US-Zwischenwahlen: 220 KI-Werbeanzeigen erreichen 137 Millionen Dollar

Vier demokratische Abgeordnete verlangen strengere Maßnahmen gegen falsche Wahlinformationen und eine Kennzeichnung KI-generierter Inhalte.

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Führende Vertreter des US-Kongresses schlagen Alarm wegen des Umgangs der Technologiebranche mit Desinformation und generativer Künstlicher Intelligenz.

In einem gemeinsamen Schreiben an die Vorstandschefs von 25 Technologieunternehmen haben die US-Senatoren Mark Warner und Alex Padilla sowie die Abgeordneten Jim Himes und Joe Morelle vor spürbaren Rückschritten bei den Sicherheitsvorkehrungen für die anstehenden Kongresswahlen gewarnt. Zu den Empfängern des Schreibens zählen unter anderem Adobe, Alphabet, Anthropic, Meta, Microsoft, OpenAI, TikTok US und Truth Social.

Schärfere Maßnahmen gegen falsche Wahlinformationen gefordert

Die demokratischen Gesetzgeber forderten die Konzernführungen auf, nachweislich falsche Angaben zu zentralen Wahlprozessen konsequent zu entfernen. Dies betreffe insbesondere irreführende Angaben zu Registrierungsfristen, Wahllokalen, Ausweispflichten sowie den Regelungen zur Briefwahl.

Zudem verlangten Warner, Padilla, Himes und Morelle wirksame Werkzeuge für Wahlbeamte, die Einbindung unabhängiger Faktenprüfer, den Rückgriff auf offizielle Quellen aus den Wahlbehörden sowie eine verpflichtende Kennzeichnung von KI-Inhalten. Nutzer sollten zudem nachträglich benachrichtigt werden, wenn sich konsumierte Beiträge im Nachhinein als Fälschung herausstellen.

Anlass für die Intervention seien Rückschritte bei früheren Selbstverpflichtungen der Branche. Die Abgeordneten kritisierten, dass Plattformen russische Desinformationskampagnen trotz klarer Verstöße gegen die Nutzungsbedingungen nicht durchgängig sperrten. Zudem bemängelten sie unzureichende Richtlinien zur Faktenprüfung und verwiesen auf Aussagen eines US-Beamten, wonach Russland und China KI verstärkt für verdeckte Einflussoperationen nutzten.

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Fehleranfällige Chatbots und wachsende Anzeigenflut

Besondere Sorge bereitet den Politikern die Zuverlässigkeit moderner KI-Systeme. Eine Untersuchung des Institute for Strategic Dialogue aus dem September dokumentierte erhebliche Schwächen bei wahlbezogenen Auskünften: So nannte Metas System Muse Spark fälschlicherweise den 4. November als Termin für die Zwischenwahlen.

Die Warnung fällt in eine Phase massiv steigender Ausgaben für KI-Inhalte im US-Wahlkampf. Nach Erhebungen des Wesleyan Media Project vom 19. Oktober 2026 zirkulierten im Vorfeld des Wahltags am 3. November 2026 mindestens 220 KI-generierte politische Werbeanzeigen mit einem Gesamtvolumen von 137 Millionen US-Dollar.

Im Präsidentschaftswahlkampf 2024 hatte diese Summe noch bei 50.000 US-Dollar gelegen. Rund 81 Prozent dieser Anzeigen und 88 Prozent der Ausgaben entfielen auf die Republikaner beziehungsweise ihnen nahestehende Interessengruppen, während 12 Prozent der Anzeigen von den Demokraten stammten.

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Da KI-gestützte Produktionen schätzungsweise nur zehn Prozent herkömmlicher Werbespots kosten, verschärft sich der Veröffentlichungsdruck im Netz erheblich.

Parallel geraten die Moderationssysteme großer Konzerne unter Druck. Metas unabhängiges Oversight Board stellte wiederkehrende Durchsetzungsfehler bei Urnengängen in den USA und Brasilien fest. Dabei seien technische Sperren unzureichend intern eskaliert worden, anstatt vor automatisierten Eingriffen eine menschliche Prüfung vorzuschalten.