Die Connectivity Standards Alliance (CSA) hat vor potenziellen Interferenzen gewarnt, die den globalen Standard für digitale Schlüssel beeinträchtigen könnten. Im Zentrum der Bedenken steht der Ultra-Wideband-Kanal 9 (UWB), der im Frequenzbereich von 7,7 bis 8,3 GHz operiert.
Dieser Bereich wird derzeit von der Weltfunkkonferenz (WRC-27) im Rahmen der Agenda 1.7 als möglicher Bestandteil für künftige 6G-Mobilfunknetze (IMT) im Spektrum von 7,125 bis 8,400 MHz geprüft. Damit könnten digitale Schließsysteme, wie sie in Apple Wallets oder für moderne Fahrzeuge genutzt werden, künftig mit Mobilfunkmasten um Frequenzen konkurrieren.
Hohe Marktdurchdringung und Sicherheitsrelevanz
Laut Berichten von Mitte September 2026 nutzen bereits über 1 Mrd. Geräte den UWB-Kanal 9. Es handelt sich dabei um den einzigen bisher global harmonisierten Kanal für diese Technologie.
Die CSA betonte jedoch, dass aktuell keine akute Gefahr bestehe und noch keine endgültigen Entscheidungen über die Frequenzzuteilung getroffen wurden. Dennoch ist die Tragweite erheblich, da UWB in Smart Buildings und im Automobilsektor eine Schlüsselrolle einnimmt.
Im Vergleich zu anderen Technologien bietet UWB eine besonders präzise Distanzmessung. Dies ist entscheidend, um sogenannte Relay-Attacken zu verhindern, bei denen Funksignale unbefugt verlängert werden, um Türen zu öffnen.
Alternative Technologien wie Bluetooth Channel Sounding, das auf Time-of-Flight und Phasenmessung basiert, gelten zwar als kostengünstiger, erreichen jedoch nicht die Präzision von UWB, und ihre Sicherheitseigenschaften sind in der Breite noch weniger erprobt. Herkömmliche NFC-Karten hingegen arbeiten nur lokal und lassen sich vergleichsweise leicht klonen.
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Industrieweite Adaption digitaler Schlüssel
Die Bedeutung der Technologie wird durch zahlreiche Branchenentwicklungen unterstrichen. Das Unternehmen Safetrust präsentierte Mitte September auf der Fachmesse GSX 2026 in Atlanta neue Lösungen, darunter die Aliro Card & Mobile. Diese basiert auf dem Aliro 1.0-Standard der CSA und gewährleistet Interoperabilität zwischen Systemen von Safetrust, Apple, Google und Samsung. Erst in der vergangenen Woche wurde eine spezielle Migrationskarte für diesen Standard eingeführt.
Auch im Automobilbereich schreitet die Integration voran. NXP stellte eine neue digitale Schlüssellösung vor, die auf dem Release 2 des Car Connectivity Consortium (CCC) basiert. Zum Einsatz kommt dabei ein Secure Element des Typs NCJ38A mit Krypto-Beschleunigern.
Das CCC, dem 107 Mitglieder wie VW, Toyota, BMW, GM und Honda angehören, hat in seinem Release 3 zudem Bluetooth Low Energy (BLE) und UWB für den passiven, ortsbasierten Zugang kombiniert. NXP beliefert hierfür Hersteller von Smartphones und Schlüsselanhängern mit entsprechenden Chipsätzen.
Ein konkretes Anwendungsbeispiel zeigt sich bei dem Fahrzeughersteller Li Auto. In Kooperation mit Desay SV und NXP wurde eine Sensor-Fusionslösung für UWB im Nahfeld entwickelt, die im neuen Flaggschiff-SUV Li Auto L9 Livis in Serienproduktion geht.
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Technologische Weiterentwicklung und Marktausblick
Parallel zu den Frequenzdiskussionen entwickelt sich die UWB-Technologie technisch weiter. Ceva und LG Electronics gaben Mitte September eine Kooperation bekannt, um UWB-Lösungen in System-on-Chips (SoCs) zu integrieren. Ein namentlich nicht genannter US-Halbleiterhersteller hat diese Lösung bereits übernommen. Die Architektur unterstützt den Standard IEEE 802.15.4ab, der erhebliche Verbesserungen verspricht.
Dieser neue Standard soll die Reichweite um das bis zu Achtfache steigern, ohne die Sendeleistung zu erhöhen. Zudem sind Datenraten von mindestens 50 Mbit/s sowie Radar-Sensing-Funktionen zur Präsenzerkennung vorgesehen. Laut Analysen von ABI Research wird erwartet, dass der weltweite Versand von UWB-Geräten von 597 Mio. im Jahr 2026 auf fast 1,18 Mrd. bis zum Jahr 2030 ansteigen wird.
Konkurrierende Interessen im 6G-Spektrum
Während die UWB-Branche expandiert, wächst der Druck seitens der Mobilfunkbetreiber. Insgesamt 23 Betreiber und Infrastrukturanbieter, darunter Ericsson, Nokia, Orange und Telefonica, fordern Frequenzbereiche zwischen 5925 und 7125 MHz für den Ausbau von 5G und künftigem 6G.
Verizon-CTO Yago Tenorio formulierte Mitte September klare Anforderungen an die kommende Mobilfunkgeneration: 6G müsse den Stromverbrauch von Geräten um den Faktor 10 senken und benötige für integrierte Sensorik und Kommunikation (ISAC) etwa 400 MHz zusammenhängendes Spektrum pro Betreiber.
Ein kommerzieller Start von 6G wird für das Jahr 2030 erwartet, wobei die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles als technischer Meilenstein dienen sollen. Die Entscheidung, ob und wie das UWB-Spektrum von diesen Plänen tangiert wird, bleibt ein zentrales Thema für die kommenden Jahre.

