Die Kommunikation über den Messenger-Dienst WhatsApp erfährt derzeit einen grundlegenden Wandel. Mit der Einführung von eindeutigen Benutzernamen ermöglicht das zum Meta-Konzern gehörende Unternehmen eine Interaktion, die ohne die Preisgabe der privaten Telefonnummer auskommt.
Während dieser Schritt von Befürwortern als Gewinn für die Privatsphäre gewertet wird, äußern Sicherheitsbehörden und Experten weltweit Bedenken hinsichtlich neuer Betrugsszenarien und regulatorischer Herausforderungen.
Technischer Rahmen und Implementierung der Identitätsmerkmale
Seit Ende Juni 2026 rollt Meta das Username-Feature sukzessive aus. Ziel der Initiative ist es laut der WhatsApp-Produktchefin Alice Newton-Rex, den weltweit rund 3 Milliarden Nutzern mehr Kontrolle über ihre persönlichen Daten zu geben.
Die Vergabe der Namen folgt dem Prinzip „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“. Nutzer können die Kennung ausschließlich über die App-Einstellungen reservieren; eine Einrichtung über die Desktop- oder Web-Version ist nicht vorgesehen.
Die technischen Spezifikationen für die neuen @Handles sind eng gefasst. Ein Username muss zwischen 3 und 35 Zeichen lang sein, mit einem Buchstaben beginnen und mindestens einen Buchstaben enthalten. Rein numerische Kombinationen oder die Verwendung von Symbolen sind ebenso untersagt wie Namen, die mit „www“ beginnen oder auf gängige Domain-Endungen schließen.
Um die Auffindbarkeit einzuschränken, verzichtet WhatsApp auf eine öffentliche Suchfunktion. Für eine Kontaktaufnahme ist die Kenntnis des exakten Usernames oder ein entsprechender Direktlink erforderlich. Bestehende Kontakte, die bereits über die Telefonnummer des Gegenübers verfügen, behalten Zugriff auf diese Information.
Sicherheitsbedenken und internationale regulatorische Hürden
Trotz der angekündigten Vorteile stößt das Feature auf Widerstand. Der ehemalige Detektiv Rav Wilding warnte in einem Fachbeitrag vor den Gefahren der Identitätsanmaßung (Impersonation). Scammer könnten durch die Verwendung optisch ähnlicher Zeichen, wie etwa Unterstrichen oder dem Austausch des Buchstabens „I“ durch die Ziffer „1“, gefälschte Identitäten erschaffen.
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Auch die Expertin Carisa Veliz von der Universität Oxford gab zu bedenken, dass das Feature zwar die Privatsphäre gegenüber anderen Nutzern stärke, WhatsApp jedoch weiterhin umfangreiche Metadaten für Marketingzwecke sammle.
Besonders deutlich zeigt sich der Widerstand auf staatlicher Ebene:
- Indien: Das dortige IT-Ministerium prüft derzeit die Stellungnahme von WhatsApp zu den Sicherheitsvorkehrungen. Die Regierung hatte den Rollout zuvor gestoppt, da sie einen massiven Anstieg von Phishing und sogenannten „Digital Arrest“-Betrugsfällen befürchtete.
- Somalia: Kommunikationsminister Ahmed Osman Dirie warnte vor den Risiken im nationalen Finanzsystem, das stark auf Mobile-Money-Transaktionen basiert. Er ordnete die Usernames als schwer rückverfolgbar ein, was Finanzmissbrauch begünstigen könne. Bereits im Jahr 2024 meldete der somalische Geheimdienst die Abschaltung zahlreicher WhatsApp-Gruppen und Telefonnummern der Al-Shabab-Rebellen, die den Dienst für Erpressung und Propaganda nutzten.
- Kenia: Der Sicherheitsexperte George Musamali wies darauf hin, dass Angreifer ihre Identität hinter den Usernames verschleiern könnten.
Risiken für Unternehmen und Markenschutz
Neben staatlichen Akteuren schlagen auch Spezialisten für geistiges Eigentum Alarm. Die Kanzlei Plasseraud IP wies auf die Gefahr hin, dass Dritte die Namen von Marken, Unternehmen oder Führungskräften imitieren könnten. Zwar hat WhatsApp Mechanismen angekündigt, um Namen für hochrangige Amtsträger, Prominente und Regierungsstellen zu reservieren, doch ein vollständiger Schutz vor Cybersquatting könne nicht garantiert werden.
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Unternehmen wird daher empfohlen, die Verfügbarkeit eigener Markennamen frühzeitig zu prüfen und diese gegebenenfalls zu sichern. Organisationen und kleine sowie mittlere Unternehmen (KMU) haben dabei die Möglichkeit, bestehende Usernames von Instagram oder Facebook zu beanspruchen. WhatsApp plant, das Feature bis Ende 2026 vollständig operativ zur Verfügung zu stellen, wobei Nutzer bei der Aktivierung in ihrem Account benachrichtigt werden.

