US-Zwischenwahlen: Mehr als ein Drittel der KI-Antworten ist mangelhaft

Mehr als ein Drittel der untersuchten Chatbot-Antworten war schädlich oder unvollständig; KI-Werbung bleibt oft ungekennzeichnet.

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Im Vorfeld der US-Zwischenwahlen wächst die Besorgnis über die Zuverlässigkeit automatisierter Wahlinformationen. Eine Analyse zeigt, dass mehr als ein Drittel der Antworten von KI-Chatbots auf Fragen von Wählerinnen und Wählern schädlich oder unvollständig ausgefallen sind. Die Quote stützt sich auf eine Untersuchung aus dem Jahr 2024, auf die sich die US-Abgeordneten Josh Gottheimer und Mike Lawler im Juli beriefen.

Skepsis der Wählerschaft und neue Wahlkampfthemen

Trotz des wachsenden Angebots greift bislang nur ein kleiner Teil der Wählerschaft auf die Technologie zurück. Laut einer Umfrage des Rainey Center vom Juni nutzten 9 % der Wähler künstliche Intelligenz, um sich über politische Themen zu informieren. Gleichzeitig bewerteten laut einer jüngsten Umfrage lediglich 26 % der Befragten den Einsatz von KI positiv.

Nach Einschätzung von Doug Levin prägen vor allem drei KI-bezogene Bereiche die US-Zwischenwahlen: die Information der Wählerschaft, die Wahlkampffinanzierung sowie regulatorische Fragen. Ergänzend entwickeln sich auch der Bau von Datenzentren, deren hoher Strombedarf und Maßnahmen zur Überwachung zu relevanten Wahlkampfthemen.

Zugleich investiert die Branche beträchtliche Mittel in politische Interessenvertretung. Laut einem Bericht der Washington Post gaben KI-Unternehmen über 185 Mio. US-Dollar aus, um Einfluss auf die Zwischenwahlen sowie auf anstehende Regulierungsentscheidungen zu nehmen.

Widersprüche bei behördlichen Auskunftssystemen

Wie heikel der Einsatz von Sprachmodellen bei politischen Themen ist, verdeutlichten jüngste Vorfälle rund um den neuen America.gov-Chatbot. Das System erklärte an einem Dienstag zunächst unter Berufung auf offizielle Bundesbewertungen, es habe bei der US-Wahl 2020 keinen Wahlbetrug in einem Ausmaß gegeben, das das Gesamtergebnis verändert hätte, und bestätigte Joe Biden als Sieger.

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Zudem widersprach der Chatbot unter Verweis auf Zahlen des Bureau of Labor Statistics der Behauptung von Donald Trump, die Vereinigten Staaten hätten unter Biden die höchste Inflation aller Zeiten erlebt.

Laut dem Digital Democracy Institute of the Americas lieferte die Anwendung am ersten Tag noch faktenbasierte Antworten zu Einwanderung und Wahlen. Am darauffolgenden Mittwoch verweigerte der Bot dieselbe Frage mit der Begründung, keine politische Analyse vergangener Urnengänge abzugeben.

Ein Sprecher des Weißen Hauses nannte gegenüber AFP keinen Grund für die vorgenommene Änderung. Don Moynihan kritisierte, dass America.gov behördliche Antworten zwar mithilfe von Grok und Gemini bündele, vorerst jedoch lediglich Such- und Lernaufwand senke und bürokratische Hürden nicht abbaue.

Moynihan stufte die Auskünfte zwar zunächst als meist zuverlässig ein, betonte jedoch, dass deren Exaktheit von den zugrunde liegenden Behördendaten abhängt. Die Plattform ist zudem nicht an Login.gov angebunden und kann weder Anträge abschließen noch Ansprüche prüfen.

Unregulierte Wahlwerbung und Debatte um Robocalls

Parallel zur direkten Wählerbefragung gewinnt generative KI im Werbesektor an Gewicht. Nach Daten des Wesleyan Media Project wurden im US-Zwischenwahlkampf 2026 mehr als 80 Mio. US-Dollar für über 164 KI-generierte Werbeanzeigen aufgewendet. Rund 80 % dieser Ausgaben entfielen auf republikanische Kandidaten und deren Unterstützer.

Auffällig ist die mangelnde Transparenz: 69 % der erfassten Anzeigen wiesen keinen Hinweis auf den Einsatz von KI auf und machten 78 % der Ausgaben aus. Während bereits 31 Bundesstaaten eine Kennzeichnung vorschreiben, existiert vor dem Wahltag am 3. November 2026 weiterhin keine bundesweite Regelung.

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Für zusätzliche Kontroversen sorgt ein Vorstoß der konservativen Gruppe Club for Growth. Die Organisation beantragte bei der Aufsichtsbehörde FCC eine Ausnahme vom bestehenden Verbot unerbetener automatisierter Anrufe, um politischen Gruppen künftig Mobilfunk-Robocalls mit KI- oder aufgezeichneten Stimmen zu erlauben.

Stellungnahmen dazu sind bis zum 19. Oktober möglich; eine behördliche Entscheidung könnte Ende Oktober fallen. Vorgesehen wären im Genehmigungsfall höchstens drei Anrufe pro Empfänger innerhalb von 30 Tagen sowie eine Abmeldemöglichkeit.

FCC-Kommissarin Anna Gomez warnte vor den Risiken eines solchen Schritts und brachte die Gefahr einer Welle irreführender Anrufe und Falschinformationen zur Sprache.