US-Wahl und ChatGPT: Gefälschte Wahlkampfseiten beeinflussen KI-Antworten

Untersuchungen zeigen erfundene Wahlrennen, fehlerhafte Bezirksangaben und häufige Verweise auf parteiische Scheinportale.

•

Führende Sprachmodelle wie ChatGPT und Gemini haben sich im Vorfeld der US-Zwischenwahlen anfällig für gezielte Manipulationen durch manipulierte Internetseiten gezeigt.

Nach Erkenntnissen des unabhängigen Forschungsprojekts Caucus AI vom 3. November 2026 gelang es Dritten, gefälschte Wahlkampf-Websites aufzusetzen, die von den Chatbots erfasst wurden und deren Antworten direkt beeinflussten. In mehreren Fällen verwiesen die Systeme dabei sogar auf vollständig erfundene Wahlrennen.

Wie Berichte vom 4. November 2026 über die Untersuchung verdeutlichen, reiht sich der Befund in eine Serie von Falschdarstellungen ein, die automatisierte Auskunftssysteme im politischen Kontext liefern.

Auch die Washington Post untersuchte im Rahmen von Analysen sechs populäre Chatbots anhand von Wählerleitfäden für Adressen aus allen Countys der Vereinigten Staaten. Dabei zeigte sich laut einem Bericht vom 3. November 2026, dass die Systeme nicht existierende Rennen erfanden, Kandidaten verwechselten und junge Websites mit fehlerhaften, mutmaßlich KI-erzeugten Inhalten zitierten.

Erhebliche Fehlerquoten bei wahlbezogenen Anfragen

Eine Auswertung der Washington Post über 3.000 KI-generierte Wählerleitfäden offenbarte weitreichende Defizite. Die Chatbots brachten demnach fiktive Senatsrennen wie ein angebliches Rennen in Missouri für das Jahr 2026 hervor und ordneten Bewerber fehlerhaft zu.

In 48 Prozent der Fälle waren die getesteten Modelle nicht in der Lage, den zuständigen Kongressbezirk anhand einer exakten Adresse zu bestimmen. Von den dennoch zugeordneten Antworten erwiesen sich 22 Prozent als falsch.

Nach Angaben der Organisation Forum AI wiesen fast 40 Prozent der untersuchten Chatbot-Antworten zu den Zwischenwahlen mindestens einen Sachfehler auf. So nannte Google Gemini ein unzutreffendes Datum für die Briefwahl-Frist in Pennsylvania anstelle des korrekten Stichtags am 27. Oktober. Das Modell Claude des Anbieters Anthropic verwechselte den Kongressabgeordneten Don Davis aus North Carolina mit einem früheren Schulaufsichtsbeamten.

Anzeige

Wer sich mit der Zuverlässigkeit von Sprachmodellen und den rechtlichen Rahmenbedingungen für Künstliche Intelligenz befasst, benötigt eine klare Orientierung. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden bietet einen kompakten Überblick über alle Anforderungen, Pflichten und Fristen der neuen EU-KI-Verordnung. EU AI Act in 5 Schritten verstehen

Verbreitung parteiischer Scheinportale

Ein wesentlicher Treiber fehlerhafter Antworten ist die Einbindung von sogenannten Pink-Slime-Seiten, die den Anschein lokaler Nachrichtenportale erwecken.

Laut einer Untersuchung von NewsGuard zitierten etablierte Chatbots derartige parteiische Angebote in fast 50 Prozent der Antworten zu Kandidaten und politischen Sachthemen. Bei ChatGPT lag dieser Anteil bei über 70 Prozent der Suchanfragen, während Grok in 30 Prozent der Fälle auf solche Quellen zurückgriff.

Bereits im Jahr 2022 hatte das Tow Center der Columbia University landesweit 1.200 dieser gefälschten Lokalnachrichten-Angebote identifiziert, deren Zahl echte Lokalzeitungen mittlerweile übersteigt. ChatGPT zitierte unter anderem eine Seite namens Kalamazoo Beacon, auf der lediglich 16 Artikel über den demokratischen Politiker Sean McCann erschienen waren.

Frühere Erhebungen von NPR ergaben, dass entsprechende Aktivitäten auf republikanischer Seite diejenigen der Demokraten im Verhältnis von etwa zehn zu eins übertreffen. Die Betreiber der neueren Plattformen bleiben unklar; das Democratic Congressional Campaign Committee dementierte eine Beteiligung.

Anzeige

Die Verbreitung von Falschinformationen durch KI-Systeme verdeutlicht die Notwendigkeit klarer Dokumentationspflichten für Entwickler und Anwender. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, welche KI-Systeme als Hochrisiko eingestuft werden und was Unternehmen jetzt konkret tun müssen. Kostenlosen Report zu Risikoklassen anfordern

Wachsende Nutzung digitaler Ratgeber

Trotz der Risiken stützen sich Teile der Bevölkerung auf die Auskünfte generativer Systeme. In einer Umfrage von Pew Research, die im Zeitraum vom 12. bis zum 18. Oktober 2026 unter 5.273 US-Erwachsenen durchgeführt wurde, gaben 8 Prozent an, KI-Chatbots für Informationen zu den Zwischenwahlen genutzt zu haben. Rund 50 Prozent der Gesamtstichprobe hatten bereits Erfahrungen mit Chatbots gesammelt.

Unter den Nutzern politischer Auskünfte konsultierten 76 Prozent die Werkzeuge zu Positionen der Kandidaten, 71 Prozent zur Überprüfung von Behauptungen, 65 Prozent für Hintergrundinformationen und 40 Prozent für wahlrechtliche Logistikfragen wie Registrierung oder Wahllokale. Laut einer Erhebung der National Conference on Citizenship nutzten zwei von fünf US-Bürgern KI für Wahlinformationen.

Zudem zeigte eine IFPG-Studie vom 3. November 2026, dass vier von fünf getesteten Chatbots – Meta AI, Claude, Grok und ChatGPT – bei entsprechenden Rollenanweisungen konkrete Kandidatenlisten ausgaben, während einzig Gemini diese Ausgabe verweigerte.

Medienbeobachter wie Louisville Public Media stuften die Chatbots vor diesem Hintergrund als Akteure ein, die sich mitunter wie politische Berater verhalten. Es wird daher angeraten, Chatbot-Angaben grundsätzlich als unbestätigt zu behandeln und stets mit den Daten staatlicher Wahlbehörden abzugleichen.