Der Softwarehersteller Veeam hat mehrere kritische Sicherheitslücken in zentralen Produkten geschlossen, die eine vollständige Übernahme von Datensicherungen ermöglichen könnten. Sicherheitsforscher warnen insbesondere vor Schwachstellen in den Lösungen Veeam One und der Service Provider Console, durch die Angreifer unbefugten Zugriff auf sensible Infrastrukturen erhalten könnten.
Höchstbewertungen für Schwachstellen in Monitoring-Tools
Im Fokus der Warnungen steht die Monitoring- und Analyseplattform Veeam One 13.1. Die dort identifizierte Sicherheitslücke mit der Kennung CVE-2026-64633 erhielt mit einem CVSS-Wert von 10.0 die höchstmögliche Risikoeinstufung. Nach Angaben von Sicherheitsexperten erlaubt dieser Exploit die Ausführung von Schadcode ohne vorherige Authentifizierung. Unternehmen wird dringend geraten, die Version 13.1.0.7034 zu installieren, um die Lücke zu schließen.
Parallel dazu wurden in der Veeam Service Provider Console mehrere Schwachstellen entdeckt. Die kritischste darunter ist CVE-2026-58073 mit einem CVSS-Wert von 9.5. Sie ermöglicht einen unauthentifizierten Zugriff auf Zugangsdaten von Agenten. Weitere dokumentierte Probleme in dieser Suite umfassen:
- CVE-2026-58072 (CVSS 9.0): Ermöglicht das beliebige Schreiben von Dateien.
- CVE-2026-58067 (CVSS 8.7): Führt potenziell zu einem Denial-of-Service-Zustand.
- CVE-2026-58071 (CVSS 8.2): Erlaubt unbefugten Zugriff auf API-Schnittstellen.
Betroffen sind laut Branchenberichten die Konsolenversion 9.2.1.33875 sowie alle früheren Ausgaben der 9er-Reihe. Als verfügbares Sicherheitsupdate wurde die Version 9.3.0.35057 bereitgestellt.
Umfassende Patch-Offensive und Infrastrukturrisiken
Zusätzlich zu den Überwachungswerkzeugen ist auch der Kern-Backupserver betroffen. Die Schwachstelle CVE-2026-44963 mit einem CVSS-Wert von 9.4 gestattet es authentifizierten Domain-Benutzern, Code aus der Ferne auf dem Backup-Server auszuführen. Insgesamt hat Veeam im Rahmen einer koordinierten Aktion mit Partnern wie HashiCorp und Django elf Sicherheitslücken bereinigt. Bisher liegen keine Berichte über eine aktive Ausnutzung dieser spezifischen Veeam-Schwachstellen in freier Wildbahn vor.
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Die Warnungen fallen in eine phase erhöhter Aktivität gegen Unternehmensinfrastrukturen. So adressierte Cisco kürzlich Schwachstellen in seinem Catalyst SD-WAN mit CVSS-Werten von bis zu 9.9. Betroffene Unternehmen müssen hier auf die Version 20.9 oder später aktualisieren, da keine Workarounds existieren. Gleichzeitig aktualisierte die US-Sicherheitsbehörde CISA ihren Katalog bekannter ausgenutzter Schwachstellen (KEV) um kritische Lücken in Arista VeloCloud Orchestrator und FortiOS, wobei erstere bereits aktiv für unauthentifizierte Befehlsinjektionen genutzt werde.
Verschärfte Bedrohungslage für Identitätsdienste
Die Notwendigkeit schneller Patches wird durch aktuelle Daten zur globalen Bedrohungslage ununtermauert. Analysen von Branchengrößen wie Microsoft zeigen, dass derzeit etwa 7.000 Passwort-Angriffe pro Sekunde verzeichnet werden. Besonders im asiatisch-pazifischen Raum nehmen Identitätsangriffe massiv zu. Experten beobachten zudem, dass der Einsatz von künstlicher Intelligenz die Erstellung von Phishing-Kampagnen, den Diebstahl von Zugangsdaten und die Produktion von Deepfakes beschleunigt.
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Als häufigste Einfallstore identifizierten Analysten übermäßige Berechtigungsvergaben, Fehlkonfigurationen im Active Directory sowie Lücken bei der Mehrfaktor-Authentifizierung (MFA). In Verbindung mit den nun entdeckten Schwachstellen in Backup-Systemen entsteht ein erhebliches Risiko: Gelingt Angreifern der Zugriff auf die Datensicherung, verlieren Unternehmen ihre letzte Verteidigungslinie gegen Erpressungsversuche durch Ransomware-Gruppen. Solche Akteure, darunter die Cl0p-Gruppe, nutzen bekannte Schwachstellen oft unmittelbar nach deren Bekanntwerden aus, wie jüngste Vorfälle bei anderer Unternehmenssoftware zeigten.

