderen Teilen des Landes. In Kansas wurden alle drei Vorlagen angenommen: El Dorado verhängte ein 10-Jahres-Verbot für Anlagen mit über 10 Megawatt Spitzenlast mit 2.965 zu 1.183 Stimmen, während in Emporia (4.346 zu 2.891 Stimmen) und Ottawa (etwa 2.882 zu 1.129 Stimmen) ebenfalls Verbote durchgesetzt wurden.
Die Gemeinde Wells in Maine beschloss ein auf Mitte Juni 2026 rückdatiertes 180-Tage-Moratorium. In Illinois sprachen sich im Joliet Township fast 80 Prozent für Beschränkungen aus, und in Janesville im Bundesstaat Wisconsin forderten über 60 Prozent der Abstimmenden eine obligatorische Wählerzustimmung für künftige Vorhaben auf einem ehemaligen Gelände von General Motors. In Florida billigte Edgewater ein Verbot direkt in der Stadtcharta.
Wachsender Gegenwind für die Tech-Branche
Nachwahlerhebungen verdeutlichen, dass der Ausbau der Rechenkapazitäten zu einem wahlentscheidenden Thema angewachsen ist. Laut einer Erhebung von NBC News bezeichneten 56 Prozent der Wähler das Thema Künstliche Intelligenz und Datenzentren als entscheidenden oder wichtigen Faktor für ihr Stimmverhalten bei den Kongresswahlen.
Zudem vertraten 57 Prozent die Auffassung, KI schade der Gesellschaft mehr, während lediglich 24 Prozent einen überwiegenden Nutzen sahen. Eine Befragung von CNBC kam ebenfalls auf 56 Prozent der Wähler, die Datenzentren als entscheidend oder wichtig einstuften.
Der lokale Widerstand hat für die Betreiber bereits spürbare Folgen. Daten von S&P Global zeigen, dass landesweit bis Anfang August über 145 Rechenzentrumsprojekte verzögert oder ganz abgesagt wurden, größtenteils aufgrund von öffentlichem Protest.
Banken und Vermögensverwalter stufen diesen kommunalen Gegenwind inzwischen als handfestes Kreditrisiko ein. Brad Carson von der Organisation Americans for Responsible Innovation stufte die Wahlergebnisse zusammenfassend als ein Erdbeben für die KI-Branche ein.

